Ein ebenerdiges und altersgerechtes Bad – das wünschen sich viele ältere Mieter. Foto: IG BAU (z)

In Stuttgart wächst die Generation 65plus bis zum Jahr 2035 um 22 Prozent an. Die SWSG stellt sich auf diese Entwicklung ein.

Obertürkheim - S o lange wie möglich selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden wohnen bleiben zu können, ist der Wunsch wohl aller Senioren. Doch das ist gar nicht so einfach – viele Wohnungen entsprechen nicht den Bedürfnissen im hohen Alter. Barrierefreie Duschen, breite Türen für Rollator oder Rollstuhl und ein Lift statt Treppe sind allzu oft Fehlanzeige. Nach Einschätzung der IG Bauen-Agrar-Umwelt (BAU) ist nur ein kleiner Teil der Wohnungen in Stuttgart damit ausgestattet und somit für die Generation 65plus geeignet. Dabei wird diese Altersgruppe in den nächsten Jahren deutlich wachsen, warnt die Gewerkschaft mit Blick auf die demografische Entwicklung vor einem gravierenden Mangel an Seniorenwohnungen.

Die IG BAU verweist auf eine Demografie-Prognose des CIMA Instituts für Regionalwirtschaft. Demnach könnte in der Landeshauptstadt die Zahl der Menschen, die älter als 65 Jahre sind, bis 2035 auf 138 000 anwachsen – das sind 22 Prozent mehr als noch im Jahr 2017. Nach Ansicht des Bezirksvorsitzenden der IG BAU Stuttgart, Mike Paul, müssten nicht nur zusätzliche Seniorenwohnungen neu gebaut werden. Auch bei der altersgerechten Sanierung bestehender Wohnungen sei der Nachholbedarf groß, fordert Paul „mehr Anstrengungen bei der Schaffung seniorengerechter Wohnungen“.

Barrierefreiheit wird immer wichtiger

Bei der Stuttgarter Wohn- und Städtebaugesellschaft (SWSG) ist diese Erkenntnis längst angekommen. Im jüngst dem Gemeinderat vorgelegten Bericht über die Quartiersentwicklung heißt es: „Mit Rücksicht auf die demografische Entwicklung ist eine altersadäquate Anpassung der Wohnungen in den Beständen der SWSG unumgänglich. Barrierearme und multifunktionale Grundrisse werden in den kommenden Jahren wichtige Erfolgsfaktoren sein, um eine möglichst breite Interessentengruppe anzusprechen.“

Das städtische Wohnungsunternehmen mit Sitz in Obertürkheim verfügt in Stuttgart über rund 18 800 Mietwohnungen, in denen mehr als 45 000 Menschen leben. Fast ein Drittel der SWSG-Mieter hat das sechzigste Lebensjahr bereits überschritten. Tendenz steigend. Deshalb hat sich die SWSG zu einer Selbstverpflichtung zur Schaffung von mehr altersgerechten Wohnungen entschlossen. Die baurechtliche Vorgabe durch die Landesbauordnung, nach der bei Wohngebäuden mit mehr als zwei Wohnungen die Wohnungen eines Geschosses barrierefrei erreichbar sein müssen, möchte die SWSG bei Neubauprojekten ab diesem Jahr übererfüllen, wird in dem Bericht angekündigt. Das selbstauferlegte Ziel ist, künftig 25 (statt 20) Prozent der Neubauwohnungen barrierefrei nutzbar zu gestalten. Die Strategie sieht aber die sukzessive Reduzierung von Barrieren im Bestand vor. „Das übergeordnete Ziel ist es, den Mietern einen längeren Verbleib in der Wohnung und der gewohnten Nachbarschaft zu ermöglichen.“

Altersgerechte Anpassungen

Derzeit bietet die SWSG an zwölf Standorten 351 seniorengerechte Wohnungen mit einem Betreuungskonzept sowie drei Pflege-Wohngemeinschaften mit insgesamt 25 Plätzen an, berichtet Unternehmenssprecherin Saskia Bodemer-Stachelski. Darüber hinaus befänden sich 286 Seniorenwohnungen ohne Betreuung im Bestand. Nicht gerade viel, aber der Anteil steigt: „Seit 2017 wurden jährlich rund zehn altersgerechte Wohnungsanpassungen durchgeführt“, so Bodemer-Stachelski. Es handle sich dabei um größere Maßnahmen, die das Leben der älteren Mieter erleichtern, wie der Einbau schwellenarmer Duschen und die Verbreiterung von Badezimmertüren. Kleinere Hilfsmittellösungen, etwa das Anbringen eines Haltegriffs im Bad oder die Installation einer Rampe, um die Schwelle zum Balkon zu überwinden, seien hier nicht eingerechnet. Die Nachfrage nach solchen altersgerechten Wohnlösungen ist vorhanden: „2020 gab es rund 40 Beratungsfälle zu bedarfsgerechten Wohnungsanpassungen bei der SWSG.“

Beraten werden Senioren übrigens auch, wenn sie aus ihrer viel zu groß gewordenen Wohnung in eine kleinere umziehen wollen. Im Rahmen des Wohnungstausch-Programms „Aus groß mach passend“ konnte in der Vergangenheit für zwölf ältere Mieter ein passendes neues Zuhause gefunden werden, berichtet Bodemer-Stachelski.

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