Schausteller Mark Roschmann führt die Familientradition fort, allen Herausforderungen zum Trotz. Der Pferdemarkt in Leonberg ist der Startschuss in die Saison – inklusive einer Neuheit.
Mark Roschmann läuft über den Rummel, der zum Leonberger Pferdemarkt genauso gehört wie die Pferde. Die Fläche ist ihm vertraut. „Das ist Heimat“, sagt der 44-Jährige.
Roschmanns Urgroßvater Paul Rebmann lebte in Gerlingen, ehe er zu seiner Frau nach Eltingen zog. Die einzige Tochter heiratete später einen Roschmann, und dieser Name blieb. Inzwischen ist Mark Roschmann mit seinen eigenen Fahrgeschäften auf dem Leonberger Pferdemarkt präsent, genau genommen ist aber die Großfamilie vertreten. Ob im Maisbecher, im Kinderkarussell – und natürlich beim Autoscooter, der darf auf einem Rummel nicht fehlen. „Boxautos sind Pflichtprogramm“, sagt Roschmann. Glänzend stehen die Wagen vor dem Start in einer Reihe, bunt lackiert, poliert.
Pferdemarkt in Leonberg – für Schausteller Mark Roschmann ein Stück Heimat
Die Boxautos sind hat auch in der Familie alles angefangen, zumindest in der jüngeren Vergangenheit. Roschmanns Vater Hans hat mit 18 seinen ersten Autoscooter erworben, 1969 machte er aus zwei Fahrgeschäften Süddeutschland größten Autoscooter. Er reiste damit nicht umher, er blieb damit in der Region – und gab diese Verbundenheit mit der Heimat weiter an die nächste Generation.
Mark Roschmann, nun Vorsitzender des Schaustellerverbandes Südwest, macht deutlich, was diese Verbundenheit nicht nur für die Betreiber von Fahrgeschäften bedeutet. Teilweise seit Jahrzehnten werden sie von denselben Lieferanten beliefert. Für sie ist daher auch der Leonberger Pferdemarkt ebenso eine feste Größe im Jahreskalender wie für Roschmann.
Ob Warenlieferant oder Technikdienstleister: Was wären die Schausteller ohne sie, ohne ihre schnelle Reaktion im Notfall? Das Bewährte weiter zu pflegen, in die nächste Generation weiterzugeben, das ist Roschmann ein Anliegen. Sein Sohn, Mark junior, wachse damit auf, erzählt er. Der Teenager wird in Vaters Fußstapfen treten, das ist gewiss. Roschmann freut das. Auch der Sohn wird dann den Stolz des Schaustellers in sich tragen, in dann fünfter Generation – und sich ebenfalls nicht zu schade sein, „abends den Müll wegzubringen“, wie es Roschmann formuliert.
Der Leonberger Pferdemarkt ist bei Roschmann auch Familiensache
Der Leonberger Pferdemarkt ist der erste Rummel der Saison – für Roschmann ebenso wie für all die anderen Betreiber der rund 20 Attraktionen auf dem Festgelände. Viele andere Schausteller sind mit ihren Fahrgeschäften um diese Zeit noch in der Werkstatt, auch beim TÜV. Und die Saisonkräfte sind noch nicht mit an Bord – Roschmann selbst ist in Leonberg ausschließlich mit der Familie präsent.
Die eigentliche Saison beginnt erst mit dem Frühlingsfest in Stuttgart, dann seien auch die zusätzlichen Kräfte dabei, das dann aber durchgehend bis zum Saisonende. Der frühe Zeitpunkt des Rummels bringt eine Besonderheit mit sich: Dass beim Leonberger Pferdemarkt auch mal ordentlich Schnee lag, das gehöre dazu, erzählt Roschmann.
Genauso dazu gehören zum Rummel stete Neuerungen.
- In diesem Jahr ist es ein Fahrgeschäft, der Street Fighter.
- Er misst 17 auf 18 Meter.
- Allein die schiere Größe macht ihn zur Attraktion, nicht allein die Bewegungen der Schwenkarme in luftiger Höhe.
Rummel-Organisator Roschmann hatte sich um ihn bemüht, denn bei aller Tradition seien Neuheiten wichtig. Jedes Jahr dasselbe zu sehen, zu erleben, sei irgendwann nicht mehr attraktiv, meint der 44-Jährige. Ebenso wie es nicht passieren dürfe, dass einer nicht finde, was ihn anspricht oder auch, was ihm schmeckt. Ob traditionell mit Currywurst und Pommes oder Wraps, fleischhaltig oder vegan – der Rummel will allen Besuchern etwas bieten.
Tiktok, Whatsapp, Social Media gehören dazu wie Plakate am Straßenrand
Der Festplatz, der Rummel „ist ein Spiegel der Gesellschaft“, sagt Mark Roschmann. Insofern will er alle ansprechen, alle Generationen, alle Kulturen. Die Veränderung gehört bei aller Tradition dazu – und mit ihr die Werbung auf Höhe der Zeit. Social Media gehört dazu, Tiktok also genauso wie die Statusmeldung auf Whatsapp. Die jüngere Generation wird auf diesen Wegen erreicht. Gleichwohl: die auffälligen Plakate am Straßenrand, pink, gelb, schwarz – sie bleiben ein wesentlicher Bestandteil der Werbung. Nicht nur um der Tradition Willen. „Sie ist immer noch sehr wirkungsvoll.“