Simone Megon im Dress des TVB Stuttgart (li.) und im italienischen Nationaltrikot. Foto: Pressefoto Baumann/Julia Rahn; Imago/Abacapress

Simone Mengon ist der beste Handballer Italiens. Wie blickt der Spielmacher des TVB Stuttgart auf die EM, Bob Hanning und den Bundesliga-Re-Start gegen seinen Ex-Club ThSV Eisenach?

Mit Italien feierte Simone Mengon den ersten EM-Sieg nach 28 Jahren, längst blickt der Spielmacher auf den Bundesligastart 2026 mit dem TVB Stuttgart. Vor dem Heimspiel gegen den ThSV Eisenach an diesem Dienstag (19 Uhr) schätzt der 26-Jährige die Lage ein.

Herr Mengon, mit ein paar Tagen Abstand – wie fällt Ihr EM-Fazit mit Italien aus?

In den ersten beiden Spielen gegen Ungarn und das Topteam Island kamen wir nicht an unser Leistungslimit heran. Damit konnten wir nicht zufrieden sein. Um so wichtiger war es, nicht mit drei Niederlagen aus dem Turnier nach Hause fahren.

Sondern mit einem 29:28 gegen Polen, das Sie mit Ihrem Tor acht Sekunden vor Schluss perfekt machten.

Es war unser zweiter EM-Sieg überhaupt, auf den Italien 28 Jahre lang gewartet hat. Den wollten wir unbedingt. Entsprechend groß war die Erleichterung, zumal wir mit Blick auf die Qualifikation für die WM 2027 in Deutschland nun nur noch eine Hürde nehmen müssen. Vor zwei Jahren mussten wir noch drei Quali-Runden überstehen.

Das EM-Ziel Ihres Nationaltrainers Bob Hanning, in die Hauptrunde einzuziehen, haben Sie aber verpasst.

Wir alle sind ehrgeizig, aber Bob natürlich ganz besonders. Er ist nun wirklich nicht bekannt dafür, tiefe Ziele zu setzen. Er ist ein Motivationskünstler und hat ja schon vor der EM in einem Interview gesagt, dass er sich nicht mit dem kleinen Italien abfinden will, das nur Spiele gegen Algerien oder Tunesien gewinnt.

Er hat auch gesagt, dass er den Verband professionalisieren möchte und sich nicht wie beim letzten Qualifikationsspiel gegen Spanien in einem Hotel gemeinsam mit 400 Rentnern beim Essen am Buffet anstellen möchte.

Bob versucht alles, damit die Mannschaft erfolgreich ist, dazu gehören auch die Rahmenbedingungen, die sich bereits deutlich verbessert haben. Er drängt auf Veränderungen, nimmt die Leute im Verband aber mit und überfordert sie nicht. Ich bin sicher, die Weiterentwicklung wird man in den nächsten Jahren sehen. Schritt für Schritt.

Mengon-Brüder Simone und Marco (re.) im Dress der italienischen Nationalmannschaft. Foto: IMAGO/ABACAPRESS

Sie persönlich spielten eine starke EM, erzielten in den drei Spielen 17 Tore. Wie unterscheidet sich Ihre Rolle von der beim TVB?

Ich bin in der Nationalmannschaft nicht nur als Torschütze und Vorlagengeber gefragt, sondern auch als Organisator des Angriffs. Bob hat mir sehr viel Verantwortung übertragen. Beim TVB habe ich Spieler wie Max und Kai Häfner sowie Torben Matzken an meiner Seite, die ebenfalls Regie führen und das Spiel steuern. Im Verein kann ich mich daher mehr auf die Eins-gegen-Eins-Situationen konzentrieren.

Mit dem TVB geht es an diesem Dienstag in der Porsche-Arena gegen Ihren Ex-Club ThSV Eisenach los.

Mein Kopf ist längst wieder voll in Stuttgart. Und das wird gleich ein enorm wichtiges Spiel, in dem wir zudem nach dem 24:28 im Hinspiel in Eisenach noch etwas gutzumachen haben. Diese Niederlage tat sehr weh. Überhaupt wollen wir ein anderes Gesicht zeigen, als in der Vorrunde.

Was muss besser werden?

Bevor die Verletzungsmisere begann, zeigten wir nicht nur ein sehr gutes Angriffsspiel, sondern standen auch stabil in der Abwehr. Daran wollen wir wieder anknüpfen und auch mehr Emotionen zeigen. Zudem haben wir von zehn Auswärtsspielen noch keines gewonnen. Das sollten wir schleunigst ändern.

Wenn nicht droht womöglich Abstiegskampf. Wie groß sind Ihre Befürchtungen bei aktuell nur vier Punkten Vorsprung auf den vorletzten Platz?

Wir befinden uns mit Platz 14 nicht in der Tabellenregion, in die wir gehören. Von daher schaue ich nach oben – in Richtung Platz zehn. Wir haben uns sechs Monate kennengelernt, jetzt sind wir bereit für mehr.

Zur Person

Vita
Simone Mengon wurde am 3. Januar 2000 im italienischen Trient geboren. Das Handballspielen begann er mit seinem Zwillingsbruder Marco beim italienischen Club Pallamano Pressano. Gemeinsam wechselten die beiden 2017 in die Jugendabteilung von Montpellier Handball nach Frankreich. 2020 ging es weiter zum französischen Zweitligisten Billere Handball. Ab Sommer 2023 stand er beim ThSV Eisenach unter Vertrag, schon damals unter dem aktuellen TVB-Trainer Misha Kaufmann. Seit der Saison 2025/26 läuft der 1,90 Meter große Rückraumspieler für den Bundesligisten TVB Stuttgart auf. Er hat in 19 Erstligaspielen 79 Tore erzielt.

Persönliches
Anfang 2025 wurde Simone Mengon zu Italiens Handballer des Jahres 2024 gekürt. Sein Zwillingsbruder Marco spielt ebenfalls in der italienischen Nationalmannschaft und in Deutschland bei Zweitligist 1. VfL Potsdam. (jüf)