An der Tankstelle müssen Autofahrer tief in die Tasche greifen. Foto: dpa/Christin Klose

Der Kraftstoff an der Zapfsäule wird immer teurer. Das liegt nicht nur an den hohen Abgaben. Was Autofahrer angesichts des Preishöhenflugs tun können.

Frankfurt - Annalena Baerbock und den Grünen wird es gefallen: Der Benzinpreis steigt und steigt. Die 16 Cent Plus, die die Grünen gern hätten, um die Energiewende auf den Straßen zu beschleunigen, sind zwar noch nicht erreicht, doch immerhin war das Benzin im Juli so teuer wie zuletzt vor sieben Jahren. Durch die von der Bundesregierung beschlossene CO2-Abgabe wird sich der Treibstoff in diesem Jahr um sieben Cent gegenüber dem Vorjahr verteuern, bis 2025 sind es dann 15 Cent mehr.

Wie teuer ist das Benzin nach den jüngsten Steigerungen?

Im bundesweiten Monatsdurchschnitt kostete ein Liter der Sorte Super E10 im Juli nach Angaben des ADAC 1,547 Euro. Das waren vier Cent mehr als im Juni und der höchste Monatswert seit Juli 2014. Diesel lag im Monatsschnitt bei 1,389 Euro – 2,6 Cent höher als im Juni. Hier ist es der höchste Wert seit November 2018. Teuerster Tag war bei E10 der 31. Juli mit 1,563 Euro pro Liter, bei Diesel der 18. Juli mit 1,398 Euro. Beides sind auch Jahreshöchstwerte. Im November war E10 gut 31 Cent billiger, Diesel sogar 33 Cent.

Was sollten Autofahrer angesichts des Preishöhenflugs tun?

Der ADAC empfiehlt Autofahrern, vor dem Tanken die Preise zu vergleichen. Wer die teilweise erheblichen Preisunterschiede zwischen verschiedenen Tankstellen und Tageszeiten nutzt, spare bares Geld und stärke zudem den Wettbewerb zwischen den Anbietern. Am günstigsten ist es nach den Beobachtungen des Autoclubs zwischen 18 und 22 Uhr. Allerdings sind die Preisunterschiede nicht nur von der Tageszeit abhängig, sondern auch regional.

Warum steigt der Preis eigentlich derart stark an?

Dazu muss man wissen, dass der Benzinpreis an der Zapfsäule nur zu rund einem Drittel von den Ölfirmen bestimmt wird. Zwei Drittel des Preises setzen sich aus Energiesteuern, der Umsatzsteuer und neuerdings auch der CO2-Abgabe zusammen. Die politisch beschlossene Absenkung der Mehrwertsteuer im vergangenen Jahr und der dann wieder erfolgte Anstieg in diesem Jahr hat daher den Benzinpreis direkt beeinflusst – erst nach unten, dann wieder nach oben. Bei Dieselkraftstoff ist der Anteil, der sich aus dem Rohölpreis, den Raffineriekosten, dem Vertrieb und den Gewinnen der Firmen zusammensetzt, mit knapp 49 Prozent höher als bei Super E10. Hier versuchen die Mineralölfirmen den Preis so flexibel wie möglich anzupassen – was man an den regen Bewegungen an den Preistafeln ablesen kann.

Welche Gründe spielen bei der Preisgestaltung die Hauptrolle?

Der Grundpreis orientiert sich am Rohöl. Beim Ölmarkt handelt es sich um einen weltweiten Markt, als Orientierung werden die Notierungen für das Nordseeöl Brent und die amerikanische Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) genommen. Der Ölpreis wird in US-Dollar je Fass von 159 Litern (Barrel) angegeben. Da auch der Wechselkurs schwankt, machen sich Abweichungen auch beim deutschen Benzinpreis bemerkbar. Aktuell ist der Euro eher schwach zum Dollar – ungünstig für deutsche Autofahrer.

Welchen Einfluss hat die Konjunktur auf die Preise?

Der Preis richtet sich nach Angebot und Nachfrage. Daher kommt es auch dann regelmäßig zu Preiserhöhungen, wenn damit gerechnet wird, dass der Verkehr zunimmt – in diesem Jahr hat das besondere Bedeutung zu Ferienbeginn, da der Anteil der Urlauber, die mit dem Auto in die Feriengebiete unterwegs sind, höher ist als in normalen Jahren. Das Gleiche gilt für die Weltkonjunktur. Wenn die Wirtschaftsleistung – wie etwa nach der Coronakrise – anzieht, steigt die Nachfrage und damit auch der Preis. Gebremst wird das allerdings, wenn das Angebot zu groß ist – daher sind die Absprachen der Opec-Staaten mitentscheidend für den Anstieg der Preise.

Wieviel Verantwortung trägt die Opec an diesem Punkt?

Die Treffen der erdölexportierenden Staaten (Opec) sorgen immer noch regelmäßig für Schlagzeilen. Vor allem die Herrscher aus dem Mittleren Osten – allen voran der saudische Kronprinz Muhammad bin Salman – sind dabei für ihre oft kämpferische Haltung bekannt. Dreht die Opec den Ölhahn auf, sinken die Preise; einigen sich die Staatschefs auf niedrigere Fördermengen, steigt der Preis. Das ist zumindest die Theorie, in der Praxis gilt das schon länger nicht mehr. Das liegt daran, dass die Bedeutung der Liefermengen durch die Opec-Staaten abgenommen hat. Dennoch sind die Opec-Staaten auch heute noch für rund 40 Prozent der weltweiten Förderung verantwortlich und besitzen gut 70 Prozent der weltweiten Vorräte. Der Mineralölwirtschaftsverband (MWV) betont, dass die Ölversorgung in Deutschland in vollem Umfang gesichert. „Deutschland bezieht Öl aus rund 30 Ländern weltweit. Hauptlieferanten sind Russland, Norwegen, Großbritannien und Kasachstan.“

Wie wird es am Ölmarkt voraussichtlich weitergehen?

Öl ist nach Einschätzung des Ölkartells Opec auch im Jahr 2040 noch der weltweit wichtigste Energieträger. Wie die Organisation erdölexportierender Staaten in ihrem aktuellen Ausblick für den Ölmarkt schreibt, wird gleichzeitig der weltweite Energiebedarf um rund 25 Prozent steigen. Der Anteil von Öl am gesamten Energiemix mache 2040 rund 28 Prozent aus. Der zweitgrößte Anteil wird dann laut dem Bericht nicht mehr auf Kohle, sondern auf Gas (25 Prozent) entfallen.

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