Zwei Trainer auf Augenhöhe: Matthias Sammer (VfB Stuttgart/links) gegen Jürgen Klopp vom FSV Mainz im August 2004 Foto: imago

Der VfB Stuttgart empfängt den FSV Mainz 05 in der Bundesliga. Kenner wissen: Da war doch was. Am 8. August 2004 startete eine deutsche Trainer-Weltkarriere bei diesem Duell in Stuttgart so richtig – eine Zeitreise mit vielen Anekdoten.

Stuttgart - Wenn der VfB Stuttgart an diesem Freitagabend den FSV Mainz 05 zum Bundesligaspiel empfängt, dann kann von einer langen, traditionsreichen Historie nicht die Rede sein – denn dieses Duell gab es aufgrund der recht kurzen Bundesliga-Geschichte der Mainzer nicht so oft, als dass Franz Beckenbauer dazu seinen Klassikersatz zum Besten geben könnte („we call it a Klassiker“).

Für einen Mann aber bleibt dieses Duell zwischen dem VfB und Mainz unvergessen und wahrscheinlich auch ewig jung. Der Mann heißt Jürgen Klopp, er ist der aktuelle Welttrainer – und er war am 8. August 2004 zum ersten Mal Bundesligatrainer.

Der gebürtige Stuttgarter war in den Vorjahren mit Mainz zweimal in letzter Sekunde am Aufstieg gescheitert, ehe der FSV 2004 doch noch den Sprung nach oben schaffte. Und dann kam es also am ersten Spieltag beim VfB an einem Sonntagabend zum Mainzer Bundesligadebüt. Und damit auch zum Bundesligadebüt des Jürgen Klopp, der es vorher auch als Profi nie über die zweite Liga hinaus geschafft hatte.

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Ausgerechnet in Stuttgart also feierte Klopp im Sommer 2004 seine Premiere – ausgerechnet deshalb, da er als Kind und Jugendlicher ein glühender Fan des VfB war und seinen Helden um Karlheinz Förster des Öfteren im Neckarstadion zujubelte.

Klopp gibt einen echten Klopp

Und wie lief das nun damals, an jenem 8. August 2004? Schlecht für Klopp und seine Mainzer Aufsteiger, das lässt sich nach dem 4:2-Sieg des VfB sagen. Stürmer Cacau traf dreimal im Gottlieb-Daimler-Stadion, und Klopp sagte hinterher dies: „Es ist ein gerechtes Ergebnis, wir haben uns zu sehr beeindrucken lassen und können es sicher besser.“ Und dann gab Klopp schon damals einen echten Klopp.

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Mainz hatte nach dem 2:4 an Spieltag eins immerhin den HSV und den 1. FC Kaiserslautern hinter sich gelassen, die ebenfalls mit zwei Toren Differenz verloren, aber weniger Treffer erzielten. „Alles soweit im Lack, die ersten zwei haben wir in der Tabelle schon hinter uns“, sagte Klopp – und ergänzte mit Blick auf den VfB, der die Tabellenführung übernahm, dies: „Beim Spitzenreiter kann man ja mal verlieren.” Erster Punktsieg für Klopp. Der Coach grinste breit. Seine Zuhörer im Presseraum lachten schallend.

Ernster wurde es dann bei der Analyse des damaligen VfB-Trainers Matthias Sammer, der nüchtern dies festhielt: „Ich bin froh, dass wir gewonnen haben. Aber ich habe auch gesehen, dass wir noch viel zu tun haben“. Auch Sammer feierte damals ein Debüt, für ihn war es das erste Ligaspiel als Trainer mit dem VfB – bei dem er gleich ein Zeichen setzte. So verbannte Sammer seine beiden Nationalspieler Kevin Kuranyi und Philipp Lahm auf die Bank.

Stolze Mainzer Fans

„Kevin muss strampeln”, erklärte der VfB-Coach nach dem Spiel: „Wer gut ist, setzt sich durch. Ich bin eigentlich überzeugt, dass Kevin ein Guter ist.” Die Stellvertreter jedenfalls überzeugten gegen Mainz. Verteidiger Heiko Gerber gab auf der linken Seite Gas, und Cacau trug mit seinen drei Treffern entscheidend zum Sieg bei.

Der Mainzer Präsident Harald Strutz sagte nach dem Spiel, dass Stuttgart ein Spitzenteam sei und nicht jede Woche so starke Gegner auf dem Platz stünden. Die 10 000 mitgereisten Mainzer Fans jedenfalls hatten nach dem ersten Bundesligaspiel ihres Clubs wenig zu meckern. Sie sangen lieber, und das auch noch bis weit nach dem Schlusspfiff: „Wir sind stolz auf unser Team, Hallelujah“, hallte es aus der Gästekurve.

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Stolz waren die Mainzer Fans auch auf ihren Abwehrmann Marco Rose, den heutigen Trainer von Borussia Mönchengladbach. Rose trat vor dem Tor zum 2:3 zum Freistoß an und schoss so hart, dass Timo Hildebrand im VfB-Tor nur abklatschen konnte und der FSV-Profi Tamas Badog nur noch abstauben musste.

Der VfB spielte dann bis zum Ende der Saison um die Teilnahme an der Champions League – und verpasste diese knapp. Das Team von Matthias Sammer wurde mit 58 Punkten Fünfter.

Christian Heidel kehrt zurück

Jürgen Klopp und seine Mainzer wiederum übertrafen alle Erwartungen und sicherten sich den Klassenverbleib souverän. Der FSV holte 43 Punkte und wurde in seiner ersten Bundesligasaison Elfter. Klopp blieb noch drei weitere Jahre Trainer in Mainz (bis 2008), ehe seine Weltkarriere bei Borussia Dortmund startete und dann beim FC Liverpool ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte.

Wenn der FSV Mainz an diesem Freitag nun wieder beim VfB antritt, dann schließt sich übrigens für einen Mann ein Kreis. Manager Christian Heidel war von 1992 bis 2016 im Vorstand der 05er, von 2016 bis 2019 war er dann beim FC Schalke aktiv – jetzt kehrt er nach der Rückkehr zum FSV vor ein paar Wochen wieder an den Ort zurück, an dem damals, im August 2004, alles anfing in der Bundesliga. Für die Mainzer. Und für Heidels Kumpel Jürgen Klopp.

Freunde, wie die Zeit vergeht!

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