Der Sonnenschein der vergangenen Tage sorgt noch einmal für ein ganz besonderes Fruchtaroma der Trauben. Foto: Alexander Müller

Die Weinlese ist in vollem Gange. Das feuchte Wetter und der Frost im Frühjahr sorgen für einen geringeren Ertrag, trotzdem erwartet Jürgen Off, Kellermeister der Weinmanufaktur Untertürkheim eine gute Qualität, wie er im Gespräch verrät.

Untertürkheim - Zwei bis drei Wochen später als in den Vorjahren hat in den meisten Betrieben in Stuttgart die Weinlese begonnen. Die Ernte ist in vollem Gange. Grund dafür war das durchwachsene Wetter. Der Frost im Frühjahr und die ständige Feuchtigkeit haben das Wachstum verlangsamt, zudem für Ernteausfälle gesorgt. Warum die Wengerter trotzdem einen guten Jahrgang 2021 erwarten, erläutert Jürgen Off, Kellermeister der Weinmanufaktur Untertürkheim.

In den vergangenen Jahren musste erheblicher Aufwand betrieben werden, um die Weinberge zu bewässern. Stets war vom Klimawandel die Rede. Nun ist es zu kalt und zu feucht gewesen. Was bedeutet das für den Jahrgang?

Laut Meteorologen müssen wir auch im Rahmen des Klimawandels mit Schwankungen rechnen. Im Vergleich der letzten 10 Jahre war es zu nass und zu kalt, hingegen liegen wir wahrscheinlich im Mittelwert der letzten 20 bis 30 Jahre. Die Feuchtigkeit und kühlere Luft hat Freibadbetreibern und der Bevölkerung nicht gefallen, den Pflanzen hingegen sehr gut getan, die sich nach den Stressjahren durch die enorme Hitze wieder erholen und Reserven aufbauen konnten.

Im Frühjahr der Frost und über den Sommer die Feuchtigkeit haben Spuren hinterlassen. Wie groß ist der Ausfall bei der Ernte?

Das ist punktuell ganz unterschiedlich – je nach Lage und Sorte. In manchen Parzellen liegt der Ausfall bei 90 Prozent, in anderen lediglich bei 10 Prozent. Fäulnis durch die Feuchtigkeit im Sommer war nicht das Problem, da es trotzdem warm war, aber der Frost hat uns schon geschadet. Betroffen sind vor allem die Frühsorten wie Chardonnay, Lemberger und Trollinger. Generell muss man aber in diesem Jahr leider wohl von 30 bis 40 Prozent Ausfall in der Region Stuttgart ausgehen.

Der Weinbau ist auch immer ein Arbeiten mit der Natur. Welche Entwicklung erwarten Sie für die kommenden Jahren? Welcher Trend würde Ihnen in die Karten spielen?

Grundsätzlich mögen wir Wengerter es eher warm und trocken. Das ist auch der klare Trend der vergangenen Jahre. Das ist grundsätzlich einfacher für den Anbau. Schließlich haben wird immer noch Niederschlag, sind im Vergleich in Europa eines der nördlichsten Anbaugebiete.

Was kann oder wie muss man darauf aus ihrer Sicht reagieren?

Unsere traditionellen Trauben wie Trollinger oder Riesling kommen mit feuchtem wie auch heißem Wetter gut zu Recht. Zudem erlaubt uns der Klimawandel zunehmend auch den Anbau von mondialen Rebsorten wie Merlot oder Cabernet. Allerdings muss man eventuell bei der Anpflanzung umdenken, sodass die traditionellen Sorten auf etwas höher gelegenen Parzellen angebaut werden. Dass beides gut funktioniert, zeigt unser erster Platz beim angesehenen Vinum-Wettbewerb mit einer mondialen und der zweite Platz mit einer heimischen Rebsorte.

Trotz Probleme stehen die Trauben gut da. Welche Erwartungen haben Sie an den neuen Jahrgang?

Große Weinjahrgänge kündigen sich oft versteckt an, somit haben wir beste Voraussetzungen (lacht). Die Witterung war prädestiniert für frische, fruchtbetonte und elegante Weine. Das kommt den weißen Sorten oder auch einem Spätburgunder entgegen – passt aber auch zum Trollinger. Für eine generelle Aussage ist es aber noch zu früh. Die Aussichten sind insgesamt aber gut.

Wann wird die Weinlese abgeschlossen sein? Und wann dürfen sich die Liebhaber auf die ersten Tropfen des Jahrgangs 2021 freuen?

Wir werden sicher bis Ende Oktober noch mit der Lese beschäftigt sein. Durch das verlangsamte Wachstum kann man bestimmte Spätsorten auch noch länger reifen lassen – natürlich immer vom Wetter abhängig. Auf den ersten Wein des Jahrgangs 2021 müssen sich die Liebhaber, zumindest bei uns, bis zum Frühjahr gedulden. Andere Weingüter bieten aber gerne einmal einen Primeur an.