Der Nikola Tre – im Bild die elektrische Vorgängervariante – soll mit Wasserstoff betrieben und im Murgtal getestet werden. Foto: Iveco/Nikola

Auf der Teststrecke für Oberleitungslastwagen im Murgtal soll auch ein Brennstoffzellenfahrzeug fahren . Das wird in Ulm von Iveco und Nikola entwickelt und gebaut.

Stuttgart - Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) unterstreicht gerne, wie wichtig es sei, in Sachen Mobilität der Zukunft offen für alle alternativen Antriebstechnologien zu sein. Denn in der Vergangenheit war Hermann besonders im Zusammenhang mit der Teststrecke für Oberleitungslastwagen im badischen Murgtal in die Kritik geraten: Das Land bevorzuge hier einen alternativen Antrieb für Lkw einseitig, lautete der Vorwurf aus Politik und Wirtschaft.

Inzwischen sollen auf der Bundesstraße im Murgtal, die momentan mit elektrischen Oberleitungen versehen wird und die mit etwas Verspätung im Sommer in Betrieb gehen soll, auch batterieelektrische Lkw aus Daimlers Lastwagensparte getestet werden.

Kunden wollen saubere Logistik

Am Freitag verkündete Hermann außerdem gemeinsam mit Iveco-Chef Gerrit Marx, dass im Rahmen des Projektes nun auch ein Lastwagen mit Wasserstoffantrieb getestet werden soll.

Damit würde das Land auf der Strecke die derzeit meistdiskutierten emissionsarmen Antriebsformen zum Vergleich antreten lassen – unter gleichen Bedingungen, auf einer kurvenreichen Bundesstraße, im schweren Lieferverkehr. Auch synthetische Kraftstoffe kommen in Hybrid-Lkw auf der B 462 zum Einsatz.

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Iveco will ab Ende 2023 zusammen mit dem US-Hersteller Nikola in Ulm Lastwagen mit Brennstoffzelle produzieren. Einer der seriennahen Prototypen soll dann ebenfalls 2023 im Murgtal zum Test kommen. „Der Versuch ist die Grundlage für wichtige Entscheidungen der Politik, wenn es darum geht: Was ist die beste Technologie für welchen Zweck?“, betonte Hermann.

Iveco-Chef Gerrit Marx sagte, das Interesse an den mit Wasserstoff betriebenen Lkw sei groß. „Es sind vor allem auch die Unternehmen, die beliefert werden, die wollen, dass der CO2-Fußabdruck der Logistik besser wird.“ Der Transport sei derzeit noch eine bedeutende Quelle für Kohlendioxidemissionen.

Vier Kilometer Oberleitung

Die 18 Kilometer lange Strecke ist vor allem vor Ort hoch umstritten. Die Menschen stören sich unter anderem an den vielen Masten für die vier Kilometer langen elektrischen Leitungen entlang der Straße, von denen Oberleitungslastwagen ihren Strom beziehen. Auch wurde Kritik laut, die Oberleitungstechnologie sei bereits veraltet. Der Testbetrieb soll im Sommer starten und bis 2024 dauern.

Täglich sollen von den Test-Lastwagen dann 128 Fahrten übernommen werden. Laut Landesverkehrsministerium entspricht das rund zehn Prozent der durchschnittlichen Lkw-Fahrten auf der Strecke. Das 19 Millionen Euro teure Projekt wird wissenschaftlich begleitet, unter anderem vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung. Neben der Praxistauglichkeit der Antriebsformen spielen auch Fragen nach der Energieversorgung sowie der Lärm- und Schadstoffbelastung eine Rolle.

Korrektur: In einer früheren Version des Textes wurde Iveco als VW-Tochter bezeichnet. Das ist nicht korrekt, vielmehr ist das ebenfalls an der Teststrecke beteiligte Unternehmen Scania eine VW-Tochter.

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