Die Hedelfinger wollen weiterhin gegen die Lastwagen vorgehen, die Foto: Mathias Kuhn

Der Waldheimverein legt Berufung gegen ein Urteil des Amtsgerichts ein. Die Richterin hatte im September eine Klage auf Unterlassung der verbotswidrigen Lkw-Durchfahrten auf der Filderauffahrt abgelehnt.

Hedelfingen - Die Vorstandsmitglieder des Waldheimvereins Hedelfingen benötigten nur wenige Tage Bedenkzeit. Mitte September hatte das Amtsgericht Bad Cannstatt die Klage des Vereins auf Unterlassung verbotswidriger Lastwagendurchfahrten auf der Filderauffahrt abgewiesen. Bis 15. Oktober läuft die Einspruchsfrist. In der vergangenen Vorstandssitzung haben sich die Teilnehmer nun einstimmig entschieden, in die nächste Instanz zu gehen. „Wenn wir keine Berufung eingelegt hätten, würde das Urteil rechtskräftig, die Lastwagenfahrer und Speditionen könnten sich bei der Durchfahrt durch Hedelfingen in Sicherheit wiegen und der 19 Monate lange Kampf wäre umsonst gewesen“, sagt Vereinsvorsitzender Paul Wurm. Das Signal ist deutlich: Der Waldheimverein mit seinen 216 Mitgliedern wird nicht klein beigeben. Zumal Wurm und seine Mitstreiter viel Zustimmung durch Anwohner der Rohracker- und der angrenzenden Straßen erhalten.

Denn der Verkehr durch Hedelfingen und auf der Filderauffahrt ist enorm. Vor allem die durchfahrenden Lastwagen sind den Anwohnern ein Dorn im Auge. „Wir haben nichts gegen Transporterfahrten von Handwerkern und auch nichts gegen den LKW-Zuliefererverkehr für den Einzelhandel in Sillenbuch, Hedelfingen oder den benachbarten Orten, aber es darf nicht sein, dass Lastwagenfahrer die Filderauffahrt nur als kostenlose Abkürzung für ihre Durchfahrten nutzen“, sagt Wurm. Diese Fahrten würden entscheidend zu den erhöhten Schadstoffwerten der Luft und den Lärmbelastungen für die Anwohner beitragen. Dies soll eigentlich mit dem Luftreinhalteplan verhindert werden. Schilder auf den Hafenbrücken und an den B-10-Ausfahrten signalisieren, dass die Lastwagen eigentlich über die Bundesstraße 10 bis Plochingen und dann über die Autobahn in Richtung Flughafen fahren müssen – so zumindest die Auffassung des Waldheimvereins und der Grund für die Klage.

Die Frage, ob die Lastwagen tatsächlich verbotswidrig die Heumadener Straße befahren oder sich als berechtigte Anliegerfahrzeuge dort bewegen dürfen, wurde vor dem Amtsgericht gar nicht behandelt. Aus Sicht der Richterin fehlt dem Waldheimverein die entsprechende Aktivlegitimation, für die Allgemeinheit die Beachtung des Durchfahrtsverbots zu erstreiten. Bei den Waldheimverantwortlichen rief diese Sichtweise nur Kopfschütteln und den Entschluss, weiterzukämpfen hervor. „Wir vertreten 216 Mitglieder. In unserem Waldheim werden 150 Kinder betreut, zu denen Eltern und Geschwister sowie Kita-Mitarbeiter gehören. Damit geht es nicht um ein Einzelinteresse, sondern um das Wohl von mindestens 800 Menschen“, sagt Wurm.

Die Waldheimverantwortlichen wollen aber mehrgleisig fahren. Sie setzen auch darauf, dass der neue Ordnungsbürgermeister Clemens Maier und das neue Stuttgarter Stadtoberhaupt, das im November gewählt wird, mit Nachdruck sich um das Durchfahrtsverbot kümmern werden. Schließlich habe die Richterin in ihrer Anhörung anklingen lassen, dass die Politik gefragt sei. Wurm hat deswegen die OB-Kandidaten angeschrieben und will auch baldmöglichst den neu gewählten Ordnungsbürgermeister zu einem Vorortbesuch an die Filderauffahrt einladen. Zudem könne er sich gut vorstellen, mit einer Unterschriftenaktion in Hedelfingen, Rohracker und vielleicht auch in Sillenbuch den Richtern zu verdeutlichen, dass es sich keineswegs um Einzelinteresse eines Vereins handele. Auch mit regelmäßigen Aktionen am Dürrbachkreisel oder Infoständen zum Durchfahrtsverbot in der Rohrackerstraße könnten die Hedelfinger dies demonstrierten.