Bianca Pinter (links) und Lena Stroh suchen nach ihrer Hündin Dobby. Foto: Eva Herrschmann Foto:  

Bianca Pinter und Lena Stroh sind seit mehr als zwei Monaten auf der Suche nach ihrer entlaufenen Hündin Dobby. Nun befürchten die beiden Halterinnen, dass die Jäger diese erlegen könnten.

Rotenberg - D er Futternapf im Dickicht des Waldes auf dem Fellbacher Kappelberg ist gefüllt. Jetzt muss Dobby nur noch kommen und sich bedienen. Ob die zehnjährige Hündin das tut, werden Bianca Pinter und Lena Stroh erst erfahren, wenn sie den Chip der Wildkamera mit einem Bewegungsmelder ausgelesen haben. Vor gut zwei Monaten ist ihre Hündin entlaufen. Doch der Ausreißerin könnte Ungemach vonseiten der Jägerschaft drohen, sollte sie nicht bald eingefangen werden.

Lena Stroh und Bianca Pinter waren Ende November in den Weinbergen spazieren, als sich Dobby vor spielenden Kindern erschreckte und davonlief. Zwei Wochen lang war sie wie vom Erdboden verschluckt, dann wurde sie von einem Spaziergänger gesichtet. Seither wird die Hündin mit der grauen Schnauze immer wieder in der Region gesehen, hält aber Abstand zu Menschen und weigert sich bisher standhaft, in eine für sie aufgebaute Lebendfalle zu gehen.

Dobby habe in ihrem Leben schon einiges mitgemacht, erzählt Lena Stroh. Vermutlich habe sie in Italien auf der Straße gelebt, bevor sie für viele Jahre in ein Tierheim kam. Erst im vergangenen Juli hatten die beiden jungen Frauen aus Bad Cannstatt Dobby adoptiert. Es sollte ihr wohlverdienter Lebensabend als geliebter Familienhund werden. „Dobby ist unglaublich lieb und verschmust. Wegen ihrer Vergangenheit ist sie zwar vorsichtig und schreckhaft, aber wir haben viel mit ihr trainiert. Sie vertraut uns und kam in jeder anderen Situation sofort zu uns zurück.“

Lena Stroh und Bianca Pinter sind jeden Tag auf der Suche, haben im Wald übernachtet, Freunde und Experten mobilisiert, Flugblätter gedruckt. Doch neben der Sorge, dass Dobby von einem Auto oder Zug erfasst wird, treibt die Hundehalterinnen die Angst um, dass die örtliche Jägerschaft die Ausreißerin ins Visier nimmt, obwohl die zuvor nie Jagdverhalten gezeigt habe, erklärt Lena Stroh.

„Bei uns wird dem Hund nichts passieren“, verspricht indes Stefano Parisi, der auf dem Kappelberg sein Revier hat und nicht glaubt, dass ein Hund in der Größe von Dobby es schafft, ein Reh zu reißen. Ernst Warth, der Revierpächter in Uhlbach, sieht die Situation kritischer. „Aber noch hat niemand den Abschuss beantragt.“ Sollte der Hund beim Wildern ertappt werden oder dabei, wie er ein Reh hetze, sehe die Situation jedoch anders aus, sagt der Jäger. Für eine Abschussgenehmigung ist nach dem Landesjagdgesetz die Ortsbehörde zuständig, in Absprache mit der unteren Jagdbehörde des Landkreises. „Grundsätzlich gehen die Kollegen davon aus, dass eine solche Genehmigung nicht erteilt würde, da vorher alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft werden, und bisher ist so ein Fall in Fellbach noch nie vorgekommen“, sagt Sabine Laartz, Sprecherin der Stadt Fellbach.

Bianca Pinter und Lena Stroh hoffen auf das Verständnis der Jagdpächter, haben jedoch für alle Fälle im Internet eine Petition für ihren Liebling gestartet. Und sie gehen weiter jeden Tag auf die Suche, bestücken die Futterstellen und freuen sich über Sichtungen der mittelgroßen beigefarbenen Hündin, die ihnen aus dem Gebiet von Rotenberg über Fellbach bis nach Rommelshausen gemeldet werden. Außerdem haben sie – neben vielen engagierten Helfern – einen Fachmann ins Boot geholt, der schon viele entlaufene Hunde mittels eines Betäubungspfeils nach Hause gebracht hat. „Wir sind sicher, dass wir Dobby bald wieder bei uns haben werden, es ist lediglich eine Frage der Zeit, und wir geben nicht auf“, sagt Bianca Pinter.

www.lasst-dobby-leben.de

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