Diese Brutwand für Tauben ist im Sturmvogelweg Foto: Bischoff (z)

Insbesondere in Bad Cannstatt hat die Gemeinderatsfraktion „Die Fraktion“ beantragt, an drei Stellen Taubenschläge zu errichten. In Neugereut indes ist die neue Form einer Brutwand aufgebaut worden.

Bad Cannstatt - Seit vielen Jahren wird im Stadtgebiet Stuttgart darum gekämpft, das Pro­blem der vielen Tauben zu lösen, die sich meist an unerwünschten Stellen aufhalten: bei Bäckereien, in Fußgängerzonen, in Bahnhofsnähe – auch in Bad Cannstatt. Das Taubenprojekt „Stadttauben“ um die Taubenbeauftragte Silvie Brucklacher-Gunzenhäußer kümmert sich seit mehr als zehn Jahren um Taubenschläge und Taubentürme. Sie hofft, dass sich die künftige Stadtspitze für die Tauben und das Projekt interessiert.

„Man muss dran bleiben“, weiß die Fachfrau. „Es ist so ein erfolgreiches Projekt mit viel Herzblut und auch privatem Einsatz. Ich hoffe, dass es weiter ausgebaut werden kann.“ Finanzielle Mittel wurden dafür – wie berichtet – vom Gemeinderat bewilligt. Doch die Umsetzung steht noch aus. Zuletzt hatte der Zusammenschluss „die Fraktion“ im Gemeinderat dafür eingesetzt, dass die Projekte weiter ausgebaut werden und auch weitere Vorschläge für Standorte für Taubenschläge in Bad Cannstatt gemacht: beim Mühlgrün, in der Marktstraße und am Marktplatz. Doch dazu gibt es von der Verwaltung noch keine konkreten Antwort. Und das, obwohl der Taubenturm am Seilerwasen aus allen Nähten platzt, sehr voll ist mit Tauben. Jetzt gibt es noch eine weitere Einrichtung zur Lösung des Taubenproblems, die vielleicht auch in anderen Teilen der Stadt Nachahmer findet: eine Brutwand im Sturmvogelweg in Neugereut. Dort hatte die Wohnungsbaugesellschaft GWG im vergangenen Jahr Netze an den Balkonen installiert, nicht zur Freude aller Bewohner. Nun hat sie dort mit der Brutwand eine weitere Maßnahme ergriffen, um das Taubenproblem zu lösen.

Wie Julia Bischoff vom Stadttauben-Projekt erklärt, sei die GWG auf die Stadt zugekommen und habe nachgefragt. Jetzt ist es verwirklicht. Schreiner Daniel Gunzenhäußer hat die Brutwand nach seinem eigenen Entwurf aus einem besonderen wasserfesten Holz erstellt. Sie ist 2,50 Meter breit und zwei Meter hoch und enthält 18 Brutboxen. Gunzenhäußer kümmert sich seit 15 Jahren um Tierschutzprojekte und seit etwa acht Jahren um den Taubenhausbau. Die Brutwand könne man in sämtlichen Größen herstellen, sagt er. Eingerichtet wird sie derzeit in Neugereut. Auch von dort waren, wie in Bad Cannstatt in der Fußgängerzone, Probleme mit zu vielen Tauben gemeldet worden. Bei der Erneuerung des Straßenraums im Flamingoweg waren deshalb extra die Bäume entfernt worden und durch kleinkronige Bäume ersetzt worden, damit sich die unerwünschten Vögel nicht mehr dort aufhalten können.

Julia Bischoff, die das Stadttauben-Projekt leitet, erklärt, dass es sinnvoll sei, dass die Gitter an den Balkonen seien. Dann würden die Tauben zur Brutwand gelenkt. Eine erste Taube sei schon in der Wand drin gewesen. Sie hat noch eine Neugereuterin, die sich ehrenamtlich kümmern will. Das sei auch der Vorteil solcher Projekte, da würden die Taubenschläge oder Brutwände gereinigt und andere kümmern sich um Futter und Wasser. In der Brutwand können 36 Tauben brüten. Sie brüten zu zweit, wechseln sich ab. „Ich hatte selbst ein Taubennest auf dem Balkon und konnte es sehen“, sagt Bischoff. So sei sie zu den Tauben gekommen. In der Brutwand seien die Fächer halb offen, etwa 40 mal 40 Zentimeter groß. Unten gebe es drei größere, abschließbare Fächer für Futter, Tränke, Putzzeug. Die Lage der Brutwand auf dem Flachdach sei ideal. Da störe es niemanden. Keiner sehe es. Die Mitarbeiter würden vormittags kommen. Es sei ein Vorzeigeprojekt, so Bischoff. Wie Carolin Arnolds von der GWG-Gruppe auf Nachfrage erklärt, hat die Wohnbaugesellschaft gemeinsam mit der Stadt Stuttgart im Rahmen des Stadttauben-Projekts Stuttgart eine Taubenbrutwand auf dem Dach des Gebäudes Sturmvogelweg 8 aufstellen lassen. Diese ist fertiggestellt worden und kann nun von den Tauben bezogen werden.

Mit dieser Brutwand solle erreicht werden, dass sich die Tauben nur noch dort einnisten und auch den Großteil des Tages dort verbringen. „Durch diesen fixen Aufenthaltsort sowie den gezielten Austausch von Eiern durch Attrappen, der von durch den Tierschutzverein Stuttgart eingesetzten Taubenpflegern durchgeführt wird, soll die Belastung unserer Mieterinnen und Mieter durch die Tauben sowie ihre Hinterlassenschaften verringert werden.“ Inwiefern der neue Taubenschlag von den Tieren angenommen wird, werden die nächsten Monate zeigen. „Wir sind aber optimistisch, das Taubenproblem in Neugereut mit dieser Maßnahme eindämmen zu können“, so Arnolds.

Sabine Dorsch vom Ordnungsamt der Stadt Stuttgart erklärt, dass hier aufgrund von Beschwerden der Bewohnern die Stadt mit der Wohnbaugesellschaft eine gute Lösung für alle Beteiligten gefunden hat. Selbstverständlich könne dieses Projekt als Vorbild für andere Flachdach-Gebäude dienen. Das Amt für öffentliche Ordnung freue sich über Nachahmer und versucht weitere Eigentümer von dem Nutzen zu überzeugen. „Interessenten sind stets willkommen und können sich gerne unter Sicherheit@stuttgart.de melden“, so Dorsch.

Gerne würde die Stadtverwaltung an den so genannten „Taubenhotspots“ zur Regulierung des Bestandes mehr Objekte in Form von Taubentürmen, -schlägen und Brutwänden errichten, erklärt Dorsch, „leider bekommen wir hierfür von den Gebäudeeigentümern – egal ob öffentliche oder private – nur wenig Unterstützung, dafür in der Regel viele Absagen“. Die Stadt möchte jedoch im Rahmen ihrer personellen Möglichkeiten nach Alternativen suchen, freut sich jedoch auch über Initiativen aus der Bürgerschaft.

Weitere Informationen zum Stadttauben-Projekt gibt es auch im Internet unter der Adresse www.stadttauben-stuttgart.de.

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