Blick auf die bei dem Brand fast völlig zerstörte Ortschaft Paradise in Kalifornien. Foto: dpa/Noah Berger

Es war das verheerendste Feuer der vergangenen 100 Jahre in den USA. Nicht nicht nur über 18 000 Gebäude in der Stadt Paradise wurden zerstört, es starben auch mehr als 80 Menschen. Der Stromversorger PG&E räumt nun die Verantwortung dafür ein.

San Ramon - Das kalifornische Elektrizitätsunternehmen Pacific Gas & Electric hat sich schuldig am Tod von 84 Menschen bei einem Waldbrand in der Gegend von Paradise erklärt. „Unsere Anlagen haben das Feuer eingeleitet“, erklärte Vorstandschef Bill Johnson am Dienstag (Ortszeit). Die Firma bekannte sich des unbeabsichtigten Totschlags in 84 Fällen für schuldig und räumte auch ein, das Feuer illegal ausgelöst zu haben. „Keine Worte von mir könnten je das Ausmaß der Schäden verringern oder irgendetwas bewirken, um den Schaden zu beheben“, sagte Johnson. „Ich hoffe, die Schritte von heute können ein gewisses Maß von Frieden bringen.“

Das eigentliche Urteil von Richter Michael Deems im Bezirk Butte County gegen Pacific Gas & Electric wird erst am Donnerstag oder Freitag erwartet. Haftstrafen wird es jedoch nicht geben. Vielmehr ist das Schuldeingeständnis Teil einer Prozessabsprache: PG&E hat zugestimmt, für ihr Verbrechen 3,5 Millionen Dollar (umgerechnet rund 3,1 Millionen Euro) Strafe zu zahlen – zusätzlich zu 500 000 Dollar Ermittlungskosten.

Fehlfunktion löste verheerenden Waldbrand aus

PG&E wird vorgeworfen, ihre Anlagen aus Profitstreben vernachlässigt zu haben. Eine Fehlfunktion soll im Herbst 2018 den Waldbrand ausgelöst haben, der die Stadt Paradise 275 Kilometer nordöstlich von San Francisco zerstörte. Pacific Gas & Electric hat Anfang 2019 Insolvenz angemeldet und zugestimmt, insgesamt 25,5 Milliarden Dollar (umgerechnet knapp 22,6 Milliarden Euro) als Ausgleich für Schäden des Paradise-Feuers und weiterer Waldbrände zu zahlen, die ebenfalls auf schlechte Anlagen des Unternehmens zurückgeführt werden.

Viele Todesopfer waren älter oder hatten Behinderungen. Vor ihrem Tod müssen sich teils dramatische Szenen abgespielt haben. Die Leiche eines 49-jährigen Mannes wurde etwa im Auto seiner Mutter gefunden, das in einer Schlange mit drei anderen Wagen stand – ebenfalls jeweils mit Leichen darin. Die Leiche einer 75-Jährigen wurde im Badezimmer ihres Hauses entdeckt; die Frau hatte sich in einen nassen Teppich eingewickelt, um sich vor den Flammen zu schützen.

Teile der Stromleitung fast 100 Jahre alt

„Diese 84 Menschen hätten nicht sterben müssen, wenn PG&E ihren Job vernünftig gemacht hätte“, kritisierte der Bezirksstaatsanwalt Mike Ramsey. Vor Pressevertretern zeigte er fast 100 Jahre alte Teile von Stromleitungen, die zu den Paradise-Waldbränden geführt hatten.

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