In Baden-Württemberg haben die Hausärzte ein Fiebermerkblatt für Patienten erstellt, um ihnen im Krankheitsfall eine Hilfe an die Hand zu geben. Foto: IMAGO/Funke Foto Services

Die aktuelle Grippewelle belastet Hausärzte und Kliniken in Stuttgart: Die Virusinfektion betreffe derzeit ungewöhnlich viele Kinder, vermeldet etwa das Olgahospital.

Die Grippesaison ist im vollen Gange. Das zeigte sich schon gleich an den ersten Tagen nach der Winterpause über Weihnachten und Dreikönig, in der viele Praxen in Stuttgart und der Region geschlossen hatten: „Viele Kollegen berichten über eine erhöhte Zahl an Patientinnen und Patienten mit akuten Atemwegsinfektionen, darunter auch Influenza“, bestätigt der Hausärztinnen- und Hausärzteverband Baden-Württemberg.

Von einer ungewöhnlich großen Welle sei man allerdings entfernt: „Die aktuelle Infektionslage ist saisontypisch angespannt“, sagt die Vorsitzende Susanne Bublitz, niedergelassene Hausärztin in Pfedelbach (Hohenlohekreis). Aktuelle Daten, wie viele Menschen sich derzeit mit Influenza-Viren deutschlandweit und auch im Südwesten angesteckt haben, gibt das Robert Koch Institut erst in der kommenden Woche bekannt.

Vermehrt stationäre Aufnahmen wegen Grippe

Dass die Hausarztpraxen wieder geöffnet haben, zeigt sich auch in den Krankenhäusern: In der zentralen Notaufnahme des Diakonie-Klinikums (Diak) melden sich aktuell täglich zwischen sieben und zehn Personen mit Grippe-Symptomen unterschiedlicher Schwere. „Mit dem Öffnen der Praxen nach der Weihnachtspause hat sich die Situation heute etwas entspannt“, sagt der Diak-Sprecher Frank Weberheinz. Die meisten Patienten werden ambulant versorgt, nur wenige müssen stationär aufgenommen werden. „Wir rechnen hier saisonbedingt im Durchschnitt mit etwa einem Viertel mehr Patienten als normalerweise.“

Auch im Robert Bosch Krankenhaus (RBK) Stuttgart liegen die Zahlen der stationären Aufnahmen aufgrund von Influenza nur leicht über den Aufnahmen in den vergangenen Jahren. „Aktuell haben wir 107 isolierte Patientinnen und Patienten, überwiegend aufgrund von Influenza und Covid 19“, sagt die RBK-Sprecherin Manuela Feyder.

Im Marienhospital sind in der ersten Woche des neuen Jahres bislang 17 Covid-Patienten, 36 Influenza-A-Infektionen sowie ein RSV-Fall als jeweils PCR-bestätigte Erstdiagnosen festgestellt worden: „Damit sind derzeit knapp zehn Prozent unserer Patientinnen und Patienten von diesen respiratorischen Viren betroffen“, sagt die Sprecherin Christine Traber. Da diese Infektionen in der Regel eine Unterbringung in Einzelzimmern mit Isolationsmaßnahmen erfordern, sind aktuell fast 20 Prozent der Krankenhausbetten direkt oder indirekt durch diese Erkrankungen belegt.

Vermehrt Patienten mit Influenza und Covid in der Klinik

Im Klinikum Stuttgart dagegen zeigt sich schon ein starker Anstieg der Infektionszahlen: „Wir behandeln derzeit im Vergleich zum Vorjahr ungefähr dreimal so viele Patienten mit Influenza stationär“, sagt der Sprecher des Klinikums, Stefan Möbius. Um Personal und andere Patienten zu schützen, gelten bei Grippeinfizierten strenge Hygienemaßnahmen, insbesondere die Versorgung in Isolationszimmern.

Die Grippewelle betrifft vor allem jüngere: Im Olgahospital, dem Kinderkrankenhaus des Klinikums Stuttgart, ist die Zahl der Grippe-Patienten anhaltend hoch. „Im Dezember mussten 70 kleine Patienten wegen einer Influenza stationär in der Kinderklinik behandelt werden“, sagt Möbius. Auch die Kindernotaufnahme ist daher stark frequentiert. Die Verläufe reichen von mild bis sehr schwer mit gravierenden Komplikationen.

Bei leichten Symptomen Maske aufsetzen

Um eine größere Ausbreitung der Grippe-Infektionen zu verhindern und ältere Menschen sowie Risikogruppen zu schützen, appelliert der Hausärzteverband Baden-Württemberg an die Stuttgarter, bei Krankheitssymptomen zuhause zu bleiben: Wer Husten, Halsschmerzen oder Fieber hat, solle möglichst nicht unter Menschen gehen, um niemanden anzustecken. „Auch bei ersten Symptomen lohnt es sich schon, eine Maske aufzusetzen, wenn man unbedingt raus muss“, sagt die Vorsitzende Bublitz. Und sie ergänzt, sozusagen als Hinweis an alle Arbeitgebervertreter und Politiker, die an dieser Stelle Einschränkungen wünschen: „Die telefonische Krankschreibung entlastet aktuell sowohl die Praxen als auch die Patientinnen und Patienten.“

Für Menschen mit Vorerkrankungen oder erhöhtem Risiko bleibt die Grippeschutzimpfung sinnvoll. „Wer sich noch impfen lassen möchte, sollte direkt bei der eigenen Hausarztpraxis nachfragen, da es regional vereinzelt zu Engpässen kommen kann“, sagt Bublitz. Auch gesunden Menschen können einer Ansteckung mit einigen Hygieneregeln vorbeugen: „Die Tipps aus der Corona-Zeit helfen auch bei der Influenza“, sagt Bublitz: Dazu gehöre regelmäßig zu lüften und die Hände zu waschen. Auch gelte es, in Innenräumen lieber mal eine Maske tragen – besonders, wenn man zu einer Risikogruppe gehört oder unsicher ist.

Fiebermerkblatt für Patienten erstellt

In Baden-Württemberg haben die Hausärzte inzwischen ein Fiebermerkblatt für Patienten erstellt, um ihnen eine medizinisch korrekte Hilfe an die Hand zu geben, wenn sie von fieberhaften Infekten betroffen sind – „auch um ihnen die Angst vor dem Symptom Fieber zu nehmen“, sagt Jürgen de Laporte, Präsident der Bezirksärztekammer Nordwürttemberg und Mitautor des Merkblatts.

Darin wird unter anderem geraten, täglich in den Abendstunden Fieber zu messen – und zwar im Po – und diese Temperatur zu notieren. Denn nur die rektale oder auch vaginale Messung kann die annähernd richtige Körpertemperatur abbilden. „Wichtig ist auch, in der Fieberphase in der warmen Wohnung zu bleiben und regelmäßig zu trinken“, sagt de Laporte. Am besten Tee oder Wasser abwechselnd mit Brühe oder Gemüsesaft. Wenn die Körpertemperatur am Abend dann über zwei bis drei Tage unter 37 Grad beträgt und die Treppe sich beschwerdefrei erklimmen lässt, kann sich der Alltag langsam normalisieren.