Das einzige vegane Restaurant in Ludwigsburg schließt. War vegane Ernährung nur ein Trend? Die Inhaberin Lisa Bakavos glaubt das nicht. Denn das Aus hat andere Gründe.
Lisa Bakavos lebt seit zwölf Jahren vegan und das aus voller Überzeugung. Anfangs sei sie oft schief angeschaut worden, wenn sie erzählte, was sie isst – oder besser gesagt, was sie nicht isst. Vegane Produkte waren damals im Supermarkt Mangelware, Restaurantbesuche: eine Herausforderung. Seitdem hat sich vieles verändert. Es verzichten immer mehr Menschen ganz oder teilweise auf tierische Produkte. „Ich muss mich nicht mehr verstecken“, sagt die Gastronomin heute.
Und dennoch: In Ludwigsburg schließt mit dem V-Bandit das erste und bislang einzige rein vegane Restaurant der Stadt. Ist der vegane Trend also vorbei?
Ist der vegane Trend vorbei?
Fest steht: Fleischlose Ernährung ist längst kein Randphänomen mehr. Laut einer Forsa-Umfrage aus dem Jahr 2023 verzichten 12 Prozent der Deutschen auf Fleisch, 41 Prozent essen es nur gelegentlich und drei Prozent leben vollständig vegan.
Doch es gibt auch gegenläufige Tendenzen. Erstmals seit 2016 ist laut dem Statistischen Bundesamt im Jahr 2024 die Fleischproduktion in Deutschland wieder angestiegen. Und in den sozialen Netzwerken finden sich zahlreiche Videos von Menschen, die erzählen, dass sie nach vielen Jahren veganer Ernährung, heute wieder gelegentlich zu tierischen Produkten greifen.
@timo.heinz Nicht mehr Vegan. Besser jetzt. #vegan #veganleben #veganismus #ernährung #druck #entscheidung ♬ original sound - Timo Heinz
Ein junger Mann sagt etwa auf TikTok, dass er lange sehr dogmatisch gewesen sei, auch anderen gegenüber. „Ich will mir nichts mehr verbieten“, sagt er heute, weshalb er mittlerweile isst, wonach er Lust verspürt.
Auch wirtschaftlich sieht es bei einigen veganen Marken schlecht aus: Der Hersteller von veganen Fleischersatzprodukten Beyond Meat macht seit 2022 Verluste und baut Personal ab. Der Hafermilch-Produzent Oatly vermeldete ebenfalls Einbußen. Denn die Nachfrage nach pflanzlichen Alternativen sei gesunken.
Das V-Bandit schließt – viele Stammkunden sind traurig
Als Lisa Bakavos Ende Juni jedoch ankündigte, das V-Bandit in Ludwigsburg zu schließen, waren viele der treuen Fans traurig über die Nachricht. Denn das Restaurant in der Kaffeebergstraße hat sich nach sieben Jahren eine große Fangemeinschaft aufgebaut. „Es kamen Gäste aus dem ganzen Landkreis und darüber hinaus“, erzählt Bakavos.
„Aus Stuttgart, Heidelberg und Reutlingen sind sie gekommen“, sagt sie. Viele kamen immer wieder. „Die habe ich dann mit einer Umarmung begrüßt“. Aber nicht alle Besucher seien überzeugte Veganer gewesen. Einige wollten einfach mal etwas Neues ausprobieren, andere kamen zu Geburtstagsfeiern – und da waren oft auch Menschen dabei, die sich sonst nicht vegan ernähren.
Bakavos erinnert sich etwa an eine junge Frau, die mit ihrem Vater im V-Bandit gegessen hat. Er bemerkte scheinbar nicht, dass die Boulette auf seinem Burger gar kein Rindfleisch war. „Er war völlig überrascht und begeistert.“
Für die Gastronomin ist genau das der beste Weg, Menschen für vegane Ernährung zu gewinnen. „Vom erhobenen Zeigefinger halte ich wenig“, sagt sie. Die meisten Menschen wüssten längst, wie schlecht viele Tiere gehalten werden – aber Gewohnheiten zu ändern sei schwer. Deshalb brauche es gute Alternativen zu tierischen Produkten.
Sieben Jahre V-Bandit: „Ich brauche eine Ruhepause“
Dass sie das Restaurant nun schließt, hat vor allem persönliche Gründe: Nach sieben Jahren Vollzeit-Gastronomie sagt Bakavos heute: „Ich brauche eine Ruhepause.“ Vier Tage in der Woche hat das V-Bandit geöffnet. An den anderen Tagen bereitet sie das Essen vor, kümmert sich um die Buchhaltung oder erstellt Beiträge für Social Media.
Sie habe viele Geburtstagseinladungen und Hochzeiten von Freunden absagen müssen. „Jetzt möchte ich wieder mehr Zeit für mich und meine Familie haben.“ Aktuell sucht sie eine Nachfolgerin für das V-Bandit. „Gerne darf wieder ein veganes Restaurant einziehen“, sagt sie. Denn die Gastronomin ist überzeugt, dass die pflanzenbasierte Ernährung weiterhin viele Anhänger hat.
Vegane Ernährung ist inzwischen normal
Bestätigung erhält sie dabei durch eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov aus dem Jahr 2024: 46 Prozent der Befragten gaben an, in den nächsten zwei Jahren weniger tierische Produkte konsumieren zu wollen. Zudem kommen auch ständig neue vegane Produkte auf den Markt, hebt Bakavos hervor. Und tatsächlich: Anfang 2025 erschien eine vegane Version des beliebten Nuss-Nougat-Aufstrichs Nutella, auch bieten immer mehr Restaurants vegane Gerichte an, und auf dem Ludwigsburger Weihnachtsmarkt gab es 2024 erstmals einen komplett veganen Imbissstand mit tierfreier Currywurst, Falafel und Burgern.
Auch über ein neues veganes Restaurant würden sich bestimmt viele in Ludwigsburg freuen. Die Nachfrage sei zumindest da, ist Bakavos überzeugt.
Tierfreies Essen im V-Bandit
Das V-Bandit schließt
Am 24. August hat das vegane Restaurant zum letzten Mal geöffnet. Kurz darauf soll ein Nachfolger einziehen. Wer das sein wird, steht noch nicht fest.
Sieben Jahre veganes Essen
Lisa Bakavos hat gerne „veganisierte“ Speisen angeboten. Also Gerichte, die traditionell mit tierischen Produkten zubereitet werde, bei ihr aber vegan auf den Teller kamen. Darunter viele klassische Gerichte wie Lasagne, Schnitzel oder auch Maultaschen.