Wo sich sonst Menschenmassen tummeln, herrscht im Corona-Jahr gähnende Leere: ein Strand auf Mallorca Foto: dpa/Clara Margais

Weil die Urlauber ausbleiben, sind das Meer und die Luft auf der Ferieninsel Mallorca so sauber wie lange nicht mehr.

Palma - Die Corona-Pandemie hat viele dramatische Auswirkungen, doch in der Natur hinterlässt die Krise positive Spuren – auch auf Mallorca. Wo sich sonst im Mai Urlauber an den Stränden tummeln und zahlreiche Autos quer über die Insel kurven, herrscht seit Wochen gähnende Leere. Das hat erfreuliche Folgen: Das Wasser rund um die Balearen ist vielerorts so kristallklar wie selten zuvor, die Luft extrem sauber.

„Das Meer ist derzeit spektakulär transparent“, sagt der wissenschaftliche Leiter der Meeressäugerstiftung Tursiops, Txema Brotons, nach einer einwöchigen Segel-Expedition in der Region. „Durch das Ausbleiben der Touristen gelangen viel weniger organische Substanzen ins Meer, sei es durch Abwässer oder direkt durch Essenreste und ungeklärte Fäkalien von den Jachten.“ Die die Luftverschmutzung ging bereits in den ersten zwei Wochen der Mitte März verhängten Ausgangssperre um 60 Prozent zurück wegen des damit verbundenen Verkehrsrückgangs. Die Touristenflaute hat zudem das Abfall-Aufkommens spürbar reduziert. In den ersten beiden Aprilwochen ging die Menge des auf Mallorca generierten Restmülls um 39 Prozent zurück. Das sind rund 8600 Tonnen.

Der Effekt dürfte bald verpuffen

Dass sich die Natur innerhalb von Wochen aber tatsächlich nachhaltig erholen kann, glaubt Brotons nicht. Der Nutzen der Virus-Zwangspause für die Natur werde wahrscheinlich nur vorübergehend sein – denn wenn die Massen nach Mallorca zurückkehrten, habe das Idyll wohl ein Ende. Es sei denn, die Menschen hätten durch die Krise etwas gelernt und würden der Natur in Zukunft mit mehr Respekt begegnen. „Ehrlich gesagt habe ich da aber so meine Zweifel“, sagt Brotons.

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