Für die Radroute soll unter anderem an der Kreuzung der Ulmer/Hedelfinger Straße am Wangener Marktplatz eine Spur entfallen. Foto: Müller Quelle: Unbekannt

Von Alexander Müller

Die geplante Hauptradroute 2 von Stuttgart-Ost über Wangen nach Hedelfingen, erregt weiter die Gemüter. Die CDU-Fraktionen aus Wangen und Hedelfingen kämpfen nun mit einer Flugblatt-Aktion gegen die Umsetzung der Strecke über die Ulmer und Hedelfinger Straße. Sie befürchten, dass es zu langen Staus kommt, wenn Fahr- und Abbiegespuren entfallen. Auch zahlreiche Parkplätze müssten weichen. Als Alternative schlagen sie eine Hauptradroute über die Nähter- und Höhbergstraße am Fuße des Wangener Bergs vor.

„Wir kämpfen nicht gegen einen Radweg an sich“, betont der Hedelfinger Bezirksbeirat Hans Eisele. Man wolle in keiner Weise eine Lobby für die Autofahrer schaffen, vielmehr halten die Christdemokraten aus den beiden Stadtbezirken die Planungen der Stadt für unsinnig. Die neue Hauptradroute 2 soll über die Landhaus-, Ulmer und Hedelfinger Straße eine direkte Verbindung zwischen der Stadtmitte und den Stuttgarter Osten nach Hedelfingen schaffen.

Vor allem die Art und Weise, wie die Stadt bei der Umsetzung vorgegangen ist, schlägt den Christdemokraten auf den Magen. „Wir wurden vor vollendete Tatsachen gestellt, nicht einmal gefragt“, sieht Eisele die Bezirksbeiräte übergangen: Beide Gremien sprachen sich bereits gegen die Streckenführung aus. Offensichtlich wolle man in der Stadt trotz der schwierigen Kessellage um jeden Preis die Fahrradwege installieren, meint er. 3,5 Millionen Euro sind für die neue Hauptradroute 2 vorgesehen.

In erster Linie kritisiert die CDU allerdings die massiven Auswirkungen auf den Straßenverkehr. „An den neuralgischen Kreuzungen wird jeweils eine Spur weggenommen“, sagt Marijan Laszlo, der Sprecher der CDU-Fraktion Wangen. So fällt an der Kreuzung Ulmer-/Inselstraße die Wendespur in Richtung Inselstraße weg. Das Gleiche gelte auch an der Kreuzung zwischen der Ulmer- und Hedelfinger Straße am Wangener Marktplatz. Als dritten Knackpunkt sieht Laszlo schließlich noch die Ecke Hedelfinger Straße/Otto-Konz-Brücken. Auch dort soll eine der beiden Linksabbiegespuren entfallen. „Die Folge sind erhebliche Rückstaus, eventuell sogar weit über den Wangener Marktplatz hinaus“, ist Laszlo überzeugt.

Ebenso sieht es auf der Hedelfinger Straße kurz vor dem Hedelfinger Platz aus. Die zweite Aufstellspur für die Autofahrer zum Abbiegen nach Rohracker entfällt. „Und das auf heute bereits überlasteten Straßen“, sagt Eisele. Selbst das planende Amt bestätige in einem Leistungsfähigkeitsnachweis künftige Staus.

Ebenso ärgerlich: Entlang der Hedelfinger Straße sollen im Zuge der Umgestaltung insgesamt 56 Parkplätze wegfallen - in einem Gebiet, in dem bereits jetzt großer Parkdruck durch die Anwohner, die Kleinbetreibe und die Sportanlagen herrscht. Zudem lägen der Planung auch falsche Zahlen bezüglich der Kreuzung Hedelfinger Straße/Otto-Konz-Brücken zugrunde, meint die CDU. Die Verwaltung ging von einem 10-Minuten-Takt der dort verkehrenden Stadtbahnlinien U 9 und U 13 aus. Inzwischen verkehrt die U 13 aber bereits im 7,5-Minuten-Takt. „Auch der öffentliche Nahverkehr wird somit durch die zu erwartende Stausituation leiden“, sind sich die CDU-ler einig. Dies würde bislang aber „bewusst verschwiegen“.

Und das alles für nicht einmal 20 Radler pro Stunde, wie Verkehrszählungen der Stadt ergaben. „So viel Geld auszugeben für etwas, das nicht funktioniert und unter dem Hunderte von Autofahrern und Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs leiden, ist Unsinn“, will die CDU mit ihrem Flugblatt, das an alle Haushalte in Wangen und Hedelfingen verteilt wird, aufmerksam machen.

Als Alternative schlagen sie den Ausbau der bereits jetzt von vielen Radfahrern genutzten Verbindung über die Nähter- und Höhberg-straße vor. Mit sehr viel weniger Geld könnte dort - „ohne die gefährlichen Lastwagen“ (Laszlo) - ein Radweg am Fuße des Wangener Bergs entstehen. Und das auch sehr viel günstiger als für 3,5 Millionen Euro. Als Kompromiss schlagen die Christdemokraten vor, die geplante Hauptradroute 2 zunächst nur als Versuch anzulegen. Dann würde man ja sehen, ob sich die befürchteten Staus auch wirklich einstellen, „bevor man so viel Geld ausgibt.“

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: