Joe Biden wurde offiziell zum Präsidentschaftskandidaten der Demokraten nominiert. Foto: dpa/Uncredited

Es war schon lange klar, nun ist es aber offiziell: Joe Biden wurde zum Präsidentschaftskandidaten der Demokraten nominiert. Der 77-Jährige hat eine große Aufgabe vor sich.

Washington - Die US-Demokraten haben Joe Biden formell als ihren Kandidaten für die Präsidentschaftswahl 2020 nominiert. Parteivertreter und Aktivisten aus dem ganzen Land versprachen dem früheren Vizepräsidenten bei dem virtuell abgehaltenen Parteitag am Dienstag ihre Unterstützung. Am Donnerstag soll Biden die Nominierung in der wegen der Coronavirus-Pandemie weitgehend leeren Kongresshalle in Delaware formell annehmen.

Der frühere Präsident Bill Clinton und der frühere Außenminister John Kerry gehörten zu den Unterstützern Bidens, die in ihren vorab aufgenommenen Videobotschaften vor allem eines unterstreichen wollten: Führung ist bedeutsam. Auch der frühere Präsident Jimmy Carter, mittlerweile 95 Jahre alt, trat in einem Video auf.

„Donald Trump sagt, wir führen die Welt an. Nun, wir sind die einzige größere Industriewirtschaft, deren Arbeitslosenrate sich verdreifacht“, sagte Clinton. „Zu einer Zeit wie dieser sollte das Oval Office eine Kommandozentrale sein. Stattdessen ist es ein Sturmzentrum. Da ist nur Chaos.“

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Höhepunkt in Bidens Karriere

Die offizielle Nominierung ist als ein politischer Höhepunkt in Bidens Karriere zu verstehen. Biden hat zwei Mal die Präsidentschaft angestrebt. Nun ist er der Hoffnungsträger der Demokraten bei dem Versuch, den republikanischen Präsidenten Donald Trump am 3. November zu schlagen.

Biden versuchte, sich als erfahrener und energievoller Kandidat darzustellen, der das Chaos, das Trump im Inland und Ausland geschaffen hat, in Ordnung bringen kann. Er muss dafür eine neue Generation von Wählern begeistern, und während die demokratischen Führungspersonen eine Menge Erfahrung aufweisen, sind viele von ihnen ältere weiße Männer.

Nur 77 Tage vor der Wahl hat Biden weder die Geschichte noch den Enthusiasmus auf seiner Seite. Nur ein amtierender Präsident ist in den vergangenen vier Jahrzehnten nicht wiedergewählt worden. Und Bidens Unterstützer berichten wiederholt, dass sie vor allem dadurch motiviert sind, Trump aus dem Amt zu vertreiben. Der 77-jährige Biden ist Berufspolitiker. Das könnte zu einer geringen Wahlbeteiligung unter den weniger gefestigten Wählern führen, die Biden im November an den Wahlurnen braucht.

Videobotschaften von Alexandria Ocasio-Cortez und Stacey Abrams

Zur Eröffnung des zweiten Tages waren aufstrebende Demokraten wie die Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez und die frühere Abgeordnete aus Georgia Stacey Abrams in Videobotschaften zu sehen. „In einer Demokratie wählen wir keine Erlöser. Wir geben unsere Stimme ab für diejenigen, die unser Ringen sehen und versprechen, zu dienen“, sagte die 46-jährige Abrams, die als potenzielle Kandidatin für die Vizepräsidentschaft gehandelt worden war. „Gegenüber einem feigen Präsidenten ist Joe Biden ein Mann von erwiesenem Mut.“ Insgesamt gab es für die jüngeren Stars des linken Flügels der Partei am Dienstagabend aber wenig Raum.

Bidens Frau Jill wurde am Dienstag ebenfalls als mögliche nächste First Lady vorgestellt. Bidens Kandidatin für die Vizepräsidentschaft Kamala Harris, die vergangenen Woche vorgestellt wurde, soll ihre Nominierung am Mittwoch formell annehmen.

18,7 Millionen Menschen verfolgten Parteitag im TV

Die Einschaltquoten des Online-Events waren am ersten Abend, am Montag, geringer als bei der Nominierung von Hillary Clinton vor vier Jahren. 18,7 Millionen Menschen schauten sich den Parteitag auf den verschiedenen TV-Sendern an, wie das Marktforschungsunternehmen Nielsen Company mitteilte. Bei Clinton waren es knapp 26 Millionen gewesen. Bidens Wahlkampfteam zufolge schauten sich jedoch weitere 10,2 Millionen Menschen das Event online an.

In der Zwischenzeit versuchte Trump mit eigenen Wahlkampfauftritten die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Bei einem Auftritt in Arizona, nahe der Grenze zu Mexiko, behauptete Trump, ein Wahlsieg Bidens würde „eine Flut illegaler Einwanderung“ auslösen „wie es die Welt noch nie gesehen hat“. Derart spalterische Rhetorik die Bidens Positionen falsch wiedergibt, ist zum festen Bestandteil von Trumps Politik geworden.

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