Die Regenbogenflagge, die vorübergehend aufgehängt wurde, hat ein großes Brandloch. Foto: Verein Fläche

Erneut sind Unbekannte auf den Balkon des Kulturzentrums Prisma geklettert und haben eine Flagge heruntergerissen. Anschließend zündeten die Täter sie an.

Das Kulturzentrum Prisma in Bad Cannstatt ist am Sonntag oder in der Nacht auf Montag wohl erneut Ziel rechter Gewalt geworden. Nach bisherigen Erkenntnissen haben Unbekannte eine Regenbogenflagge vom Balkon des Sunny High Clubs entwendet und angezündet. Ein Passant fand den zerstörten Stoff auf einem Gehsteig in der Eisenbahnstraße zwischen der Kneipe Schwemme und dem Parkhaus Wilhelmsplatz und alarmierte die Polizei.

Der Vorfall erinnert an eine Tat, die sich am 26. April ereignet hat. Auch damals kletterten Unbekannte an der Fassade der ehemaligen Schwaben-Bräu-Passage hoch, um eine Regenbogenflagge zu stehlen. Anschließend wurde das Zeichen für Toleranz und Akzeptanz im Bereich des Bahnhofsvorplatzes von drei Männern zerschnitten. So auffällig, dass Augenzeugen sogar Bilder von ihnen machen konnten.

Tatzeitpunkt dieses Mal unklar

Der Staatsschutz, der bei mutmaßlich politisch motivierten Taten eingeschaltet wird, hat die Ermittlungen aufgenommen. Auch im aktuellen Fall wurde Anzeige erstattet. „Wir können den genauen Zeitpunkt der Tat aber nicht festlegen, weil wir sie dieses Mal nicht gesehen haben“, sagte eine Sprecherin des soziokulturellen Zentrums. Im Lauf des Nachmittags hätten Männer jedoch im Umfeld Böller abgefeuert. Hinweise nimmt die Kriminalpolizei unter der Rufnummer 07 11 / 89 90 - 57 78 entgegen.

Die Flagge wurde auf einem Balkon oberhalb der Schwemme gehisst. Foto: Verein Fläche

Die Flagge habe man nach dem ersten Vorfall nur interimsweise angebracht. „Schließlich wird am Freitag, 30. Mai, im Rahmen einer Kundgebung gegen Hass und Gewalt die große Flagge gehisst“, so die Sprecherin. Ab 17.30 Uhr lädt Prisma dazu auf den Cannstatter Bahnhofsvorplatz ein. Unterkriegen lasse man sich nicht. „Die Kundgebung wird wie geplant stattfinden, jetzt erst recht.“ Es seien alle Stuttgarterinnen und Stuttgarter eingeladen, sich zu solidarisieren und ein Zeichen gegen rechte Gewalt zu setzen.

Schwieriger Spagat

Zugleich würden die beiden „Nazi-Angriffe“ auch nachdenklich machen. „Wir sind im Austausch mit der Stadt, der die Liegenschaft gehört, und überlegen, wie wir uns schützen können.“ Es sei aber ein schwieriger Spagat, die Sicherheit zu erhöhen und gleichzeitig ein offenes Kulturzentrum zu bleiben.