An zahlreichen Infotafeln konnten sich die Bürger vor der Einwohnerversammlung über wichtige Themen informieren. Foto: Nagel - Nagel

Der enorme Verkehr und der mangelnde Wohnraum waren die vorherrschenden Themen der Einwohnerversammlung im Stuttgarter Osten. Ob der Vorschlag der Stadtverwaltung, eine Busspur in der Wagenburgstraße einzurichten, um den ÖPNV zu stärken, für Abhilfe sorgt, bleibt abzuwarten.

Stuttgart-OstDass die vielen Autos, die täglich auf den Straßen in Stuttgart-Ost unterwegs sind, Hauptthema bei der Einwohnerversammlung am Montagabend wurden, war abzusehen. Bürger des Stadtbezirks hatten in den vergangenen Wochen auf dem Online-Beteiligungsportal über die Themen, die besprochen werden, mitentscheiden können. Dabei landete der Straßenverkehr mit den Unterthemen Luftbelastung, Überlastung und Schleichverkehr mit 67 Prozent der Stimmen mit deutlichem Vorsprung auf dem ersten Platz.

Entsprechend viele Fragen mussten OB Fritz Kuhn und sein für den Verkehr zuständiger Bürgermeister Peter Pätzold auch beantworten. Was dabei jedoch auffiel: Viele Fragen der Bürger betrafen nicht die großen Themen wie Feinstaubbelastung am Neckartor oder gar die Überdeckelung der B 10/B 14 nach dem Leuzebad. Das Anwohnerparken – die Parkraumbewirtschaftung wird bekanntlich zum 1. Dezember in weiten Teilen des Stuttgarter Ostens eingeführt – wurde sogar überhaupt nicht angesprochen. Offenbar hatten hier die Mitarbeiter des Ordnungsamtes, die im Foyer der Raichberg-Realschule einige Infotafeln aufgestellt hatten, schon ganze Aufklärungsarbeit geleistet. An ihrem Stand waren – neben den Tafeln über den Stöckachplatz und die Villa Berg – die meisten wissbegierigen Bürger vor Beginn der Einwohnerversammlung zu sehen.

Zu wenig gute Radwege

„Was ihre Verkehrsprobleme angeht, so sind sie nicht allein in Stuttgart“, so Fritz Kuhn nach seiner Einführungsrede, als bei der ersten Fragerunde wieder einmal das Dauerthema Gablenberger Hauptstraße angesprochen wurde. Damit werde er in nahezu jedem Stadtbezirk konfrontiert. In Stuttgart würden generell zu viele Autos fahren und parken. Da mache Stuttgart-Ost keine Ausnahme. „Zudem hat der Bezirk vor allem zu wenig gute Radwege“, so Kuhn. Kein Wunder, dass der Anteil der Radfahrer in Stuttgart immer noch bei sieben Prozent liege, was viel zu wenig sei. „Hier werden wir intensiv weiter arbeiten, wie auch am Thema eigene Spuren für SSB-Busse“, betonte das Stadtoberhaupt. „Denn der Bus ist nur dann ein gutes Verkehrsmittel, wenn er schneller als das Auto ist.“ Deshalb prüfe die Verwaltung, ob auf der Wagenburgstraße eine eigene Busspur eingerichtet werden könne.

Ob so etwas auch für die Gablenberger Hauptstraße möglich wäre, müsse ebenfalls untersucht werden. „Allerdings nur dann, wenn dort weniger Autos unterwegs sind“, so der OB. Eine Pförtnerampel, wie von einem Anwohner deshalb vorgeschlagen, hielten Kuhn und Pätzold aber für keine so gute Lösung. Sehr wohl dagegen Kreisverkehre, die laut dem Verkehrsbürgermeister bei der Stadt schon auf der Agenda stehen würden, aber halt nicht überall eingerichtet werden können. „Oftmals fehlt dafür der Platz.“

Günstiger Wohnraum fehlt

Die meisten Fragen zum Städtebau betrafen das Thema „günstiger Wohnraum“ und wie die Stadt dies in Stuttgart-Ost realisieren möchte. Der Vorteil: Der eng bebaute Stadtbezirk verfügt sowohl mit dem EnBW-Areal am Stöckach als auch mit dem EnBW-Gelände am Neckar über zwei riesige potenzielle Wohnbau-Flächen. „Wir sind hier mit der EnBW im Gespräch“, so Fritz Kuhn. Was geförderten Wohnungsbau beispielsweise am Stöckach angehe, so hänge dies davon ab, ob die Stadt kauft und etwa durch ihre Tochter SWSG bauen lässt. „Dann sind sogar 50 Prozent günstiger Wohnungsbau möglich“. Andernfalls liege der Anteil bei nur 20 Prozent, was jedoch laut Kuhn 2019 auf 30 Prozent angehoben werden soll.

Wie sehr die „Ostler“ an ihrem Park und an der Villa Berg hängen, wurde ebenfalls an diesem Abend offenkundig. Es gab für die Verwaltungsspitze und den Gemeinderat viel Lob dafür, dass das Gelände von dem Investor, der als „Heuschrecke“ tituliert wurde, wieder zurückgekauft wurde. „Jetzt muss die Stadt die Villa aber zügig sanieren“, forderte ein Bürger, betonte jedoch im gleichen Atemzug, dass er sich keine weitere Nutzung für den Park wünsche. „Schon gar kein Konzerthaus.“ Doch gerade solch eine Einrichtung brauche Stuttgart laut OB Kuhn dringend. „Wir haben durch die Verwaltung drei mögliche Standorte untersuchen lassen – einer davon wäre der Park“. Allerdings sei man hier noch am Anfang und es sei noch gar nichts entschieden.

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