Nikola Zaja (Mitte) vom Internetportal Hrvati Stuttgart hat die Aktion mit Ante Prusina (Zweiter von links) organisiert. Der Präsident der kroatischen Kulturgemeinschaft Stuttgart hat die Wohnwagen von Wangen aus gemeinsam mit Robert Molnar (links) sowie Robert Nikic und Mario Illicic (rechts) ins Erdbebengebiet gebracht. Foto: Sebastian Steegmüller

Die kroatische Kulturgemeinschaft Stuttgart und das Internetportal Hrvati Stuttgart haben Camper gekauft. Sie sollen im kroatischen Krisengebiet wohnungslosen Familien ein Dach über dem Kopf bieten.

Wangen - Rund 90 Tonnen an Hilfsgütern haben verschiedene kroatische Gemeinden und Vereine in Stuttgart über den Jahreswechsel gesammelt, um Menschen im Erdbebengebiet Kroatiens zu unterstützen (wir berichteten). Lebensmittel, Hygieneartikel sowie Decken und Kleidung sind mittlerweile vor Ort eingetroffen, vielen betroffenen Familien fehlt es jedoch an noch viel elementareren Dingen: einem Dach über dem Kopf.

Übernachten im Freien

„Wir kriegen täglich Bilder geschickt, auf denen Leute zu sehen sind, die im Freien am Feuer oder in einem Zelt schlafen müssen. Bei Minusgraden“, sagt Nikola Zaja, der einer der Betreiber des Internetportals Hrvati Stuttgart ist. Auf den Seiten werden normalerweise Kultur- und Sportveranstaltungen angekündigt, die in der Landeshauptstadt stattfinden. Seit dem ersten schweren Erdbeben, das am 29. Dezember mit einer Stärke von 6,4 die kroatische Zentralregion traf, wird dort gemeinsam mit der kroatischen Kulturgemeinschaft Stuttgart in erster Linie um Spenden gebeten. Rund 21 000 Euro sind innerhalb von eineinhalb Wochen zusammengekommen. „Die Hilfsbereitschaft ist wirklich riesig“, sagt Ante Prusina, Präsident der kroatischen Kulturgemeinschaft Stuttgart. „Mich freut, dass uns nicht nur Kroaten unterstützen, sondern die Spenden auch von Bürgerinnen und Bürgern anderer Nationalität kommen“, fügt der 33-jährige Zaja hinzu, dessen Familie bereits in dritter Generation in Deutschland lebt. „Es ist toll, wie die Menschen in einer Notsituation zusammenhalten.“

Viel Einfühlungsvermögen

Doch was macht man mit dem Geld? „Uns ist die Antwort auf diese Frage sehr schwergefallen“, sagt Prusina. Nach langen Diskussionen habe man beschlossen, sechs gebrauchte Wohnwagen zu kaufen. „Sechs Familien bekommen dadurch ein Dach über dem Kopf“, sagt Prusina, der sich vergangene Woche im Umkreis von rund 100 Kilometern um Stuttgart auf die Suche nach geeigneten Campern machte – und relativ schnell fündig wurde. „Als wir den Verkäufern gesagt haben, was wir vorhaben, war das Einfühlungsvermögen groß.“ Und Preisverhandlungen nicht mehr notwendig. „Sie sind uns alle sehr entgegengekommen.“ Einer der Verkäufer sei ein treuer Kroatienurlauber gewesen. „Er fand es super, dass sein Wohnwagen dort für einen guten Zweck zum Einsatz kommt“, sagt Prusina, der versprach, Bilder vom neuen „Zuhause“ zuschicken. Damit die Wohnwagen nicht in falsche Händen gelangen, stehe man vor Ort mit einer katholischen Gemeinde und der Feuerwehr in Kontakt. „Es gibt viele, die versuchen, die Notsituation auszunutzen. Wir vertrauen einem Pfarrer in Vojnić, der weiß, wer die Hilfe am dringendsten benötigt.“

Schlosserei stellt Fahrzeuge bereit

Vor der Überführung der Camper wurden sie von Alen Primorac in Bad Cannstatt und Robert Molnar in Wangen, beide Kfz-Mechaniker, auf Vordermann gebracht, teilweise auch der TÜV gemacht. „Bei der Zulassung hat uns das Landratsamt Schorndorf unterstützt. Dort wurde uns kurzfristig ein Termin eingeräumt, ansonsten wäre die Fahrt wohl nicht möglich gewesen.“ Wie schon bei der Lieferung der Hilfsgüter habe die kroatische Botschaft erneut sämtliche Papiere fertiggemacht, die zur Ausreise benötigt werden. „Unter anderem mussten wir beim Grenzübertritt keinen Corona-Test vorzeigen“, sagt Prusina, der einer der Fahrer war, die sich am Freitagabend auf den zehnstündigen Weg ins Krisengebiet gemacht haben. „Wir waren jeweils zu dritt in einem Zugfahrzeug, haben uns am Steuer abgewechselt, daher ging es“, so der 43-Jährige. Bereits am Samstagmorgen ging es wieder zurück. Weil ein Sprinter kurz vor der Abfahrt aus Stuttgart einen technischen Defekt hatte, stellte Heiko Hein von der gleichnamigen Cannstatter Schlosserei zwei Fahrzeuge zur Verfügung. „Er hat von unseren Problemen gehört und uns einfach geholfen.“

Spenden sind über das Konto der kroatischen Kulturgemeinschaft Stuttgart unter Iban DE27 6004 0071 0556 88 1100 (Verwendungszweck Erdbeben Kroatien) möglich. Eine weitere Option bietet sich über Paypal unter https://www.paypal.com/pools/c/8vAXebwNvY.

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