Im März 1930 scheiterte die große Koalition unter dem SPD-Kanzler Hermann Müller. Fortan wurde mit Notverordnungen regiert.
Eine Rhetorik der Krise überflutet die deutsche Öffentlichkeit. Die Untergangsstimmung erinnert an die Agonie der Weimarer Republik. Zwar wurde in der Vergangenheit ein solcher Vergleich stets entschieden zurückgewiesen. „Bonn ist nicht Weimar“: Dieser Befund des Schweizer Publizisten Fritz René Allemann aus dem Jahr 1953 galt lange auch für die „Berliner Republik“. Doch stimmt das noch? Wenn in Teilen der Union und eines rechtskonservativen Bürgertums über eine Minderheitsregierung nachgedacht wird, die sich ihre Mehrheiten mal bei der AfD, mal bei der SPD, vielleicht bei den Grünen sucht, dann kündet dies von einem politischen Romantizismus, wie er in den antidemokratischen Zirkeln der Weimarer Republik blühte.
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