Wenn Mieter mit den Zahlungen in Rückstand sind, kann der Vermieter den Vertrag kündigen. Foto: /Foto: dpa/Kai Remmers

Das städtische Wohnungsunternehmen SWGS bietet seinen rund 50 000 Mieterinnen und Mietern Hilfestellung bei Zahlungsrückständen, um fristlose Kündigungen zu verhindern.

Obertürkheim - Die Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG) zählt mit rund 18 800 eigenen Mietwohnungen und gut 50 000 Mieterinnen und Mietern zu den großen kommunalen Wohnungsunternehmen in Deutschland. Und zu jenen, deren gesellschaftliches Engagement als beispielhaft gilt: Dieser Tage wurde die SWSG mit dem Lea-Mittelstandspreis, ausgelobt von Caritas, Diakonie und dem Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau in Baden-Württemberg, ausgezeichnet. Gewürdigt werden damit das kostenlose Angebot der Mietschuldenberatung und die Schlichtungsverfahren bei Nachbarschaftsstreitigkeiten. Wie Geschäftsführer Samir M. Sidgi betont, sei soziale Verantwortung und das damit verbundene Engagement für die SWSG ein Selbstverständnis, das fest im Kern des Unternehmens verankert sei.

„Uns ist es wichtig, unseren Mieterinnen und Mietern in belastenden Situation mit professionellem Know-how und Einfühlungsvermögen zur Seite zu stehen“, betont Jan Böhme, der für das Sozialmanagement der SWSG verantwortlich ist. Das Ziel sei immer, gemeinsam mit den Mietern Lösungen zu erarbeiten, sodass der Verlust der Wohnung verhindert werden könne. In den meisten Fällen gelinge das auch, sagt Unternehmenssprecherin Saskia Bodemer-Stachelski.

Kündigung bei Zahlungsverzug

Normalerweise erhalten SWSG-Mieter bei Rückständen in erheblicher Höhe – in der Regel sind damit zwei Monatsmieten gemeint – automatisch eine fristlose Kündigung per Post. In diesem Fällen nehmen die Mietschuldenberater dann Kontakt mit den Betroffenen auf. Es folgen mehrere Gespräche, in denen es um die persönliche finanzielle Situation des Mieters geht. Auf dieser Basis werden Haushaltspläne erstellt und über Ratenzahlungsvereinbarungen oder Möglichkeiten zur Beantragung von staatlichen Leistungen gesprochen. Soziale Dienste und Ämter der Stadt, wie das Jobcenter oder die Fachstelle zur Verhinderung von Obdachlosigkeit, werden ebenfalls in den Prozess einbezogen.

Präventive Begleitung

„Die Mietschuldenberater begleiten die Mieter so lange, bis erkennbar ist, dass die Zahlungsvereinbarungen reibungslos klapp en“, so Bodemer-Stachelski. „Oder sie nehmen erneut Kontakt auf, sobald wieder Unregelmäßigkeiten eingetreten sind.“ Dank der präventiven Beratung säumiger Mieter könnten größere finanzielle Schwierigkeiten häufig vermieden werden. Diese intensive Begleitung zeigt offenbar Wirkung: Laut der Unternehmenssprecherin belaufen sich die Zahlungsrückstände der aktuellen Mietverhältnisse auf 0,5 Prozent. „Das ist im Branchenvergleich ein sehr niedriger Wert.“

Beratungsbedarf steigt

Seit 20 Jahren schon gibt es bei der SWSG die Mietschuldenberatung – und sie wird angenommen: Im vergangenen Jahr wurden wegen Zahlungsschwierigkeiten 671 Mieterberatungen durchgeführt, davon 209 präventive Gespräche, um die Gefahr einer Verschuldung bereits im Vorfeld zu verhindern. Die Zahl der Beratungen liegt konstant bei etwa 700 jährlich. In diesem Jahr freilich ist alles etwas anders. Viele Menschen fürchten, in der Corona-Krise ihre Miete nicht mehr zahlen zu können. Wegen der Pandemie verzichtet die SWSG – einem Bundestagsbeschluss folgend – seit April zwar auf fristlose Kündigungen, doch der Beratungsbedarf könnte steigen, je länger die Mieter von Kurzarbeit oder Einkommensausfall betroffen sind.

Streitschlichter

Mit dem Lea-Mittelstandspreis wird ebenso das Bemühen der SWSG um ein gutes nachbarschaftliches Miteinander gewürdigt. Bei Konflikten innerhalb des Bestandes vermittelt eine ausgebildete Mediatorin als neutrale Dritte zwischen den Streitparteien und versucht, die Beteiligten miteinander ins Gespräch zu bringen und so eine einvernehmliche Lösung für alle Betroffenen herbeizuführen. In besonderen Fällen werden Sozialdienste oder externe Ehrenamtliche hinzugezogen. Laut Bodemer-Stachelski gab es im vergangenen Jahr 101 Schlichtungs- und Mediationsgespräche durch die SWSG. „Wo immer Menschen zusammen leben, kann es Reibungspunkte geben. Klassische Missklänge in einer Hausgemeinschaft entstehen etwa aus unterschiedlichen Auffassungen in Bezug auf Lärm oder Sauberkeit und Ordnung. Am häufigsten kommt es zu Auseinandersetzungen aufgrund psychischer Probleme bei einzelnen Beteiligten sowie aufgrund von Rücksichtslosigkeit, Beleidigung oder einem unsozialen Verhalten.“

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