Fellbach (red) - Geduld, Engagement und Mut sind bei der Integration von Flüchtlingen in den Ausbildungsmarkt gefragt. Die Unternehmen in Fellbach erhalten künftig durch die Zusammenarbeit der Kausa-Beratungsstelle der Region Stuttgart und der Wirtschaftsförderung Fellbach Unterstützung bei der Auswahl geeigneter Praktikanten oder Auszubildenden.

„Knapp 800 Flüchtlinge leben derzeit in Fellbach, von denen 60 Prozent dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen könnten“, stellte Oberbürgermeisterin Gabriele Zull bei der Auftaktveranstaltung „Fachkräfte für Fellbach“ fest. Die Frage: Wie finden Unternehmen aus diesem Pool, die für sie

Die Kausa-Beratungsstelle bietet den hiesigen Unternehmen jetzt Unterstützung bei der Auswahl, der Kontaktaufnahme, der rechtlichen Beratung sowie eine kompetente Begleitung bei der Integration der Flüchtlinge. Das umfassende Angebot beinhaltet die schnelle telefonische Kontaktaufnahme, Termine in den Unternehmen und eine regelmäßige 14-tägige Sprechstunde im Büro der Fellbacher Wirtschaftsförderung.

Die Berater von Kausa können auf jahrelange Erfahrungen bei der Integration von Migranten und Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt zurückgreifen. Seit dem Jahr 2013 ist die Servicestelle auch der zentrale Ansprechpartner in der Region Stuttgart für die duale Ausbildung. „Wir haben alle zu Beginn Fehler gemacht“, räumte Muhammed Karatas ein. Falsche Erwartungen sowohl bei den Unternehmen, den Flüchtlingen als auch bei den Beratern und ehrenamtlich Engagierten hätten dazu geführt, dass die Flüchtlinge häufig direkt in ein Ausbildungsverhältnis vermittelt wurden. „Das klappt in der Regel nicht!“ Sprachbarrieren und mangelnde Kenntnisse auf beiden Seiten hätten vielfach zum Scheitern geführt. „Wir brauchen Geduld.“

Daniel Anselment, Ausbildungsleiter R & M Gastronomie GmbH, schilderte einen erfolgreichen Weg der Integration. Vor einem Ausbildungsverhältnis schnuppern die Flüchtlinge erst in das Unternehmen, absolvieren eine Einstiegsqualifikation von mindestens einem halben Jahr und erlernen die deutsche Sprache. Das Unternehmen hat mit diesem Verfahren positive Erfahrungen gesammelt. „Wir wollen unser Engagement ausbauen“, so Anselment. Dabei hoffe das Unternehmen auf mehr Mitstreiter.

Auch Rolf Munniger vom Freundeskreis Asyl appellierte an die Unternehmen, den Kontakt zu suchen und die Chancen zu sehen. Nach ersten Rückschlägen ging auch der Freundeskreis die Vermittlung von Flüchtlingen in Ausbildungsverhältnisse neu an. Inzwischen haben von den 39 Flüchtlingen, die in Ausbildung vermittelt werden sollen, sieben einen Arbeitsvertrag und 18 weitere Aussicht auf einen.

„Aus den Fehlern der Vergangenheit lernen“ und „mehr Mut“ von allen Beteiligten forderte daher auch der Vorsitzende der Fellbacher Industrievereinigung, Johannes Maier. Er setzt dabei unter anderem auf die Kompetenzanalyse von Kausa. Die Servicestelle analysiert über Gespräche und Tests die Fähigkeiten der Flüchtlinge und entwickelt so Profile, die den Unternehmen helfen, passende Fachkräfte besser zu erkennen. Ein Angebot, das den Unternehmen Zeit und Enttäuschungen erspart. Allerdings müssten die Partner sich besser vernetzen und austauschen. Neben gegenseitigem Verständnis fehle es oft einfach auch an Wissen, welche Angebote es gebe und wer welche Hilfe biete.

„Die Geschichte lehrt, dass die Wirtschaft von den Zuwanderern profitiert“, erklärte Markus Beier. Allerdings müsse dazu das gegenseitige Verständnis erst wachsen, so der neue Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Rems-Murr. Die Aufbau eines Netzwerkes sei ein guter Anfang. „Wir müssen Schritt für Schritt vorangehen“, stimmte ihm auch Oberbürgermeisterin Zull zu.

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