Zwei aus der Klasse haben Pepperdienst, lernen Verantwortung zu übernehmen. Quelle: Unbekannt

Seit Schuljahresbeginn ist Pepper offiziell Schulhund der Klasse 3b der Elise-von-König-Schule. Immer dienstags ist er Teil des Unterrichts und wirkt sich positiv auf die 21 Kinder aus.

Stuttgart-MünsterDienstag ist ein ganz besonderer Tag für die Klasse 3b der Elise-von-König-Schule. Da kommt Pepper. „Alle freuen sich darauf“, beschreibt Klassenlehrerin Nadine Echner, „auch Pepper.“ Denn seit Schuljahresbeginn ist er offiziell Schulhund der 3b. Nadine Echner hat ihre Masterarbeit an der Pädagogischen Hochschule über „Tiergestützte Therapie“ geschrieben und sich intensiv mit dem Thema Schulhund befasst. Die positiven Aspekte überzeugten sie vollends. „Denn mir war klar, dass ich als Lehrerin den Kindern Umgang mit Hunden ermöglichen will.“ Hunde spielen schon immer eine Rolle in ihrem Leben.

Doch erst einmal war viel Überzeugungsarbeit nötig. Als sie Schulleiterin Damaris Scholler von ihrem Vorhaben erzählte, war diese erst skeptisch. „Das Projekt ist sehr gut, muss aber auch sehr gut geplant sein und nicht nur aus einer Laune heraus.“ Scholler machte sich bei einer Expertin von tiergestützter Therapie schlau, holte diese auch zum Referieren an die Schule. Denn alle Gremien sollten dem Projekt zustimmen – Gesamtlehrerkonferenz, Schulkonferenz und auch die Elternbeiräte. Das unterstützte das Vorhaben der Klassenlehrerin, die grünes Licht für Pepper erhielt. Den Australian Shepherd hat sich die Klassenlehrerin, die seit zwei Jahren an der Schule tätig ist, dafür auserkoren. „Diese Hunde sind extrem intelligent und haben ein tolles Gespür.“

Pepper, inzwischen ein Jahr alt, war schon im vorigen Schuljahr als Welpe ab und an in der Klasse. So konnten sich alle aneinander gewöhnen und beschnuppern. Vor dem Einsatz klärte Echner noch eventuelle Allergien ab und baute bestehende Ängste bei einer Schülerin ab. Pepper, der erst mit 15 Monaten die Prüfung als Schulbegleithund ablegen kann, ist inzwischen aller Liebling. Auch die Rektorin ist begeistert. „Er ist ein wunderbarer Hund, der das Schulleben bereichert.“

Nadine Echner steckt viel Zeit und auch Geld in den Schulhund. Unterstützung gibt es keine. Das ist in Bayern anders. „Das ist der Schulhund anerkannt.“ Pepper soll auch einmal die Ausbildung zum Therapiehund absolvieren, die sehr kostspielig ist. Vor dem Einsatz hat sich die Klassenlehrerin Tipps eingeholt. An der Pelikanschule in Neugereut ist Paula als Schulhund im Einsatz. „Mit ihrer Besitzerin stehe ich in Kontakt.“ Eine Freundin hat in Bayern ihren Hund in der Realschule dabei.

Immer dienstags ist Pepper an der Elise-von-König-Schule. Ab und an noch an einem zweiten Tag. „Das reicht. Mehr als zwei Tage wären noch zu viel.“ Für den einjährigen Schulhund ist der Schultag anstrengend. Wenn es ihm zuviel wird, zeigt er das. „Wäre Pepper nicht so kinderlieb, hätte ich das Projekt abgebrochen.“ Zwang dürfe es nie geben. In der Klasse 3b wurden klare Regeln aufgestellt – gemeinsam. Keiner ruft den Hund, er wird nicht umzingelt, nicht mehr als drei Kinder beschäftigen sich mit dem Hund, es wird nicht gerannt und im Klassenzimmer müssen alle leise sein. Dafür gibt es das Handzeichen „Schweigefuchs“.

Immer zwei aus der Klasse, die aus 21 Schülerinnen und Schülern besteht, haben Pepperdienst. Sie bleiben in der Pause im Klassenzimmer, können mit dem Hund spielen, ihn streicheln, lernen Verantwortung zu übernehmen. Auch während der Freiarbeit sind sie für den Hund zuständig. Dann ziehen sie sich in einen Bereich zurück, machen dabei Leseübungen. „Da fühlen sie sich nicht so unter Druck gesetzt.“ Sie können auch mit ihm Gassi gehen, müssen ihn dann danach trocknen, wenn es regnet, und bürsten. Die Lehrerin ist sehr zufrieden. „Die Klasse macht das ganz toll.“

Auch beim täglichen Ritual zu Unterrichtsbeginn ist Pepper eingebunden. Ein Kind aus der Klasse – wer, wird gelost – darf Leckerlis im von den Schülern hergestellten Schnüffelteppich verstecken. Später werden einzelne Leckerlis im Zimmer verteilt. Echner nimmt ihren Hund auch in den Kunst- und Englischunterricht in die Klassen 7 und 9 mit. Auch da wirkt er positiv auf das Schülerverhalten. Als in Klasse 5 das Thema Hund behandelt wird, kann dank Pepper am lebenden Objekt unterrichtet werden. „Man kann ihn in jedem Fach einbauen.“

Pepper spürt auch, wenn die Kinder traurig sind, und spendet Trost. Wie derzeit. Nach einem Trauerfall in der Schule hilft er nicht nur seinem Frauchen, sondern auch der Klasse 3b bei der Trauerbewältigung. „Pepper ist wie ein Klassenkamerad.“

Schulhund

Der Schulhund gehört zum Bereich der tiergestützten Pädagogik. Der Hundeführer, ein ausgebildeter Pädagoge, durchläuft mit seinem Hund eine intensive, stufenweise Ausbildung in Theorie und Praxis. Das Team (Mensch & Hund) kann in Schulen, Kindergärten und anderen pädagogischen Einrichtungen eingesetzt werden. In der Schule kann das Team dazu beitragen, dass eine lernförderliche Atmosphäre geschaffen wird, wodurch Lernprozesse positiv beeinflusst werden. Kinder lernen leiser und konzentrierter, ihre Arbeiten zu erledigen. Der Schulhund beeinflusst positiv das Wohlbefinden, die Stimmungslage und die Gesundheit.

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