Professor Peter Kremsner ist der Direktor des Instituts für Tropenmedizin an der Uniklinik Tübingen. Foto: Uniklinik Tübingen/Imago

Das Coronavirus hat Baden-Württemberg erreicht. Viele Menschen sind besorgt: Sollte man Menschenansammlungen jetzt meiden? Was Professor Peter Kremsner von der Uniklinik Tübingen dazu sagt.

Stuttgart - Überall schnupft und hustet es. Deutschland befindet sich mitten in der Erkältungshochsaison. Doch anders als in den vergangenen Jahren bereitet vielen das neue Coronavirus Sorgen: Covid-19 breitet sich rasant aus und hat inzwischen via Italien auch den Südwesten erreicht. Ein 25-Jähriger aus dem Landkreis Göppingen hat sich bei einem Trip nach Mailand angesteckt. Inzwischen gibt es drei weitere Fälle in Baden-Württemberg.

Doch woher kann man wissen, ob man sich eine herkömmliche Erkältung oder die schwerere Influenza eingefangen hat – oder tatsächlich das Coronavirus?

Inkubationszeit meist zwei bis 14 Tage

Professor Peter Kremsner von der Uniklinik Tübingen warnt davor, die Situation zu dramatisieren: „Wenn jetzt gerade jemand schnupft und hustet, ist es am wahrscheinlichsten, dass ihn ganz normale Erkältungsviren erwischt haben“, sagt der Direktor des Instituts für Tropenmedizin. An der Tübinger Uniklinik werden zwei der vier bestätigten Erkrankten isoliert behandelt: Ein 60-jähriger Oberarzt der Pathologie und seine 24 Jahre alte Tochter.

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Wenn man sich nicht selbst in einem Risikogebiet aufgehalten hat oder Kontakt zu jemandem hatte, der an einem solchen Ort war, sei es mehr als wahrscheinlich, „dass man einen ganz normalen Schnupfen hat – so wie ich übrigens gerade auch.“

Viele Menschen, die sich mit Covid-19 angesteckt haben, haben nur leichte Erkältungssymptome wie Frösteln und Halsschmerzen – oder gar keine. Hinzukommen können laut Robert Koch-Institut (RKI) Fieber, Husten und Atemprobleme, wie sie auch bei einer Grippe auftreten. Auch Kopfschmerzen oder Durchfall sind möglich. Die Inkubationszeit – der Zeitraum zwischen Infektion und Beginn von Symptomen – beträgt nach derzeitigem Stand meist zwei bis 14 Tage. Auch den beiden Patienten an der Tübinger Uniklinik gehe es sehr gut, weiß Kremsner zu berichten.

Die meisten Fälle verlaufen mild

„Derzeit deutet alles darauf hin, dass mehr als 80 Prozent der Infektionen mit dem Coronavirus sehr mild verlaufen“, so der Mediziner weiter. Allerdings sei momentan schwer vorherzusagen, wie sich die Verbreitung der Krankheit in Deutschland weiter entwickle. Auch ob sich die Coronavirus-Epidemie – ähnlich der Influenza – mit dem Frühlingsbeginn abschwäche, sei derzeit nicht abzusehen, erklärt Kremsner. „Die Grippe hat ihren Höhepunkt im späten Winter, meistens sogar Anfang März – ob das beim Coronavirus ähnlich verläuft, wissen wir nicht.“

Der Mediziner rät, die bewährten Hygieneregeln einzuhalten, mit denen man sich auch in der ganz normalen Erkältungssaison vor Ansteckung schützt: „Gut Hände waschen lohnt sich immer – gegen jede Art von Mikroben.“ Sich extra mit Desinfektionsmittel einzudecken, müsse nicht sein: „Seife tut’s auch.“ Wenn gesunde Menschen Mundschutz tragen, hält Kremsner das für „übertrieben“. Zumal viele Mediziner sagen, die Maßnahme habe gar keinen Effekt.

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Menschen mit Vorerkrankungen oder einem geschwächten Immunsystem, sagt Kremsner, müssten sich ohnehin besonders schützen: „Das gilt aber auch für Influenza.“

Sollte man aus Angst vor dem Coronavirus nun große Menschenansammlungen meiden? Peter Kremsner hält solche Maßnahmen für übertrieben. Er selbst meidet auch keine großen Veranstaltungen: „Ich gehe weiterhin noch in die Oper oder ins Stadion zum Fußballspiel.“

Hygieneregeln – Hände waschen, in die Armbeuge husten

Im Grunde reicht es, sich zu verhalten wie in jeder „normalen“ Grippesaison auch.

Husten und Niesen sollte man in die Armbeuge und nicht in die Hand.

Die Hände ständig mit Desinfektionsmittel einreiben? Muss man nicht. Wichtig ist aber, sich regelmäßig und gründlich die Hände mit Seife waschen – mindestes 20 Sekunden lang.

Finger weg: Man sollte sich so wenig wie möglich ins Gesicht fassen.

Wer sich gegen die Grippe impfen lässt, hilft dabei, das Gesundheitswesen zu entlasten.

Für Fragen hat zum Beispiel auch die Krankenkasse Barmer eine kostenlose Hotline (0800/84 84 111) eingerichtet. Sie ist rund um die Uhr erreichbar.

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