Tom Brady (li.) kokettiert auf seinem Twitter-Konto auf einer Fotomontage mit dem fortgeschrittenen Alter von sich selbst (43) und dem von Drew Brees (42). Foto: Twitter Tom Brady/Screenshot

Erstmals treffen in den Play-offs der NFL die Quarterback-Legenden Tom Brady (43) und Drew Brees (42) aufeinander. Dabei hat der Buccaneers-Spielmacher Brady noch eine Rechnung mit den New Orleans Saints offen.

Stuttgart - Der History Channel wäre der richtige Fernsehkanal für die Übertragung. Wenn die Tampa Bay Buccaneers in der Nacht auf Montag (0.15 Uhr/Pro Sieben) bei den New Orleans Saints antreten, wird Football-Geschichte geschrieben. Es ist das Duell zweier Veteranen, die sich altersmäßig jenseits der 40er-Marke befinden, die aber noch immer in der NFL nicht nur mithalten, sondern ihre Akzente setzen können. Megastar-Quarterback Tom Brady (43) führte die Freibeuter aus Florida ins Play-off-Viertelfinale, Superstar-Spielmacher Drew Brees (42) geleitete die Heiligen vom Mississippi dahin – es gibt in der NFL kaum eine wichtige Quarterback-Bestmarke, die nicht der eine oder der andere innehat.

Es steht viel auf dem Spiel, es geht um den Einzug ins Conference-Final, der letzten Station vor dem Erreichen des Super Bowl, doch bei aller Anspannung und Konzentration kommt bei Brady der Spaß nicht zu kurz: locker bleiben. Er hat solche Situationen schon häufig durchlebt, als er einst mit den New England Patriots von Triumph zu Triumph marschierte. Der sechsmalige Super-Bowl-Sieger postete auf Twitter eine Fotomontage, die ihn mit grauem Rauschebart wie Santa Claus und Football in den Händen zeigt, ihm gegenüber steht Drew Brees mit einem weit nach hinten verschobenen Haaransatz, mit Brille im Gesicht und Ball in den Händen. Zwischen beiden prangt das Logo des History Channels. Das launige Späßchen mit den Football-Opas fand Brees wirklich komisch, nur ein ein Detail störte ihn: „Sie lassen mich wie den Dad aus der Serie ‚Familienbande‘ aussehen. Ich mag den Haaransatz nicht, um ehrlich zu sein.“

Saints sorgen für Blamage von Brady

Die Sonntagspartie ist die erste Begegnung der NFL-Legenden in den Play-offs, weil Brady bis Februar 2020 mit den Patriots einer anderen Staffel (AFC East) als die Saints zugeordnet war. Mit den Buccaneers aus Tampa befinden sich beide Clubs in der NFC South. „Das Duell war unvermeidbar. Als er bei den Bucs unterschrieb, wusste man, dass das ein ernst zu nehmendes Team wird“, sagte der Saints-Spielmacher, „sie haben große Ambitionen, genau wie wir.“ Der Club aus New Orleans ist leichter Favorit, obwohl Brady als größter Spieler der Geschichte gilt. Die Saints haben den Bucs in dieser Saison zweimal die Grenzen aufgezeigt, einmal haben sie Brady bis aufs Hemd blamiert – Anfang November erlebte er beim 3:38 die höchste Niederlage seiner Profikarriere. „Das war eine armselige Vorstellung“, stöhnte er. In der Gesamtbilanz der Stars, die schon im College aufeinandertrafen, liegt Brees 5:3 vorn. Ihr erstes NFL-Duell lieferten sie sich im September 2002, als der Texaner mit den San Diego Chargers gegen Bradys Patriots 21:14 gewann.

Der 42-Jährige gilt als talentierter, als einer der besten Passgeber der Liga. Mit seiner Übersicht und Präzision kann er an guten Tagen jede Verteidigung zerstören, weshalb er zahlreiche Rekorde im Passspiel hält. Lange war Brees auch für weite Würfe bekannt, in den letzten Jahren gab es aber Diskussionen über seine nachlassende Armstärke – freilich ist der Super-Bowl-Sieger von 2009 (mit den Saints) nach wie vor in der Lage, jederzeit einen platzierten langen Ball zu werfen.

Die Kronprinzen drängen bereits nach

Brady gilt dagegen nicht unbedingt als genialer Virtuose auf seiner Position, aber er ist der erfolgreichste. Der Kalifornier ist ein Anführer, der mit immensem Ehrgeiz nie aufgibt. Ein Perfektionist, der alles für den Sieg gibt und nur selten die Ruhe verliert, wenn die Verteidiger mit geballter Masse auf ihn zustürmen. Der 43-Jährige hält 27 Play-off-Rekorde, er besiegte 17 verschiedene Teams in der Postseason – kein anderer Quarterback hat so viele Play-off-Matches gewonnen. Und beim Sieg in Washington wurde Brady zum ältesten Spieler, der je einen Touchdown-Pass in den Play-offs geworfen hat.

Langsam drängen die Kronprinzen nach und fordern die Starrollen. Patrick Mahomes (25/Kansas City Chiefs), Lamar Jackson (23/Baltimore Ravens), Josh Allen (24/Buffalo Bills) und Baker Mayfield (25/Cleveland Browns), die alle noch in den Play-offs stehen, kämpfen ums Erbe der Ü-40-Oldies. Aber noch sind die nicht in Rente. Der Vertrag des Bucs-Quarterbacks läuft bis Frühjahr 2022, der Saints-Profi hat bereits einen Kommentatoren-Job bei NBC nach der Sportkarriere sicher. Wann das passieren wird, verrät er nicht. Ob die Fans in Tampa oder New Orleans jubeln, ist schwer einzuschätzen – sicher scheint dagegen, dass die Partie am Sonntag das einzige Play-off-Duell der alten Männer bleibt.

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