Die Weinlese in den Oberen Neckarvororten beginnt. Unter Corona-Bedingungen. Für den Neuen Wein wurden erste Trauben geerntet. Die Wengerter erwarten einen „vielversprechenden Jahrgang“.

Uhlbach - Von wegen Ferien: Die Kelterteams haben alles vorbereitet. Traubenpressen, Abbeermaschinen und andere Geräte stehen bereit, die Tanks sind gereinigt – an der Fleckensteinbruchkelter des Collegiums Wirtemberg standen am Donnerstag die Traktionen bereits Schlange. Die Weinlese hat begonnen. „Zunächst nur für unseren Neuen Wein“, sagt Collegiums-Geschäftsführer Martin Kurrle. Probelauf für die Traubenannahme. Ausgesuchte Collegiums-Mitglieder lieferten Wannen voller Regent-Trauben ab. Aus ihnen wird der Neue Wein gepresst, der von heute an in den Collegiums-Keltern angeboten wird. „Das gibt eine tolle Qualität. Die Trauben sind für die Saftherstellung beinahe zu schade“, bedauert eine Wengerterin.

Seit Anfang der Woche haben sich die Mienen der Wengerter aufgehellt. „Die ergiebigen Niederschläge im August haben den Trauben einen Reifeschub gebracht“, meint Kurrle. Zu einem ähnlichen Urteil kommt auch Bernd Munk, der Vorsitzende der Weinmanufaktur Untertürkheim. Seine Vorstandskollegen und er verschafften sich am Donnerstag einen Eindruck. „Bislang hingen die Trauben wegen der langen Trockenphase ziemlich traurig am Stock. Der Regen hat ihnen aber gut getan. Wir werden am 14. September mit der Lese beginnen“, sagt Munk. Geerntet werden Grauburgunder, Sauvignon blanc und die frühen Rotweinsorten wie Acolon oder Regent. Ende September oder Anfang Oktober folgt mit Riesling, Trollinger und Co. die Hauptlesezeit.

„Im Vergleich sind wir damit zwei bis drei Wochen früher dran“, sagt Kurrle. Noch gäbe es etliche Ungewissheiten, aber die Vorzeichen stünden nicht schlecht. „Wir hatten im Frühjahr optimales Wetter. Danach verzeichneten wir zwar einige Spätfrostschäden und in einigen Lagen bekamen die Pflanzen Hagelschäden ab, aber die Trauben zeigen sich sehr lockerbeerig. Kleinere hängen neben prall gefüllten Beeren. Das verspricht viel Aroma und Fruchtnoten für unsere Weine“, hofft Kurrle als versierter Oenologe. Die kommenden vier Wochen sind für die Weinqualität entscheidend. Denn noch mehr regnerische Tage könnten die Fäulnisbildung beschleunigen. Auch die Kirschessigfliege müssen die Wengerter im Blick behalten. Auf der anderen Seite trage jeder zusätzliche Sonnentag, so Munk, zu einem höheren Oechsle-Grad bei. Es herrscht erwartungsvolle Vorfreude. Verständlicherweise halten sich die Wengerter zwar mit Prognosen zurück, Kurrle gibt sich aber durchaus optimistisch. „Dem Behang nach zu urteilen, dürfen wir uns auf einen vielversprechenden Jahrgang freuen.“

Die Hände können die Wengerter in der Zwischenzeit allerdings nicht in den Schoß legen. Daniel Kurrle stand am Donnerstag mit seiner Lebensgefährtin im Weinberg im Gewann Steingrube. Handarbeit in der Sonne ist angesagt. „Wir entfernen die Blätter oberhalb der Riesling-Trauben – vorsorglich. Dann können die Trauben bei Nässe besser trocknen.“ Schließlich würden die prächtigen Trauben für die Premium-Ausgabe verarbeitet.

Wenige hundert Meter weiter schneiden Lesehelfer bereits Trauben von der Rebe. Christel Currle und ihr Team holten am Donnerstag Regenttrauben ein und pressten sie gleich. „Für Neuen Wein“, sagt Currle. Sie ist mit der Qualität hochzufrieden. „Die Hitze war nicht zu extrem. Es gibt ein Säurepolster, mit dem wir arbeiten können.“ Kommende Woche wird ihr Team abermals zur Lese ausrücken. „Für den Grundwein für unseren Sekt“, so Currle. Corona wird bei der Lese ein ständiger Begleiter sein. „Viele ältere Lesehelfer halten sich dieses Jahr zurück“, sagt sie. Und die Verantwortlichen des Collegiums Wirtemberg haben wie auch die Weinmanufaktur ein strenges Hygienekonzept mit Spuckschutz, zusätzlichen Desinfektionsapparaten und Waschbecken vorgelegt. „Die Kelter ist für unsere Mitglieder tabu. Sie ist dem Kelterteam vorbehalten. Wobei wir zwei voneinander unabhängige Teams bilden, die sich nicht begegnen dürfen. Wir können keine Infektionen mit anschließender Quarantäne riskieren. Die Trauben müssen verarbeitet werden“, sagt Martin Kurrle.

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