Rathaussturm 2021: Ralf Bohlmann (links) und Raimund Stetter. Foto: (z)

Die Corona-Pandemie macht es den Vereinen nicht leicht. Raimund Stetter erklärt, welche Probleme es dadurch gibt und dankt den Ehrenamtlichen.

Mühlhausen - Zuletzt konnten die Fasnetvereine am 25. Februar 2020 ihren Narrenruf in den unteren Neckarvororten noch lauthals verkünden. Eine Woche später war dann „Lockdown“ für alle Vereine – egal ob Musik-, Gesang-, Sport-, Kultur- oder Bürgerverein. Seitdem ist es um das Vereinsleben sehr ruhig geworden.

Seit zwölf Monaten gibt es keine Übungsabende, Proben, Vorträge, Aufführungen, Konzerte oder Trainingsstunden. Hauptversammlungen fielen aus oder wurden verschoben. Vereinsausflüge wurden abgesagt. Hocketse, Straßen und Musikfeste fielen aus. Die geselligen Stunden und das gemütliche Zusammenhocken innerhalb der Vereine nach den Proben durften nicht stattfinden. Das Zusammengehörigkeitsgefühl wurde hart auf die Probe gestellt. Dies ist besonders den älteren Vereinsmitgliedern sehr schwer gefallen. Ein „Ersatz“ war das Telefon. Denn da konnten noch Neuigkeiten persönlich ausgetauscht und die Vereinszugehörigkeit gepflegt werden. Das gesunde soziale Miteinander, die verlorene Nähe versuchte man durch moderne Technik wie Chats schreiben, Skypen oder Videoschaltungen zu ersetzen. Die älteren Vereinsmitglieder wollten oder konnten das nicht mitmachen.

Besonders lobenswert war, dass die Vereinsmitglieder ohne Wenn und Aber ihren Beitrag bezahlt haben. So konnten die laufenden Kosten zum Teil gedeckt werden. Denn die Einnahmen durch Feste und Veranstaltungen sind komplett weggefallen. Besonders der zweite Lockdown mit der erneuten Schließung der Sportanlagen machte den Sportvereinen zu schaffen. Mitgliederrückgänge als Folge der Corona-Pandemie sind zu beklagen.

Nicht vergessen darf man die Kinder und Jugendlichen, die sich zu den Übungsabenden ob bei Gesang- Musik,- Sport- und Gardetanz oder auf dem Spielplatz nicht mehr sehen konnten. Denen fiel der „Lockdown“ besonders schwer. Besonders schlimm war es, von der Corona-Erkrankung eines Vereinsmitglieds oder sogar von einem Todesfall zu erfahren. Und Abschied nehmen bei der Trauerfeier durfte man auch nicht.

Das nahezu „ruhende“ Vereinsleben in den Stadtteilen wurde leider nur mit wenigen Worten und Berichten bedacht. Deshalb gilt an dieser Stelle der Dank all denen, die ehrenamtlich und mit großem Aufwand und auch Kosten in den vergangenen Monaten ihren Verein „am Leben“ gehalten haben. Und das ist wichtig: Es sind doch auch die Vereine, die für ein gesellschaftliches Miteinander sorgen, einen Stadtteil lebendig halten und keine sozialen Brennpunkte entstehen lassen.

Aber wie geht es weiter? Auf „mentale Stärke“ kommt es in den kommenden Wochen an. Schließlich leben die Vereine stark davon, dass man sich wieder mit Gleichgesinnten treffen und die Freizeit gemeinsam gestalten kann. Mit Sicherheit wird es noch einige Wochen dauern bis wieder „Normalität“ einkehren wird. Und bis jeder seinen „Piks“ bekommt. Mit Sicherheit wird in puncto Hygienemaßnahmen einiges bleiben. Und mit Küsschen links und rechts auf die Wange? Und mit Urlaub in ferne Länder? Das muss jeder für sich entscheiden. Corona hat uns gezeigt, was wirklich zählt im Leben – Familie, Gesundheit, Zusammenhalt, Vereinsleben, soziales Miteinander.

Hoffentlich können wir uns alle wieder ab Frühjahr 2021 treffen und unser Vereinsleben genießen – ohne Maske und ohne Abstand – und haltet bis dahin eurem Verein die Treue!

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