Explosive Stimmung, heimische Comedy-Stars und ein neuer Sendetermin: Die „Schwäbische Fasnet“ aus Donzdorf läuft ungewohnt an einem Mittwoch im SWR. Lohnt sich das Einschalten?
Rheinländer behaupten mitunter, das Land der Schwaben sei eine Diaspora des Frohsinns. Falls gar ein Fünkchen Wahrheit dahinter steckt, dann hat die Aufzeichnung der „Schwäbischen Fasnet“ am Sonntag in Donzdorf dieses Vorurteil eindrucksvoll widerlegt. Was sich dort im Festsaal abspielte, war laut Augenzeugen eine der ekstatischsten Ausgaben in der langen Fernsehgeschichte der Sendung.
Seit mehr als 25 Jahren überträgt das SWR Fernsehen die schwäbische Fasnet in Zusammenarbeit mit dem Landesverband Württembergischer Karnevalvereine. In diesem Jahr ist jedoch einiges anders: Die Sendung lief nicht live im linearen Fernsehen (wie sonst nur, wenn zeitgleich Bundestagswahl ist), sondern zunächst nur in der Mediathek. Die Fernsehausstrahlung folgt an diesem Mittwoch um 20.15 Uhr – und dauert über drei Stunden.
Mittwoch statt Sonntag: Wommy Wonder begrüßt neuen Sendetermin
Der Grund für den ungewohnten Sendetermin ist schlicht der Kalender. Weil die Faschingssaison in diesem Jahr besonders kurz ausfällt, schafft es der SWR nicht, alle Faschingssendungen aus seinem Sendegebiet am traditionellen Sonntag unterzubringen. Also rückt die schwäbische Variante auf den Mittwochabend. Eine Entscheidung, die Elfriede Schäufele alias Frl. Wommy Wonder ausdrücklich begrüßt. „Sonst haben viele am Sonntag erst den Tatort eingeschaltet, bevor sie zu uns umgeschaltet haben“, sagt der Star des Abends.
Wommy schwärmt von der Atmosphäre in Donzdorf: „Es war superharmonisch backstage – und das Publikum ist regelrecht explodiert, gleich von Anfang an.“ Wer schwäbische Fasnet nur vom Sofa aus kennt, weiß: Das ist ein bisschen so, als würde man im Wasenzelt Mineralwasser trinken, während ringsum Maßkrüge geleert werden und alle über Dinge lachen, die man erst mit Verzögerung versteht.
Doch diesmal, so hört man, sei die Stimmung so gut, dass sie selbst Wohnzimmerdistanz überwinden könne. Laut, ausgelassen, euphorisch wie selten zuvor – so wird die Schwäbische Fasnet des Jahres 2026 beschrieben.
Bühnenprofis ohne Gage: Stars der schwäbischen Fasnet im Einsatz
Wie immer bekommen die Künstlerinnen und Künstler keine Gage. Was der SWR zahlt, geht an die Nachwuchsförderung des närrischen Landesverbands. Auffällig ist, dass immer mehr ausgewiesene Bühnenprofis im Namen von Karnevalsgesellschaften antreten. Mit dabei sind etwa Hillu’s Herzdropfen, die Gscheidles, Doris Reichenauer, Zipperle samt Äffle & Pferdle sowie Frl. Wommy Wonder als Schäufele selbst.
Wolfgang Selje begeistert mit Welthits auf Schwäbisch
Seine TV-Faschingspremiere feiert Wolfgang Selje mit seinen „Goodles“ – bekannten englischen Hits mit neuer, schwäbischer Bedeutung, sehr zur Freude des Publikums. Show- und Gardetanz auf hohem Präzisionsniveau darf ebenso wenig fehlen wie das Männerballett. Musikalisch reißen Tobee und das Duo Lombagruscht den Saal von den Stühlen. Durch den Abend führt Moderator Michael Gutwein. Unter anderem im Publikum: CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel, FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke und Innenminister Thomas Strobl (CDU) mit seiner Frau Christine Strobl, der ARD-Programmdirektorin.
Bemerkenswert sei, so Besucher der Aufzeichnung, dass es deutlich weniger Amateur-Nummern „zum Fremdschämen“ gegeben habe als früher. Der Grund: Karnevalsgesellschaften gewinnen zunehmend echte Bühnenprofis für ihre Auftritte – zwar ohne Gage, dafür mit reichlich Werbewirkung.
„Eine richtig schwäbische Sendung mit Humor für alle Generationen“
Warum man am Mittwoch unbedingt einschalten sollte? Für Wommy ist die Antwort klar: „Weil es eine richtig schwäbische Sendung ist, ortsansässig, mit Humor für alle Generationen. Die Nummern sind ziemlich modern, aber doch auch mit Liebe zur Tradition.“ Dass der SWR Donzdorf als Austragungsort wählt, sei genau richtig: „In Donzdorf wird der Fasching gelebt wie sonst wohl nirgends.“
Die schwäbische Fasnet müsse sich jedenfalls nicht verstecken, findet Wommy – im Gegenteil. Was früher vielleicht Regionalliga war, sei inzwischen Bundesliga, manche sprechen nach der Donzdorfer Aufzeichnung sogar von Champions-League-Niveau. Am Mittwochabend können sich nun alle selbst ein Bild davon machen.