Foto: Baumann - Baumann

Borna Sosa hat sich eine schwere Gehirnerschütterung zugezogen. In einer Szene, die beim VfB Stuttgart Diskussionen ausgelöst hat – über die Schiedsrichter.

WiesbadenEines vorweg: Der Schiedsrichter kann nichts dafür. Johannes Pfeifer ist keineswegs daran schuld, dass der VfB Stuttgart mit 1:2 gegen den SV Wehen Wiesbaden verloren hat. Das hat Tim Walter mehrfach betont. Die Verantwortung für die erste Saisonniederlage des Fußball-Zweitligisten trägt er – der Cheftrainer. Die Ursachen sind klar: ein fahriger Beginn sowie der Chancenwucher am Schluss. Aber: Intern hat sich beim VfB dennoch eine Diskussion entsponnen, die sich mit den Unparteiischen beschäftigt – und wie sie die Regeln gegen den Aufstiegsfavoriten auslegen.

Die Debatte verläuft leise, und sie wird vorsichtig geführt. Weil die Stuttgarter zum einen nicht als schlechte Verlierer dastehen wollen, indem sie jetzt nach Ausreden suchen. Zum anderen wollen sie ebenso wenig als Jammerlappen gelten, denen die unbequeme Spielweise im Unterhaus nicht behagt. „Körpereinsatz und Härte sind okay. Damit haben wir kein Problem“, sagt Walter. Doch es grummelt in ihm, wenn er sich die Szene noch einmal vor Augen führt, in der Borna Sosa gegen Wehen Wiesbaden verletzt wurde.

Paterson Chato ließ den Kroaten gegen seine Schulter knallen. Voll im Gesicht getroffen blieb der Linksverteidiger auf dem Rasen liegen. Regungslos für 18 Sekunden – und der Schiedsrichter ließ die Partie einfach weiterlaufen. Worüber die VfB-Verantwortlichen in zweierlei Hinsicht Unverständnis zeigten. Erstens: Selbst im Eishockey wäre ein solcher Check mit einer Strafe belegt worden. Zweitens: Mannschaftsarzt Heiko Striegel und Physiotherapeut Gerhard Wörn mussten an der Seitenlinie verharren, ehe der Ball aus der Partie war und sie dem bewusstlosen Sosa zu Hilfe eilen konnten.

„Das hat uns natürlich zu lange gedauert, aber solange das Spiel nicht unterbrochen ist, darf niemand auf den Platz“, sagt Walter. Wenngleich die eigene Elf den Angriff nicht unterbrach. Letztlich obliegt es jedoch dem Schiedsrichter und nicht den Spielern, die Situation zu beurteilen. Ein stressiger Job ist das, die Linie zu finden zwischen Theatralik und Drama. Und die Referees sind nicht darum zu beneiden, sie jedes Mal aufs Neue ziehen zu müssen. Zumal in Stuttgart eine große Sensibilität herrscht, seit sich Christian Gentner im September 2017 bei einem Zusammenprall heftige Gesichtsverletzungen zuzog und kurzzeitig in Lebensgefahr schwebte.

Schwere Gehirnerschütterung

Sosa hat sich eine schwere Gehirnerschütterung zugezogen. Der 21-Jährige fällt nun für unbestimmte Zeit aus. Zum Glück sei nichts weiter passiert, heißt es beim VfB. Ebenso wie beim Foul von Daniel Kofi Kyereh gegen Pascal Stenzel (77.). Dafür gab es zwar die Rote Karte, das rustikale Einsteigen gegen den Rechtsverteidiger sehen sie im Club jedoch in einer Reihe von heftigen Attacken gegen ihre Spieler. Zuvor wurde zum Beispiel schon Nicolas Gonzalez gegen die SpVgg Greuther Fürth vom Platz getreten oder Santiago Ascacibar in Heidenheim rücksichtslos abgeräumt.

Gonzalez fehlt seither wegen einer schweren Prellung. Nun ist der Stürmer zwar zum Länderspiel gegen Deutschland nach Dortmund gefahren, weil er erstmals zum Kreis der argentinischen Nationalmannschaft zählt, doch der VfB-Coach musste zwei Spiele ohne ihn auskommen. Unabhängig davon ist es für Walter schwer zu ertragen, wenn er sieht, wie gegen seine „Jungs“ vorgegangen wird, um sie aus dem Tritt zu bringen. „Offenbar ist es ein probates Mittel, mit Überhärte auf fußballerische Klasse zu reagieren“, sagt Walter.

Was zu zwei Fragen führt: Gehören die Stuttgarter besser geschützt – beziehungsweise welcher Einsatz ist erlaubt, will man sie bremsen? Die richtigen Antworten sind schwer zu finden. Pfeifer gelang es nicht, da es ein Schiedsrichter selten allen recht machen kann. Denn entscheidet er pro VfB heißt es, er stelle die Stars unter Artenschutz. Pfeift er jedoch gegen den VfB, fühlt dieser sich – trotz mehrfacher Überzahl zuletzt – nicht beaufsichtigt oder ungleich behandelt.

Wie soll die Spielleitung also ausfallen? So kleinlich wie nötig, um die rüde Gangart der Gegner streng zu ahnden – und so großzügig wie möglich, um den Stuttgarter Spielfluss nicht ständig zu unterbrechen. Eine Balanceakt ist das. Doch eines stellt Walter dabei klar: Er wird sein Team nicht anweisen, Härte mit Härte zu kontern. Er will spielerische Lösungen sehen.

Didavi fällt lange aus

Daniel Didavi wird dem VfB Stuttgart lange fehlen. Der Mittelfeldspieler hat sich gegen den SV Wehen Wiesbaden einen Muskelbündelriss in der rechten Wade zugezogen. Das ergaben die Untersuchungen nach der 1:2-Niederlage. Der 29-Jährige war im Heimspiel gegen die Hessen schon nach sieben Minuten vom Feld gehumpelt. Er hatte gleich gespürt, dass er sich ernsthaft verletzt hatte. Didavi fällt voraussichtlich acht Wochen lang aus. Dagegen steht Philipp Klement vor einer Rückkehr in das Mannschaftstraining. Der Mittelfeldspieler hat seine Sprunggelenksprobleme nahezu überwunden. Er musste vor der Begegnung in Bielefeld kurzfristig passen.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: