Ausreichend Lesestoff für Besucher haben Annette Hauser und Nicole Köder von der Stadtte Foto: dpa/Peter Steffen

Balkon, Berg, Badesee – all das sind Orte, an denen man es sich im Sommer mit einem guten Buch gemütlich machen kann. Mitarbeiter der Stadtteilbibliotheken in Untertürkheim und Bad Cannstatt geben Tipps, welche Lektüre sich an heißen Tagen besonders lohnt.

Untertürkheim - Endlich Sommer, endlich Ferien, endlich Zeit zum Lesen. Nur was? Diese Frage muss man den Mitarbeitern der Stadtteilbibliotheken in Untertürkheim und Bad Cannstatt nicht zwei Mal stellen. Für Bücherfreunde haben sie eine Auswahl an neuen und auch etwas älteren Werken für Balkon, Berg und Badesee zusammengestellt, von denen sie überzeugt sind, dass sich das Lesen lohnt.

Tipp 1: Carola Neher – dass dieser Namen nur wenigen auf Anhieb etwas sagen dürfte, davon ist Annette Hauser, Leiterin der Stadtteilbibliothek in Untertürkheim, überzeugt. Zumindest bis diese den historischen Roman „Die Königin von Berlin“ von Charlotte Roth (Verlag Droemer Knaur) gelesen haben. Auf 413 Seiten wird darin das Leben der schillernden Theaterschauspielerin beschrieben, die die Männer mit ihrer Schönheit und ihrem Geist faszinierte und als Muse von Bertolt Brecht gilt. „Man erfährt in dem Roman viel über das Leben in der damaligen Zeit und Nehers aufregenden Werdegang“, lobt Hauser das „gut lesbare“ Werk der Bestseller-Autorin.

Tipp 2: Die Veröffentlichung seines Krimis „Kilometer 123“ in deutscher Sprache erlebte Andrea Camilleri nicht mehr. Im Sommer 2019 starb der Schriftsteller, der mit seiner Reihe um den genussfreudigen Kommissar Montalbano bekannt geworden ist. In seinem letzten Werk hat er ein kriminalistisches Puzzle geschaffen, dessen Bestandteile Textnachrichten, Telefonate, Zeitungsausschnitte, Protokolle und Gespräche sind. „Zunächst vermutet man eine Dreiecksgeschichte zwischen einem Mann, seiner Frau und dessen Geliebter. Doch dann erfährt die Geschichte viele überraschende Wendungen“, sagt Hauser über den Krimi, dem sie das Prädikat „sehr spannend“ verleiht.

Tipp 3: Lesemuffel? Kein Problem. Einem Hörbuch lauschen und entspannen – das kann man in der klimatisierten Wohnung wunderbar an heißen Sommertagen. Für Jugendliche und Junggebliebene hat Nicole Köder von der Stadtteilbibliothek Untertürkheim einen Tipp parat: „Über kurz und lang“ von Marie-Aude Murail, gelesen von Martin Baltscheit. Inhalt der Geschichte: Um seinen Vater zu schockieren, entscheidet sich Louis (14) für ein Schülerpraktikum bei der Friseurin seiner Oma: Sieben Tage wird er Haare zusammenfegen im Salon Marielou. Nach und nach ändert er seine innere Einstellung, beschließt, sein eigenes Leben zu leben. „Es geht um das Erwachsenwerden und wie man zu sich selbst findet.“

Tipp 4: Manche Klassiker, die fast vergessen zu sein scheinen, sind aktueller denn je. Dazu gehört nach Nicole Köders Ansicht auch Stefan Zweigs Werk: „ Die Welt von gestern – Ansichten eines Europä ers“ , in dem der Autor die letzten Jahre vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs beschreibt und das Schicksal einer Generation wiedergibt, deren Welt voller Menschlichkeit, Kultur und Optimismus radikal in Frage gestellt wird.

Tipp 5: Ein Sachbuch für Kinder und Jugendliche, in dem sich aber auch Erwachsene verlieren können – das ist der erste Tipp, den Nina Hohenberger von der Stadtteilbücherei im Kneippweg in Bad Cannstatt parat hat. „Zu gut für die Tonne: Kreative Projekte für kleine Umweltschützer“ (Dorling Kindersley Verlag) heißt das Werk von Wiebke Krabbe, mit dessen Anleitung am Ende Blumenvasen aus Tetrapaks oder neue Pflanzen aus Essensresten entstehen. „Auch Erwachsene finden darin viele nützliche Tipps. Und die Illustrationen sind toll.“

Tipp 6: Einen Krimi, der nicht nur mit Spannung, sondern auch mit viel Humor punkten kann, hat John Niven mit „Old School“ (Heyne Hardcore) verfasst. Eine Gruppe von Ü-60-Frauen beschließt, eine Bank auszurauben, um die persönliche finanzielle Not zu lindern. „Natürlich geht einiges schief und sie müssen fliehen“, sagt Nina Hohenberger. Mehr will sie an dieser Stelle nicht verraten. Auf jeden Fall sei der Roman „extrem unterhaltsam“.

Tipp 7: Ein berührendes Buch über Verlust, so lässt sich „Marianengraben“ (Eichborn Verlag), das 2020 erschienene Erstlingswerk von Bloggerin Jasmin Schreiber, charakterisieren. In der Geschichte verliert die Ich-Erzählerin ihren geliebten Bruder und ihre Trauer darüber führt die angehende Meeresbiologin auf einem Friedhof mit einem Leidensgenossen zusammen. Eine ungewöhnliche Reise beginnt.

Die aktuellen Öffnungszeiten aller vier Stadtteilbibliotheken in den Neckarvororten finden sich im Internet unter: www.stuttgart.de/stadtbibliothek.

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