Carsten Käfer, Assistenzarzt am Universitätsklinikum Tübingen, arbeitet in der Ambulanz für Chemsex. Es ist das erste psychiatrische Beratungs- und Behandlungsangebot dazu in Baden-Württemberg. Foto: dpa - dpa

Chemische Drogen lassen Sex intensiver erleben - können jedoch auch zu Aids, Psychosen und Abhängigkeit führen. Szeneschwerpunkte gibt es unter anderem in Stuttgart und Reutlingen.

Tübingen (dpa)Eine neue Ambulanz an der Universitätsklinik Tübingen will Beratung zum Thema "Chemsex" bieten und bei der Entwöhnung helfen. "Chemsex" bezeichnet die Einnahme vor allem chemischer Drogen beim Geschlechtsverkehr. "Ein kontrollierter Konsum ist nicht möglich. Das ist wie ein Tanz auf einem Vulkankrater", sagte der betreuende Arzt Carsten Käfer am Mittwoch.

Neben Metropolen wie Berlin liegen laut Uniklinik auch in Baden-Württemberg Szeneschwerpunkte, vor allem in den Regionen Reutlingen, Stuttgart, Konstanz und im Zollernalbkreis. Ein vergleichbares psychiatrisches Beratungsangebot für Betroffene gibt es im Südwesten bisher nicht.

Käfer zufolge benutzen Anhänger dieser Praktik die Drogen, um den Sex intensiver zu erleben. Mit der Einnahme gehe aber auch die Reduktion von Hemmnissen einher. Kontrollverlust und die Gefahr einer Ansteckung etwa mit HIV, Psychosen und Abhängigkeit nannte der Arzt als mögliche Folgen.

Knapp 52 Prozent der Menschen, die "Chemsex" praktizieren, seien Männer, die Sex mit Männern haben, sagte Käfer. Nach Angaben von Prakash W., der bundesweit Präventionskurse für die "Aidshilfe" leitet, hat Sexualität bei vielen Schwulen einen hohen Stellenwert und sei oft mit Leistungsdruck verbunden.

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