Zum x-ten Mal bringt Peter Burkert ein Sperrband an, damit der Platz nicht betreten wird. Doch bereits x-fach ist es abgerissen worden. Foto: /Torsten Streib

Trotz Corona-Verbots ist das Gelände von VfL und Rot-Weiß Stuttgart zum illegalen Treffpunkt für Kicker geworden.

Bad Cannstatt - Der Amateur- und Breitensport ruht seit vergangenem November. Auch wenn die Sportart hierzulande häufig über vielem steht, gilt dieser politisch verordnete Zwangsstopp auch für die Fußballer – abwärts der Regionalliga und in den Jugendspielklassen, wenn diese nicht gerade auf höchstem Niveau gegen das runde Spielgerät treten.

Dementsprechend verweilen die Bälle auch beim Kreisliga-A-Vertreter VfL Stuttgart in den Schränken, herrscht gähnenden Leere auf den beiden Plätzen auf dem Gelände an der Benzstraße – sollte man eigentlich annehmen. Mit Nichten. Auf dem Hauptplatz beim Vereinsheim findet Training unter anderem von der Talentschule des VfB Stuttgart und anderen Übungsleitern statt, die beim VfL um Erlaubnis gefragt haben, unter Einhaltung der Corona-Bestimmungen den Platz nutzen zu dürfen. Diese sehen vor, dass sich nur Personen aus einem Haushalt plus einer weiteren auf dem Feld aufhalten dürften. „Das passt, die halten sich an die Vorgaben, es findet nur Einzeltraining statt“, sagt VfL-Spielleiter und Platzwart Peter Burkert. Ganz und gar nicht passt indes, was sich seit einiger Zeit fast täglich auf dem zweiten Platz des VfL abspielt. „Oftmals tummeln sich gar 30 Leute auf unserem hinteren Platz, als gebe es kein Corona beziehungsweise keine Regeln“, ärgert sich Burkert. Und dies, obwohl er versucht hat, die Plätze mit Sperrbändern abzuriegeln. „Das interessiert niemanden. Entweder sie gehen einfach unten durch oder reißen das Band kurzerhand ab. Ich bringe schon keine neuen Bänder mehr an.“ Sowieso sei es nicht möglich, die Anlage komplett zuzuschließen. „Irgendwie kommt man immer aufs Gelände.“

Keineswegs handelt es sich bei den „illegalen Kickern“ aber nur um Kinder oder Jugendliche – ein Großteil seien Erwachsene. Unter ihnen auch das ein oder andere VfL-Mitglied. Was den Spielleiter aber wundert: Viele der Balltreter kämen aus dem Umland, was die Schriftzüge auf Trainingsanzügen und Trikots verraten würden. Kicker mit der Aufschrift SKV Freiberg am Neckar, SG Sonnenhof-Großaspach oder FC Esslingen seien schon häufiger aufgetaucht. „Irgendwie muss sich der Eindruck erhärtet haben, dass es bei uns erlaubt sei, zu kicken. Immer wieder sehe ich andere und neue Gesichter.“

Generell haben der VfL und der ESV Rot-Weiß Stuttgart, mit dem man das Gelände teilt, Hausrecht und dürften die ungebetenen Gäste jederzeit vom „Acker jagen“. Burkert ist es aber mittlerweile Leid, immer und immer wieder auf die Coronaregeln zu verweisen und ihnen zu sagen, dass sie kein Recht haben, auf dem Platz zu spielen. „Manche gehen und kommen wenig später einfach wieder, andere beleidigen einen.“ Grundsätzlich kann es Burkert nachvollziehen, dass sich die Leute bewegen möchten. Doch: „Je mehr sich an die Vorgaben halten, umso schneller können wir wieder zur Normalität beziehungsweise zum Training- und auch Punktspielalltag zurückkehren.“

Eine Möglichkeit, um die ungebetenen Gäste von der Anlage zu vertreiben, wäre ein Anruf bei der Polizei. Doch das ist nicht Burkerts Ding, zumal die „Beamten sicherlich andere Sachen zu tun haben, als Sportplätze zu kontrollieren“ .

Die Missachtung der Corona-Verordnung ist das eine, das Verhalten auf der Anlage das andere. So würden sämtliche transportablen Tore einfach auf das Feld zum Kicken gestellt und „da bleiben sie denn auch. Auf die Idee, sie wieder an den Spielfeldrand oder hinter die Bande zurückzubringen, wo sie ursprünglich standen, kommt keiner.“ Doch damit nicht genug. Mit den Toren wird nach dem Motto verfahren „gehört mir nicht, interessiert mich nicht“, weshalb fast jedes Netz Löcher aufweist, kaputt ist. Der VfL bleibt auf den Kosten sitzen. „Das Netz eines kleinen Tores kostet 80, das eines großen 150 Euro. Das summiert sich auf der Anlage.“

Neben Sachbeschädigung ist auch Vermüllung ein Thema. Flaschen, Dosen und McDonald’s-Tüten seien über das Gelände verstreut. „Trotz zahlreicher Mülleimer, bin ich ständig am Einsammeln und Aufräumen.“

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