Im Zimmertheater Tübingen herrscht fast wieder Normalbetrieb. Foto: Zimmertheater

Drei Wochen nach der Wiedereröffnung herrscht in den Tübinger Kultureinrichtungen fast schon wieder Normalbetrieb. Umso größer die Freude über die Verlängerung des Modellprojekts.

Tübingen - Für die Kultur ist es eine gute Nachricht: Die Stadt Tübingen setzt ihren Modellversuch fort. Während die Außengastronomie zwar wieder schließen muss, dürfen Theater und Ausstellungen geöffnet bleiben – vorerst bis zum 18. April. Das Publikum kann nach Vorlage eines aktuellen negativen Coronatests die Kunsthalle Tübingen oder auch Theatervorstellungen in der Stadt besuchen – mit Sicherheitsabstand und Mundschutz.

Nicole Fritz, die Direktorin der Kunsthalle, ist erleichtert. „Ich bin sehr dankbar, dass wir aufhaben können“, sagt sie und ist auch froh, dass Tübingen dieses Modell wagt. Denn Museen bräuchten „andere Lösungen“, meint sie, „das fordere ich schon lange“. Rund tausend Besucherinnen und Besucher haben sich in den vergangenen drei Wochen in der Kunsthalle die neue Sonderausstellung zu Karin Sander angeschaut. Das klingt nach viel, „aber an sich sind wir ein bisschen mehr gewöhnt“, meint Nicole Fritz. Sie hat festgestellt, dass viele Interessenten aus Stuttgart und der Region verunsichert seien, ob sie als Externe die Tübinger Angebote nutzen dürfen. Nicole Fritz sagt ganz klar: „Ja! Auswärtige dürfen kommen.“

Auch Externe dürfen das Tübingen Kulturangebot nutzen

Für einen Besuch der Kunsthalle muss man vorab einen Coronatest machen – zum Beispiel in der Apotheke bei der Kunsthalle. Da diese am Wochenende geschlossen hat, hat die Kunsthalle einen Testraum eingerichtet, in dem zwei Medizinstudenten am Wochenende die Tests durchführen. Der gilt allerdings nur für das Museum und nicht für einen Besuch in der Stadt. Bisher habe es keinen positiven Coronafall gegeben, sagt Fritz.

Auch im Zimmertheater Tübingen können Externe mit einer gebuchten Eintrittskarte Vorstellungen besuchen – und hierzu im Theater einen Schnelltest machen. Als das Zimmertheater am 14. März kurzfristig wieder öffnen durfte, wurde eine Produktion reaktiviert, die man im vergangenen Jahr im Lockdown entwickelt hatte. Am Samstag steht nun eine neue Premiere an. Der Betrieb habe sich wieder eingespielt, sagt der Intendant Dieter Ripberger – nach vier Monaten Kurzarbeit. „Wir sind euphorisch und uns des Privilegs bewusst“, so Ripberger, „wir sind nach drei Wochen schon wieder in einem guten Produktionsflow, es fühlt sich an, als sei nie etwas gewesen.“

Das Publikum nimmt das Angebot gut an

Dem Publikum scheint es ähnlich zu gehen. Da nur fünfzig Personen in den Saal passen, seien die Vorstellungen des Zimmertheaters „massiv überbucht“, so Ripberger. Nachdem im vergangenen Jahr bereits Filtergeräte und Lüftungsanlagen installiert worden seien, könne man die notwendige Sicherheit gewährleisten. „Die Leute fühlen sich pudelwohl – ohne unvernünftig zu sein“, so Ripberger.

„Tübingen ist extrem diszipliniert und verantwortungsbewusst“, sagt auch Thorsten Weckherlin, der Intendant des Landestheaters LTT, das nun wieder sein Repertoire spielt. „Wir sind immer ausverkauft, und es bringt Spaß, mal wieder vor Publikum zu spielen“, so Weckherlin. Da die Kontaktverfolgung durch den digitalen Kartenverkauf auch problemlos gewährleistet werden könne, ist Weckherlin überzeugt, dass das Tübinger Kulturmodell durchaus „kopierbar“ sei. Theater in anderen Städten sollten nicht nachlassen, bei Politik und Verwaltung auf Öffnungsstrategien zu dringen.