Im Getriebe der Gedanken: Heidi Graf. Foto: Bulgrin Quelle: Unbekannt

Von Thomas Krazeisen

Esslingen - Die Esslinger Künstlerin und studierte Grafik-Designerin ist auch eine kreative Theaterfrau; eine mit vielen Rollen. Sie ist gewissermaßen Intendantin, Regisseurin, Ausstatterin, Autorin und nicht zuletzt Darstellerin in ihren Stücken. Zugegeben, Heidi Graf ist Herrin über ein sehr kleines Theaterreich. Doch das hat einen großen Vorteil: Sie ist mit ihrer Schwarzlichtbühne hoch mobil und kann ihre besondere Kunst im privaten Rahmen ebenso anbieten wie in einem öffentlichen Schauspielhaus. Jetzt ist Heidi Graf an der Esslinger Landesbühne (WLB) zu Gast. Morgen Abend hat ihr jüngstes Projekt „Frau Kunz träumt“ im WLB-Studio am Blarerplatz Premiere (20 Uhr).

Was mit einer modifizierten Kasperltheaterbühne begann, ist mittlerweile zu einem professionell aufbereiteten Theaternischenprodukt geworden. Bereits seit sieben Jahren gibt es Heidi Grafs kunstvoll illuminiertes und mit elementaren Theatermitteln bespieltes Dunkelkabinett, das nicht breiter ist als ein Türrahmen. Darin zeigt sie ein individuell weiterentwickeltes Kleinbühnen-Format mit einer Kombination aus Malerei, pantomimischem Spiel, Erzähltheater und Musik, das seine Erfinderin umso mehr schätzt, als sie hier noch näher am Publikum sein kann, als dies üblicherweise im Theater der Fall ist.

In Esslingen, ihrer schwäbischen Wahlheimat seit mehr als einem Jahrzehnt, war die gebürtige Berlinerin mit ihrer minimalistisch ausgestatteten Bühne etwa schon beim Esslinger Verein Kultur am Rande in der Spinnerei an der Maille zu sehen oder zuletzt beim Kulturfest „Stadt im Fluss“ - da übrigens in den Räumlichkeiten der WLB, freilich in einem fürs Publikum normalerweise nicht zugänglichen Bereich des Schauspielhauses.

Auch Intendant Friedrich Schirmer ist von Heidi Grafs Theaterästhetik angetan, und weil die WLB unter ihm das Haus verstärkt auch für Gastspiel-Engagements öffnet, ergibt sich nun für die Künstlerin die Möglichkeit, unter dem Dach der Esslinger Landesbühne eine neue Geschichte zu erzählen. Wobei es sich streng genommen bei „Frau Kunz träumt“ um eine Fortsetzung ihrer „Stadt im Fluss“-Performance „Vom Dunkel ins Licht“ handelt. Dieses Stück stellte von der biblischen Schöpfungserzählung ausgehend Fragen wie die nach dem Bösen in der Welt oder nach der Gerechtigkeit Gottes; dabei wurden auch philosophische Positionen miteinbezogen. Im neuen, etwa einstündigen Stück stehen wiederum alttestamentarische Protagonisten Pate. Hinter der Titelfigur, die im Labor einer Fabrik Knetseife erfunden hat, und ihrem Kollegen, dem Produktdesigner Herrn Hinz, der ihr diesen Coup neidet und den Arbeitsalltag vermiest, steckt das biblische Brüderpaar Kain und Abel. Graf sieht ihr Stück als eine Art moderne Parabel auf Menschen, die durch Mangel an Wertschätzung beziehungsweise Selbstwertgefühl anfälliger für Neid und Aggressivität werden.

Wie sich das Gefühlsleben der Kollegen in Mimik und Gestik bei diesem Konflikt von Hinz und Kunz auswirkt, zeigt Graf mit ihren Händen. Sie sind mit Stoffen verhüllt, die unter speziellem UV-Licht in der Dunkelheit zu leuchten beginnen. Zu Anfang des Traumspiels ist es freilich noch hell im Raum: Die Porträtmalerin Heidi Graf führt an der Staffelei mit Zeichenstift und Papier in die Geschichte ein, die von klassischen Klavierklängen untermalt wird.

Die Premiere „Frau Kunz träumt“ beginnt morgen Abend um 20 Uhr im WLB-Studio am Blarerplatz. Eine weitere Vorstellung findet dort am 10. Februar ebenfalls um 20 Uhr statt. Karten unter Tel. 0711-35123044.

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