Volle Porsche-Arena, großes Ziel: Kapitän Patrick Zieker sagt, wie Außenseiter TVB Stuttgart das Handball-Starensemble des THW Kiel mit Keeper Andreas Wolff knacken will.
5900 Tickets sind verkauft, Fans und Spieler des Handball-Bundesligisten TVB Stuttgart sind heiß auf das Duell mit dem THW Kiel (Donnerstag, 19 Uhr/Porsche-Arena). Kapitän Patrick Zieker schätzt die Chancen ein.
Herr Zieker, haben Sie und Ihre Außenkollegen das Trauma vom 32:32 in Minden verarbeitet?
Sicher haben uns die mangelnde Effektivität, die vielen Fehlwürfe von außen den ersten Auswärtssieg der Saison gekostet. Das habe ich in dieser geballten Form noch nie erlebt. Das ist sehr ärgerlich und tut auch weh. Aber wir haben weiter den Glauben und das Selbstvertrauen – und freuen uns jetzt auf ein tolles Heimspiel vor vollem Haus.
Beim THW Kiel steht mit Ausnahmekeeper Andreas Wolff ein Spezialist für Würfe von außen im Tor.
Wir wollen das Thema jetzt nicht größer machen, als es ist. Klar macht Andi mit seinem Stellungsspiel und seiner enormen Spannweite es uns Außenspielern sicher nicht einfach, und mit Gonzalo Perez de Vargas hat der THW ja auch noch einen zweiten Weltklassetorwart. Aber wir müssen uns auf uns konzentrieren und dürfen uns nicht verrückt machen, wer da zwischen den Pfosten steht.
Im Hinspiel in Kiel gab es nur eine knappe 32:33-Niederlage.
Das zeigt: Wenn wir an unserem Plan festhalten, können wir mithalten. Wir glauben auch fest daran, dass wir zu Hause jeden Gegner schlagen können.
Der THW musste in der Liga zuletzt eine 26:34-Packung gegen den VfL Gummersbach hinnehmen. Wie wirkt sich so etwas aus?
Klar ist, dass die Belastung für die Kieler, die gefühlt alle zwei Tage ein Spiel haben, schon Wahnsinn ist. Da kann man gegen einen solch starken Gegner wie den VfL schon mal unter die Räder kommen. Was das für unser Spiel bedeutet, kann ich nicht abschätzen. Die Kieler sind immer in der Lage, an ihre Grenzen zu kommen. Dennoch wollen wir endlich gegen einen Großen gewinnen.
Was wird entscheidend sein?
Wir müssen mit ganz viel Energie und Leidenschaft nah an unser Optimum kommen. Wichtig wird sein, in der Abwehr sicher zu stehen. Damit wir nicht in jedem Angriff unter Druck stehen, ein Tor werfen zu müssen.
Ihr Team hat acht Zähler Vorsprung auf die beiden Abstiegsplätze. Wie schätzen Sie die Lage ein?
Es ist brutal, welche Entwicklung die Liga genommen hat. Die Ausgeglichenheit in dem Riesenfeld hinter dem ersten Drittel ist enorm. Da kann jeder jeden schlagen. Aktuell stehen etablierte Teams wie Leipzig und Wetzlar ganz hinten drin. Sie haben damit nicht gerechnet. Wir kennen das aus dem letzten Jahr. Das ist vielleicht der Vorteil der Aufsteiger GWD Minden und Bergischer HC, für die es von Anfang an nur um den Klassenverbleib ging.
Wer steigt denn ab am Ende?
Wir nicht (lacht). Das ist alles, was ich dazu sagen möchte.
Was sagen Sie denn zu den vielen internationalen Stars, die es in die Bundesliga zieht?
Dass jetzt zu Mathias Gidsel, Simon Pytlick, Perez de Vargas, Andreas Palicka und Co. Spieler wie Alex Dujshebaev und Dika Mem hinzukommen, zeigt, dass die Bundesliga ein Magnet ist für Topstars. Es ist der Reiz für jeden Sportler, in vollen Arenen zu spielen, in der attraktivsten Liga der Welt, in der Handball gelebt und zelebriert wird.
Andreas Wolff kam auch aus dem polnischen Kielce zurück – der Bundestrainer traut ihm zu, bis 50 zu spielen. Sie auch?
Er achtet sehr auf seinen Körper, und als Torwart kann man ja auch ein bisschen länger spielen. Ich weiß nicht, ob er bis 50 spielt, aber ich bin mir sicher, dass wir ihn noch einige Jahre spielen sehen.
Und der 32-jährige Linksaußen Zieker spielt bis 40?
Bis 45! Nein, Quatsch (lacht). Ich fühle mich körperlich gut, manchmal merkt man den Verschleiß, aber ich freue mich jeden Tag auf das, was ich tue und ausleben kann. Erst mal habe ich Vertrag bis 2027. Dann schauen wir mal, wie es weitergeht.
Zur Person
Karriere
Patrick Zieker wurde am 13. Dezember 1993 in Ludwigsburg geboren. Der Linksaußen spielte in der Jugend für die HG Steinheim-Kleinbottwar und die SG BBM Bietigheim. 2012 wechselte er zum TBV Lemgo Lippe, ehe es ihn 2019 zum TVB Stuttgart zog. Dort hat er einen Vertrag bis 2027. In 17 Länderspielen erzielte er 32 Tore.
Persönliches
Zieker ist verheiratet mit Hannah. Das Paar hat die Söhne Theo (6) und Matti (5) sowie die Zwillingstöchter Amelie und Mathilda (2). Seine Hobbys sind Hunde und Kochen. (jüf)