Achtlos entsorgte Zigaretten können einen Waldbrand Foto: /Patrick Pleul

Feuerwehrexperten und Förster sind besorgt: Durch die Trockenheit und Hitze steigt die Waldbrandgefahr enorm. Das Forstamt schloss Grillplätze und bittet Waldgänger um Vorsicht.

Untertürkheim - Sonne, Wärme und kaum ein Tropfen Regen – die sogenannten Hundstage machen ihrem Namen alle Ehre. Was Sonnenhungrige erfreut, führt bei Forstbeamten zu Stirnrunzeln: Innerhalb von wenigen Tagen ist die Waldbrandgefahr in Stuttgart stark angestiegen. Stuttgarts Förster und die Feuerwehren sind besorgt. Der Waldboden ist ausgetrocknet, viele Gräser verdorrt, dürre Äste und trockenes Laub bedecken die Böden. Grund dafür sind die hohen Temperaturen und die extrem wenigen Niederschläge in den vergangenen Wochen. Der Juli war zu trocken. Und laut Deutschem Wetterdienst ist auch keine Besserung in Form von ergiebigen Niederschlägen in Sicht. Ein Funke könnte ausreichen, um einen Flächenbrand auszulösen. Darauf haben die Landeshauptstadt Stuttgart und die Feuerwehr Stuttgart hingewiesen. Noch leuchtet die Karte des Deutschen Wetterdienstes in der Region Stuttgart „nur“ dunkelrot und nicht lila wie in manchen Nachbarregionen. Die Experten erwarten aber, dass in den kommenden Tagen die Waldbrandstufe 5 ausgerufen wird: Das bedeutet „sehr hohe Gefahr“.

Die Stadtverwaltung hat deswegen am Donnerstag bereits vorsorglich die Konsequenzen gezogen: Das Garten-, Friedhofs- und Forstamt (GFF) schließt alle öffentlichen Grillstellen in der Landeshauptstadt – bis auf Weiteres. „Sobald der Witterungsverlauf es zulässt, werden die Grillstellen wieder geöffnet werden“, versichert die Stadtverwaltung.

Das GFF bittet zudem alle Waldspaziergänger, Jogger, Radfahrer und andere Waldnutzer um Umsicht. Ein Feuer im Wald könnte schon durch die Glasscherben einer weggeworfenen Flasche verursacht werden. Das Glas kann wie ein Brennglas funktionieren. Ebenso verheerend wirken unachtsam weggeworfene Zigaretten, aber auch Funkenflug kann schnell ein Feuer verursachen. Das Verbrennen von Gartenabfällen ist aus Umweltschutzgründen eh generell verboten, bei Trockenheit wäre dieses Fehlverhalten zudem extrem fahrlässig. Matthias Holzmann, Leiter der Abteilung Forsten und Service-Betriebe beim GFF, erklärt: „Im Wald gilt deshalb ein generelles Rauchverbot von März bis einschließlich Oktober. Auch das Feuermachen im Wald ist grundsätzlich verboten. Eine Ausnahme bilden normalerweise die offiziellen, eingefassten Feuerstellen auf den Grillplätzen der Stadt Stuttgart – im Stadtwald und in den Grünanlagen. Die hohe Waldbrandgefahr macht aktuell aber eine Sperrung dieser Anlagen zwingend erforderlich.“ Die Grillplätze sind deswegen deutlich sichtbar als gesperrt kenntlich gemacht. Zuwiderhandlungen können empfindliche Geldbußen nach sich ziehen.

Die Feuerwehr warnt vor dramatischen Folgen und appelliert eindringlich an die Bevölkerung, sich an die Regeln zu halten. Georg Belge, Leiter der Branddirektion, sagte: „Die Folgen einer Missachtung können dramatisch sein. Zur Brandbekämpfung werden enorme Ressourcen an Personal und Material benötigt und die Tier- und Pflanzenwelt erleidet erhebliche Schäden. Durch einen verantwortungsvollen Umgang mit der Natur lassen sich solche Brände vermeiden.“ In Baden-Württemberg kommt es immer wieder zu eher kleineren Waldbränden. Nach Zahlen der Landesforstverwaltung Baden-Württemberg sei es in 2019 in Baden-Württemberg zu insgesamt 17 Waldbränden mit einer Gesamtfläche von insgesamt 6,45 Hektar gekommen. „Nach allem, was wir wissen, werden die Sommer bei uns durch den Klimawandel heißer und trockener werden. Dies erhöht die Waldbrandgefahr. Unsere Antwort darauf sind klimastabile Mischwälder, deren Anlage und Pflege wir weiter vorantreiben werden“, erklärte Baden-Württembergs Forstminister Peter Hauk. Im Vergleich zu anderen Ländern sei Baden-Württemberg eher kein ausgesprochenes Waldbrandland. Dies hänge vor allem mit dem bei uns höheren Anteil an Laub- und Mischwäldern sowie mit der sehr guten Erschließung der Wälder mit Fahrwegen zusammen. „Trotzdem ist die Gefahr kleinstandörtlich immer wieder gegeben“, betonte Hauk.

Die Feuerwehr rät den Bürgerinnen und Bürgern zu folgendem Verhalten, wenn sie einen Brand bemerken: Wenn Sie einen Wald- oder Flächenbrand – auch wenn er noch so klein ist – bemerken, alarmieren Sie bitte sofort die Feuerwehr über den Notruf 112. Beschreiben Sie den Ort und den Anfahrtsweg so gut wie möglich, damit die Einsatzkräfte schnellstmöglich mit den Löscharbeiten beginnen können. Hilfreich ist es auch, wenn Sie sich als Lotse an markanten Punkten oder Kreuzungen aufstellen und den Einsatzkräften den Weg zur Einsatzstelle weisen. Ganz wichtig: Rufen Sie auf jeden Fall die Feuerwehr zur Nachkontrolle, wenn Sie den Brand selbstständig gelöscht haben.

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