Stefan Schuon gibt Anweisungen – hier noch einst als Trainer der Spvgg Cannstatt, ab Sommer Foto: Bloch

Stefan Schuon wird Coach in Münster, TBU-Trainer Uwe Braun Spielleiter. Gablenbergs Weigl wechselt zum PSV Stuttgart.

Münster - Seit November ruht auch im Stuttgarter Amateurfußball der Ball. Ob er in der Spielzeit 2020/2021 überhaupt noch seine Rolleigenschaften präsentieren kann, bleibt abzuwarten. Sollte der Einstieg in die Punktspielrunde nicht spätestens bis 9. Mai erfolgen, wird die Runde abgebrochen und annulliert. Auch wenn auf dem Platz Stillstand herrscht, ist bei den Vereinen hinter den Kulissen mächtig Betrieb. Beispielsweise beim TSV Münster. Der Kreisliga-A-Verein hat einige Personalentscheidungen getroffen. Der Vertrag mit Trainer Sascha Rauhut – war zuvor auch Coach der zweiten Mannschaft – läuft im Sommer aus und wird nicht mehr verlängert. In beiderseitigem Einvernehmen, wie der Verein verlauten ließ, wobei Sascha Rauhut sagt: „Ich hätte gerne weitergemacht. Aber der Verein will sich neu aufstellen und einen Neuanfang machen.“ Die sportliche Bilanz in den vergangenen zwei Jahren fiel indes mau aus – im Vorjahr gelang gerade noch der Klassenerhalt, aktuell rangiert man auf dem vorletzten Platz in der Kreisliga A, Staffel 1. Sicherlich ein Grund für den Trainerwechsel, wobei Abteilungsleiter Mathias Beck sagt: „Sascha hatte aber auch mit großem Verletzungspech zu kämpfen. Wir bedanken uns für sein Engagement.“ Darüber hinaus hört auch Co-Trainer Andreas Leitner nach zig Jahren aus privaten Gründen auf.

Die Veränderung auf dem Trainerstuhl heißt Stefan Schuon und wäre „vor vielen Jahren undenkbar gewesen“, wie der neue Mann selbst schmunzelnd sagt. Schuon ist ein Urgestein des Münsterer Rivalen von der anderen Neckarseite, der Spvgg Cannstatt. „Als Spieler hätte ich mir das sicherlich nicht vorstellen können. Doch das ist schon lange her und die Rivalität abgeebbt.“ Verantwortlich für die Verpflichtung Schuons ist ein weiterer Neuer: Uwe Braun. Der langjährige TSV-Torwart und -Trainer – mit Braun stiegen die Kicker vom Viadukt einst in die Bezirksliga auf – ist zusammen mit Benjamin Beck nun Spielleiter bei den Münsterern. Die beiden lösen Georg Deufel ab, der ebenfalls aus familiären Gründen aufhört. „Es war meine erste und bislang einzige Amtshandlung, Stefan zu verpflichten“, sagt Braun, der bis Sommer noch Trainer beim Bezirksligisten TB Untertürkheim ist.

Das Ziel der drei Neuen plus Abteilungsleiter Mathias Beck ist klar: Nach Jahren der Magerkost soll wieder Fußball präsentiert werden, „der die vielen Zuschauer mitnimmt und attraktiv ist“, sagt der Abteilungsleiter – und natürlich auch erfolgreich. Dafür wurde Schuon verpflichtet, unter dessen Leitung die Spvgg Cannstatt nicht nur in die Bezirksliga aufgestiegen ist, sondern sich dort im vorderen Drittel etabliert hat. Sein letztes Trainerengagement beim Landesligisten TSV Weilimdorf endete indes abrupt nach knapp einem Jahr. „Auch wenn hier viel Arbeit vor mit liegt, reizt mich die Aufgabe, etwas aufzubauen. Und das Ganze ohne Zeitdruck“, sagt Schuon. Einen konkreten Fahrplan gibt es nicht, ein Ziel aber schon: „Mittelfristig, so in drei bis fünf Jahren, die Rückkehr in die Bezirksliga“, weiß Mathias Beck.

Während Braun vorrangig die Zusammenarbeit und den Zusammenhalt zwischen A-Jugend, Aktiven und AH herstellen und forcieren – „da lag in der Vergangenheit einiges im Argen“, so Braun – und mit Schuon ein schlagkräftiges Team formen soll – sei Benjamin Beck, Sohn des Abteilungsleiters, für organisatorische Dinge zuständig.

