Großer Abschied: Mario Gomez (Mitte) hat seine Karriere beendet. In unserer Bildergalerie sehen Sie Stationen seiner glanzvollen Karriere. Foto: Baumann

Das 1:3 zum Abschluss gegen Darmstadt 98 ist nicht mehr als eine Randnotiz gewesen. Denn: der VfB Stuttgart ist aufgestiegen, Mario Gomez hat getroffen – und hinterher sein sofortiges Karriereende verkündet. Aus guten Gründen.

Stuttgart - Um 17.09 Uhr ist es so weit. Mario Gomez, einer der besten Stürmer, die der VfB Stuttgart je hervorgebracht hat, verlässt die große Fußballbühne. Seine Mitspieler auf dem Rasen­ klatschen Beifall, die Trainer, Betreuer­ und Reservisten auf der Bank verneigen sich im Trikot des 34-Jährigen, der auf die Tribüne hinaufgeht und neben Frau und Sohn die letzten Minuten verfolgt. Einen weiteren Gegentreffer bekommt er dort zu sehen – doch was soll’s?

In seinem 230. und letzten Pflichtspiel für den VfB hat Gomez zuvor sein 110. Tor geschossen. Und zehn Minuten nach seiner Auswechslung ist dann auch seine letzte Mission erfüllt: die Bundesliga-Rückkehr seines Herzensclubs. „Ich bin sehr dankbar, denn es war mein großer Wunsch, das zu schaffen“, sagt Gomez, der gleichzeitig das sofortige Ende seiner Profilaufbahn verkündet: „Es gibt für mich im Fußball noch so etwas wie Romantik. Es war immer mein Traum, meine Karriere in Stuttgart zu beenden – dort, wo alles begonnen hat. Den Aufstieg widme ich daher den Fans.“

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Am Aufstieg ändert auch das 1:3 (1:1) gegen den SV Darmstadt 98 nichts, bereits die zehnte VfB-Niederlage, die irgendwie das passende Ende einer in vielerlei Hinsicht denkwürdigen Zweitligasaison ist. „Es war eine Zitterpartie“, sagt VfB-Vorstandschef Thomas Hitzlsperger. „Die Erwartungen waren­ zu Recht hoch – wir haben es erst ganz am Ende geschafft, unser gestecktes Ziel zu erreichen. Diese Saison hat viel Kraft gekostet.“

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Am VfB-Aufstieg hatte es angesichts von drei Punkten und elf Toren Vorsprung auf den Tabellendritten aus Heidenheim schon vor dem Abschluss keinen ernsthaften Zweifel mehr gegeben. Nicht viel mehr als ein weiterer Schönheitsfehler ist daher die Niederlage am letzten Spieltag, der noch einmal eindrucksvoll die Schwäche der VfB-Konkurrenz verdeutlicht: Heidenheim erreichte trotz einer 0:3-Niederlage bei Meister Arminia­ Bielefeld die Relegationsspiele gegen Werder Bremen, weil es dem Hamburger SV nicht gelang, gegen den SV Sandhausen auf eigenem Platz wenigstens einen Punkt zu holen. Die Hanseaten blamierten­ sich beim 1:5 noch einmal bis auf die Knochen – und müssen nun ein drittes Jahr in der zweiten Liga bleiben.

Die vielen Niederlagen sind erst einmal vergessen

Dem VfB hingegen ist auch diesmal der sofortige Wiederaufstieg gelungen, wie vor drei Jahren und trotz aller zwischenzeitlichen Probleme. Eine ausführliche Analyse dieser so wechselhaften Saison soll folgen – vergessen sind aber zumindest an diesem Tag die vier Niederlagen gegen die Underdogs von Holstein Kiel und dem SV Wehen Wiesbaden, die Derby-Schmach in Karlsruhe oder der Trainerwechsel, der auch in dieser Spielzeit nötig war.

Vor drei Jahren war es Hannes Wolf gewesen­, der den VfB zurück in die Bundesliga geführt hatte, jetzt ist es Pellegrino Matarazzo. „Wir haben Höhen und Tiefen erlebt und sind immer wieder aufgestanden. Alle haben immer daran geglaubt, dass wir unser Ziel erreichen können. Ich denke, das war entscheidend“, sagt der VfB-Coach und ist „sehr stolz auf diese Truppe“. Mit den beiden Kantersiegen gegen den SV Sandhausen (5:1) und beim 1. FC Nürnberg (6:0) hatte er seine Mannschaft gerade noch rechtzeitig auf Bundesligakurs gebracht – und konnte somit Mario Gomez mit einem Platz in der Startelf verabschieden.

Gomez trifft noch einmal in echter Torjägermanier

Was alle gehofft hatten, geschah kurz vor der Pause: Mit einem Ausfallschritt traf der frühere Nationalspieler zum zwischenzeitlichen 1:1. Zuvor hatte Serdan Dursun (32.) die Gäste in Führung gebracht­, nach der Pause trafen Matthias Bader (53.) und Tobias Kempe (88.) für den Tabellenfünften, der nach der Gelb-Roten Karte für Victor Palsson von der 67. Minute an mit zehn Mann auskommen musste.

Wehmut kommt am Ende der Ära Gomez­ auch bei Thomas Hitzlsperger auf: „Mario ist ein überragender Stürmer und ein überragender Typ. Ich bin sehr froh, dass er so eng mit dem VfB verbunden ist. Wir werden ihn hoffentlich bald wiedersehen.“ Welche Pläne Gomez für die nächste Zeit hat, ist unklar – gewiss hingegen ist, dass der VfB wieder in der Bundesliga mitspielen darf.

Die Fans feiern den Aufstieg vor dem Stadion

Vergessen ist daher zumindest vorübergehend auch der VfB-Appell an den eigenen Anhang, nicht zum Stadion zu kommen. Auf dem Umlauf der Haupttribüne lassen sich die Spieler von jenen Fans feiern, die trotz aller Corona-Auflagen nicht darauf verzichten wollten, der Mannschaft möglichst nahe zu sein. Natürlich ist es auch dort Mario Gomez, der im Mittelpunkt steht. Am Abend dann die Party im Amici in der Stuttgarter Innenstadt, bei der es viele Gründe zum Feiern gibt: Gomez gibt seinen Ausstand, der VfB ist zurück in der Fußball-Bundesliga – und am nächsten Morgen haben alle frei.

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