Dass wir zu Hause in unserem eigenen Bett am allerbesten schlafen, ist eine reine Gewohnheitssache. Foto: pixabay

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, wie wir alle wissen. Das macht vieles im Leben leichter, doch es kann auch zu Konflikten führen.

Zum Beispiel, wenn ein unerwartetes Ereignis uns aus unserer Komfortzone reißt, obwohl wir gerade überhaupt keinen Sinn für Überraschungen haben. 

Es kommt auf die Umstände an

Der gewohnte Weg zur Arbeit ist plötzlich gesperrt, weil dort seit heute eine Baustelle ist. Das geschieht natürlich ausgerechnet an einem Tag, an dem man ohnehin schon spät dran ist. In dieser Situation wird wohl niemand mit Freude zur Kenntnis nehmen, dass er auf diese Weise eine interessante Ausweichstrecke entdeckt. Er wird vielmehr das Straßenbauamt zur Hölle wünschen, weil es schuld daran ist, dass er seine gewohnte Strecke nicht befahren kann und deshalb zu spät zu einem wichtigen Termin kommt. 

Abwechslung bringt Farbe ins Leben

Es muss nicht der Weg zur Arbeit sein. Es kann auch die Straße sein, die in ein beliebtes Naherholungsgebiet führt. Nur heute nicht, denn heute findet hier ein Radrennen statt. Wie zum Beispiel am zweiten Wochenende im September, als in Stuttgart zum ersten Mal das erste Brezel Race, ein Radrennen für Jedermann & Jedefrau, stattfand. Für viele Stuttgarter eine tolle Sache, weil sie selbst daran teilnehmen oder das Rennen als Zuschauer verfolgen wollten. Für andere möglicherweise ein Ärgernis, das ihre gewohnte Sonntagsroutine durcheinanderbrachte. 

Störungen sind unangenehm

Wer auf beschauliche Wochenenden steht, wird über sportliche Events in seiner Nachbarschaft nicht sonderlich erfreut sein. Ein Effekt, den Wissenschaftler unter dem Begriff Erste-Nacht-Effekt unter die Lupe genommen haben. Das Ergebnis zeigt, dass uns schon kleine unerwartete Begebenheiten aus unserer Komfortzone werfen können. 

Eine altbewährte Schutzfunktion

Diese Reaktion ist ein Sicherheitsprogramm, das die Evolution uns als Schutz vor feindlichen Überfällen mitgegeben hat. Dass die Rolle des bedrohlichen Säbelzahntigers mittlerweile von unternehmungslustigen Freizeitradlern übernommen wurde, konnte sie beim besten Willen nicht voraussehen. Darum geraten wir auch heute noch aus unserem inneren Gleichgewicht, wenn unsere Routine gestört wird. Selbst wenn es nur eine Nacht ist, die wir in einem fremden Bett in einem ungewohnten Raum, zum Beispiel einem Hotelzimmer, verbringen. 


Das ungute Gefühl auf der ungewohnten Matratze lässt sich kaum beeinflussen, wohl aber die räumliche Umgebung, in der wir übernachten. Daher empfiehlt es sich, bei der Hotelbuchung ein Zimmer zu wählen, das möglichst weit vom Empfang, vom Restaurant und von der Bar entfernt ist. So muss man wenigstens nicht fürchten, dass einem der Lärmpegel, der dort herrscht, den Schlaf raubt. 

Routine gibt Sicherheit

Dass wir zu Hause in unserem eigenen Bett am allerbesten schlafen, ist eine reine Gewohnheitssache. Unser Gehirn hat im Lauf der Zeit gelernt, dass hier keine besondere Wachsamkeit vonnöten ist. Hier ist noch nie etwas Alarmierendes passiert, also wird auch diese Nacht ruhig verlaufen. Wir sind daher entspannt und können friedlich schlafen. 
Erfahrungen wie diese prägen seit jeher unser Naturell, denn mit jeder positiven Gewohnheit haben wir ein Stück Sicherheit erworben. Das spart Energie für wirklich wichtige Aufgaben, weil ja unser Autopilot unterdessen unsere Routineaufgaben erledigt. Das zeigt, dass die Macht der Gewohnheit in vielen Lebenslagen ein willkommener Helfer für uns sein kann.