Bleibt noch die spannende Frage, in welcher Klasse der TSV überhaupt in der nächsten Saison spielt? Sollte die Runde wieder aufgenommen werden, gibt es noch einiges zu tun, um das Ticket in der Kreisliga A, Staffel 1, auch für die Spielzeit 2021/22 zu lösen – man ist Vorletzter, drei Zähler vom Relegations- und sechs vom Nichtabstiegsplatz entfernt. Dann blieben noch acht Spiele, um den Rückstand wettzumachen. Bleiben die Bälle vollends im Schrank, ist der Klassenerhalt gesichert.

Derweil gibt es beim TSV noch Redebedarf für den Fall der Fälle. Soll heißen: Was passiert, wenn die zweite Mannschaft – aktuell Spitzenreiter in der Kreisliga B, Staffel 5 – auf- und die erste absteigt? „Unser Zweite-Mannschaftstrainer Angelo Negro würde dann natürlich gerne in der Kreisliga A mit dem Team spielen“, sagt Abteilungsleiter Mathias Beck, eine Entscheidung über ein mögliches Vorgehen sei aber noch nicht getroffen worden.

Die Neuverpflichtung Brauns in Münster hat natürlich Auswirkungen auf den TB Untertürkheim. Nach fünfeinhalb- jähriger Tätigkeit am Gehrenwald, unter anderem mit dem Aufstieg in die Bezirksliga und anschließenden Sorglos-Saisonen, wird ein Nachfolger für Braun gesucht. „Es kam etwas überraschend, ich wusste erst seit Dienstag vor einer Woche Bescheid“, sagt TBU-Abteilungsleiter Alexander Rieß. Geärgert hat ihn nicht die Tatsache, dass Braun aufhört – „er hat sehr gute Arbeit bei uns geleistet und wir haben ein gutes Verhältnis“ – vielmehr, dass der TSV Münster „so offensiv damit umgeht, es bereits über die sozialen Medien kundgetan und so mancher unserer Spieler es dort erfahren hat und vor den Kopf gestoßen war. Aufgrund von Corona bekommen wir die Spieler ja nicht zu Gesicht und konnten es ihnen nicht mitteilen.“ Gleichwohl werde der TBU die Situation natürlich verkraften, eine Lösung hat man noch nicht. „Wir gehen derzeit mehrere Überlegungen durch, eine Option wäre auch ein Trainer aus den eigenen Reihen“, so Rieß.

Für Uwe Braun steht indes fest: „Sollte der Spielbetrieb wieder fortgesetzt werden, setze ich mich bis zum letzten Tag voll für den TBU ein, schließlich wollen wir erneut gut abschneiden.“

Veränderungen gibt es auch beim in der Kreisliga A, Staffel 2, spielenden SV Gablenberg – Spielertrainer Patrick Weigl ist zum PSV Stuttgart als spielender Co-Trainer in die Nachbarstaffel 1 gewechselt. Eineinhalb Jahre lang war Weigl beim SVG aktiv, schaffte in der Vorsaison den Aufstiegsrelegationsplatz, der aber coronabedingt nicht ausgespielt wurde. Zusätzlich stand er mit dem Team im Bezirkspokalfinale. Dieses verlor der SVG gegen den Bezirksligisten Feuerbach erst nach Elfmeterschießen. In der aktuell unterbrochenen Runde lief es weniger gut – der SVG steht auf dem Relegationsplatz. Ausschlaggebend für den Wechsel seien zwei Dinge gewesen, so Weigl. Einerseits sei er Vater geworden und wolle mehr Zeit mit der Familie verbringen, andererseits verbinde ihn mit PSV-Trainer Damian Nagler eine langjährige Freundschaft, weshalb „ich mich für den PSV entschieden habe“. Darüber hinaus ist auch Nikolai Pozorski von Gablenberg zu den „Polizisten“ gewechselt. Für SVG-Abteilungsleiter Jochen Renner sei die Entscheidung Weigls „überraschend gewesen“. Dies bedeutet: Fabio Criscuolo ist alleiniger Trainer des SVG, „vielleicht bekommt er noch Unterstützung“, so Renner.

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