An der Börse spricht man von einem Bärenmarkt, wenn die Kurse sinken. Zurzeit belastet der russische Bär die Märkte. Foto: dpa/Frank Rumpenhorst

Die Eskalation der Ukraine-Krise belastet die Aktienmärkte weltweit. Für Anleger ist das kein Grund zur Panik, sagen Experten. Wozu sie jetzt raten.

Die Angst vor einer Eskalation in der Ukraine-Krise hat die Börsen fest im Griff. In Tokio gab der Nikkei-Index in der Nacht zum Dienstag um 1,7 Prozent auf 26 450 Punkte nach. Die Börse in Shanghai lag ein Prozent im Minus. In Frankfurt startete der Dax mit Verlust in den Tag. Am Vorabend war er um 2,1 Prozent auf 14 731 Punkte gesunken und damit mit dem niedrigsten Schlusskurs seit rund elf Monaten aus dem Handel gegangen. Auch der Euro-Stoxx 50 gab seine anfänglichen Gewinne ab und verlor 2,3 Prozent auf 3982 Zähler.

Gleichzeitig nahm die Nervosität der Anleger in Europa sprunghaft zu. Dies zeigt der Volatilitätsindex V-Stoxx, der in der Spitze um bis zu 25 Prozent auf ein 16-Monats-Hoch kletterte. Die US-Börsen hatten wegen des President’s Day geschlossen. Zugleich kletterte der Preis für Öl auf den höchsten Stand seit 2014. Und auch der Goldkurs legt zu.

Lesen Sie aus unserem Angebot: Newsblog zum Ukraine-Konflikt

Am Montagabend hatte der russische Präsident Wladimir Putin die Entsendung russischer Truppen in die Separatistengebiete in der Ost-Ukraine im Rahmen einer laut Russland „friedenserhaltenden Mission“ an. „Wir sind einer militärischen Intervention sehr viel näher, was natürlich die Stimmung an den Märkten deutlich verschlechtert“, kommentierte Carlos Casanova, leitender Asien-Ökonom bei der Bank UBP, die Entscheidung Putins.

Oanda-Analyst Jeffrey Halley schreibt in seinem Morgenkommentar, er erwarte weitere Kursverluste: „Die europäischen Märkte werden sich wahrscheinlich noch mehr über die russischen ‚Sicherheitsoperationen’ in der Ostukraine erschrecken und erneut nachgeben. In der Zwischenzeit werden die drohenden Sanktionen und ein Ölpreis, der nach 100 Dollar pro Barrel schreit, auch die US-Aktienmärkte auf Trab halten.“

Krise aussitzen oder sogar nachkaufen

Angesichts dieser Lage fragen sich viele Menschen, ob ihre Schäfchen nicht lieber ins Trockene bringen sollten. Generell gilt es, an der Börse einen kühlen Kopf zu bewahren. Was man jetzt tun sollte, hängt in erster Linie davon ab, was man mit dem Geld vorhat: Wer langfristig Vermögen aufbauen will, etwa für den noch weit entfernten Ruhestandoder das Studium seiner Kinder in fünf Jahren, kann sich entspannt zurücklehnen, sagen Experten. „Wer Zeit hat, eine etwaige Krise auszusitzen, sollte bei fallenden Kursen sogar Aktien nachkaufen“, sagt Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank.

Wer dagegen plant, seine in Aktien angelegten Ersparnisse im Laufe des Jahres in ein Haus oder einen Neuwagen zu stecken, kann mit einem Verkauf zum jetzigen Zeitpunkt nicht viel falsch machen. Denn selbst wenn er erst vor einem Jahr eingestiegen sein sollte, käme er mit einem Plus heraus. Und dass ihm in den nächsten Monaten große Kurssprünge entgehen, ist unwahrscheinlich.

Lesen Sie aus unserem Angebot: EZB schließt Zinserhöhung 2022 nicht aus

Denn selbst wenn Putin seine Truppen von der ukrainischen Grenze abziehen sollte, dürfte die Aussicht auf steigende Zinsen die Börsen noch eine Weile in Atem halten. Zwar sind moderate Zinserhöhungen für die Wirtschaft unproblematisch. Doch angesichts der hohen Inflationsrate bleibt ein Restrisiko, dass die Notenbanken eine Vollbremsung hinlegen und damit den Konjunkturmotor abwürgen. Und ein steigender Ölpreis verschärft das Inflationsproblem.

Dividendenaristokraten sind die richtige Wahl

Viele Experten raten deshalb jetzt zu Aktien von Unternehmen, die vergleichsweise unempfindlich gegen Konjunkturschwankungen sind. Laut einer Analyse des Vermögensverwalters HQ Trust, die bis ins Jahr 1984 zurückreicht, schlagen sich bei hohen Ölpreisen Aktien aus den Sektoren Gesundheit, Nahrungsmittel und Körperpflege am besten. Empfehlenswert sind laut Christian Kahler, dem Chef-Anlagestrategen der DZ Bank, in unsicheren Zeiten zudem „Dividendenaristokraten“ - Unternehmen, die seit mindestens zehn Jahren kontinuierlich Dividenden in weitgehend stabiler Höhe zahlen. Die DZ Bank zählt dazu die Dax-Konzerne BASF, Bayer, BMW und Siemens, aber auch Nebenwerte wie Dürr und Freenet – um nur die deutschen Aristokraten zu nennen. Das kann beruhigend wirken – Anleger sollten aber auch die bei Depot-Umschichtungen unvermeidbaren Gebühren im Blickbehalten.