In der Markgräfler Straße stockte der Verkehr. Sie war wegen der parkenden Autos nur einspurig befahrbar. Foto:  

Seit drei Wochen herrscht an den sonnigen Wochenenden ein Verkehrschaos im Rotenberger Ortskern und rund um die Egelseer Heide. Ist ein Ausweichparkplatz im Gehrenwald eine Lösung?

Rotenberg - Die Rotenberger sind Ausflugsverkehr gewohnt. Sie sind durchaus stolz darauf, dass sie in einem von Spaziergängern und Touristen beliebten Ort wohnen. Aber was sie – und viele Ausflügler – an den vergangenen drei Wochenenden erlebt haben, ertragen sie nur schwer. „Der Verkehr hat uns im Würgegriff. Wir kommen kaum aus unserer Hofeinfahrt und aus unserem Ort heraus“, klagt ein Rotenberg. „Das ist ja schlimmer als in Stuttgart zur Rushhour“, kommentierte eine Spaziergängerin am Samstagnachmittag kopfschüttelnd die Situation im Bereich Markgräfler-/Stettener Straße/ Blasiusweg. Entlang des Blasiusweges war jede Lücke – auch vor den Garagen und auf der Wendeschleife – zugestellt. Vom Ortsausgangsschild in Rotenberg bis wenige oberhalb des ersten Hauses in Uhlbach war die Hangseite der Markgräfler Straße zugeparkt. Die wichtige Verbindungsstrecke zwischen Rotenberg und Uhlbach war dadurch nur noch einspurig befahrbar. Für den fließenden Verkehr bedeutete dies: Stockender Verkehr, Gehupe, rückwärts in eine der seltenen Ausweichstellen stoßen, den Gegenverkehr vorbeilassen und hoffen, dass man dann ein paar Meter weiterkommt.

Ähnliche Szene spielten sich an der Engstelle in Stettener Straße 11 ab. Radfahrer, Fußgänger und in beide Richtung fahrende Autos zwängten sich durch das Nadelöhr. Wenige Meter oberhalb stieß die Blechkarawane in Richtung Egelseer Heide auf die Autofahrer, die von dem Aussichtspunkt wieder talwärts fahren wollten. Sekundenlang ging nichts mehr. Die Nerven lagen nicht nur bei den Autofahrern blank. „An solchen Wochenenden verlassen wir möglichst früh den Ort. Doch was wäre, wenn es hier brennt oder jemand einen Krankenwagen benötigt? Die Retter kämen hier nicht durch“, sagt ein Anwohner.

So erging es vor zwei Wochen auch den SSB-Bussen der Linie 61. Sie blieben im Verkehr stecken, stellten daraufhin einige Zeit den Linienverkehr von Untertürkheim ein. Nichts ging mehr. Anwohner riefen sowohl am 25. als auch am 31. Oktober die Polizei zur Hilfe – und bekamen zur Antwort, dass diese nicht zuständig sei, wie zwei Anrufer erzählen. „Seit Anfang August gibt es ein mobiles Beschwerdeteam der Stadt. Diese haben wir informiert. Die Stadt ist für den ruhenden Verkehr verantwortlich“, sagt Polizeisprecher Johannes von Gillhausen. Die mobile Eingreiftruppe des Vollzugsdienstes sei vor zwei Wochen auch vor Ort gewesen, bestätigt Untertürkheim Bezirksvorsteherin Dagmar Wenzel. „Aber sie haben das Chaos offenbar nicht mehr in Griff bekommen“, erzählt Wenzel.

Das liegt in der Egelseer Heide auch daran, dass es keine Parkplatzwächter mehr gibt. Das Unternehmen, das den Auftrag bekommen hatte, könne die Aufgabe wegen der Corona-Pandemie nicht mehr leisten, bedauert Wenzel. Die Folge war am Samstag, 24. Oktober, dass Untertürkheimer Bürger einige Zeit den Verkehr regelten, damit dieser nicht wieder vollkommen zum Erliegen kommt, wie Hannelore Gundlach berichtet.

Auch am vergangenen Samstag war der Parkplatz gegen 15 Uhr überfüllt. Dennoch quälten sich immer weitere Autos die Stettener Straße empor und mussten jenen ausweichen, die von der Egelseer Heide wieder nach unten rollten. Woher sollten die Autofahrer auch wissen, dass dort oben die Parkplätze belegt sind? „Die Stadt hat vor einem Jahr einen Dreistufenplan zur Verbesserung der Lage vorgestellt, Schilder aufgestellt und ein paar Markierungen vorgenommen, aber das reicht nicht“, bemängelt ein Rotenberger.

Ein Auffangparkplatz noch in Untertürkheim und ein Bus-Shuttle-Service hatten bereits die Bezirksbeiräte vorgeschlagen. Dabei rückt nun das Gelände des einstigen Awo-Waldheims im Gehrenwald in den Fokus. Es liegt brach, nachdem es als Baustellen-Logistikstandort genutzt worden war. Bezirksvorsteherin Wenzel kann sich die Nutzung des Platzes als Interimslösung vorstellen. „Langfristig ist mir das Gelände als Parkplatz aber zu wertvoll.“

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