Vor dem Umbau. Foto: Wagner (z) - Wagner (z)

Die Stadtmühle mit seinem betreuten Wohnen wird in diesem Jahr 20 Jahre alt. Sie war, wie der Name sagt, lange Jahre eine echte Mahlmühle.

Bad CannstattIn diesem Jahr wird die Stadtmühle mit ihrer Funktion, Wohnungen für das Betreute Wohnen des Evangelischen Vereins zur Verfügung zu stellen, genau 20 Jahre alt. Außerdem ist das Haus längst auch ein kultureller Anziehungspunkt geworden. Zuletzt war hier im Sommer zum Cannstatter Kulturmenü hin die große Ausstellung zusammen mit Pro Alt-Cannstatt und weiteren Partnern „Stadtansichten – Künstler sehen ihre Stadt“, die viele Besucher anzog. Außerdem finden hier im Kultursaal des Hauses regelmäßig weitere kulturelle Veranstaltungen, darunter auch Konzerte, statt.

Sabine Blank, Geschäftsführerin des Evangelischen Vereins, stellt auch fest: „Ich schätze an der Stadtmühle das sehr schöne Ambiente besonders das des Kultursaales, in welchem wir schon sehr viele beachtende und besondere Veranstaltungen realisieren konnten. Darüber hinaus rundet die direkte Neckarlage und die Aussicht über Bad Cannstatt für unsere Mieter die hohe Wohnqualität ab. Die Hausgemeinschaft, welche in der Stadtmühle gelebt wird, ist von einer großen Empathie geprägt.“

Derzeit wohnen nach Angaben des Evangelischen Vereins 31 Mieter im Haus, weiß Carmen Jud vom Evangelischen Verein. Ihr hat Karin Wecker, die seit Anfang an in der Stadtmühle wohnt, berichtet: „Als einer der ersten Bewohner habe ich in 20 Jahren in allen Bereichen nur positive Erfahrungen gemacht. Das Leben in einer friedlichen Gemeinschaft sowie die jederzeitigen Hilfestellungen durch unser freundliches Pflegeteam geben mir ein Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit. Ich schätze aber auch die zentrale Lage, die Nähe zum Fluss und zum Kurpark.“

Der Ursprung war eine Mahlmühle

Der Ursprung des Gebäudes liegt, wie der Name sagt, in der Mühle. Bereits 1353 wird in Cannstatt eine „Mahlmühle“ erwähnt, wie Carmen Jud vom Evangelischen Verein erklärt. Ihr folgen viele Mühlen, oft mehrere gleichzeitig an verschiedenen Stellen am Neckar entlang. 1881/82 wurde eine Stadtmühle in der Kanalstraße, der heutigen Überkinger Straße, an der Stelle der heutigen Stadtteilbibliothek gebaut. Im Jahr 1916 wurde daneben eine weitere Mühle, die so genannte „neue Weizenmühle“ gebaut. Sie war in etwa genau an der Stelle des heutigen Gebäudes. Ab 1927 gehörten beide Mühlengebäude als Tochtergesellschaft zur Bäckereigenossenschaft Stuttgart. Bei einem Luftangriff wurde 1943 die Mühle von 1916 samt Einrichtung und Maschinen komplett zerstört, ist weiter zu erfahren. 1949/51 wurde die letzte Stadtmühle neu gebaut – an der Stelle der zerstörten Mühle – das Gebäude der heutigen Stadtmühle.

Im Herbst 1949 erfolgte die Gründung des Fundaments auf 120 riesigen Betonpfosten von je 28 Metern Länge. Diese wurden mit einer Dampframme in den von Mineralquellen durchzogenen porösen Untergrund getrieben. Die Stadtmühle wurde nach eineinhalbjähriger Bauzeit am 24. April 1951 als eine der modernsten Mühlen Europas in Betrieb genommen. Und galt manchem Zeitgenossen als „neues Wahrzeichen der Stadt“.

Rund zehn Jahre lang laufen nun zwei Mühlen parallel in der heutigen Überkinger Straße. 1962 wurde dann das Mühlengebäude von 1881/82 abgerissen und ein Verwaltungs- und Lagergebäude für die Stadtmühle gebaut. Nach der Verschmelzung der Bäckereieinkaufsgenossenschaft Böblingen-Herrenberg-Nagold mit der Bäckereieinkaufsgenossenschaft Stuttgart zur Bäko Großhandel eGmbH Stuttgart im Jahr 1968 mit Sitz in Bad Cannstatt wurde 1971 der Hauptteil der Firma Bäko nach Weilimdorf verlegt. Das Verwaltungsgebäude in Bad Cannstatt wurde aufgegeben und von der Stadt als Stadtteilbibliothek und Notariat übernommen. 1979 wurde das Stadtmühlengebäude aufwendig modernisiert und 1987 noch mit einem Beton-Mehlsilolager ergänzt. Zum 31. März 1994 wurde dann die Stadtmühle aus wirtschaftlichen Gründen stillgelegt und verkauft. Käufer der „letzten“ Stadtmühle Bad Cannstatts war der Evangelische Verein. In den folgenden Jahren wurde die Stadtmühle zu einem hochwertigen Wohnhaus mit Betreutem Wohnen umgebaut. Es gibt 30 Wohnungen auf sechs Etagen. Im September 1999 zogen die ersten Mieter in die Stadtmühle ein.

Fast nichts mehr erinnert heute daran, dass in der Stadtmühle jahrzehntelang Mehl gemahlen und abgepackt wurde, weiß Jud, hie und da ein kleiner Mauervorsprung oder ein verwinkelter Keller. Was bleibt, ist die markante Silhouette des Gebäudes, ergänzt durch die Balkone, und die charakteristische Farbe des Hauses. In diesem September werden es nun 20 Jahre, dass die Mieter des Betreuten Wohnens in der Stadtmühle mit ihrer besonderen Lage nah am Neckar wohnen und bei Bedarf versorgt werden.

Die Stadtmühle ist sehr beliebt durch ihre hohe Wohnqualität, die gehobene Ausstattung, die Lage, mit kurzen Wegen zum Stadtzentrum und Kurpark und vor allem durch ihren traumhaften Blick über Bad Cannstatt in den oberen Stockwerken und auf den Balkonen, das wissen die Aktiven des Evangelischen Vereins. „Das Jubiläum begehen die Mieter der Stadtmühle mit eine Feierstunde im kleinen Rahmen mit gutem Essen. Sicherlich werden auch Erinnerungen wach werden, denn es gibt ja auch noch Mieter der ersten Stunde, die hier seit 1999 wohnen“, sagt Jud.

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