Koala-Weibchen Scarborough ist in der Wilhelma an Blutarmut gestorben. Foto: Lisa-Marie Grimmer/Wilhelma Stuttgart

Der Tod von Koala-Weibchen Scarborough erschüttert die Wilhelma. Der Stuttgarter Zoo hat erste Konsequenzen umgesetzt. Welche?

Das sieben Jahre alte Koala-Weibchen Scarborough musste am 29. Januar eingeschläfert werden. Der gesundheitliche Zustand des Tiers hatte sich stark verschlechtert. Dem pathologischen Befund nach litt es an einer schweren Anämie (Blutarmut). Woher diese kam, ist unklar. Außerdem hatten Tierärzte in Lunge, Leber und Niere des Weibchens das Bakterium Bordetella gefunden.

Einen Zusammenhang mit der Geburt des Jungstiers Borobi im Sommer 2024 und der Folgen der Erkrankung sieht der Zoo nicht, wie Sprecher Birger Meierjohann auf Nachfrage mitteilt. Ob die Bordetellen-Erreger, die bei dem Tier nachgewiesen worden sind, auch an der Blutarmut beteiligt sein könnten, darüber will die Wilhelma nicht spekulieren. Der Stuttgarter Zoo, der seit 2023 Koalas in der extra gebauten Terra Australis hält, steht auch im Austausch mit anderen Zoos und Experten. Noch ist unklar, ob so eine Blutarmut auch bei anderen Koalas in Europa schon aufgetreten ist.

Erste Impfungen bei den Koalas sind erfolgt

Die Wilhelma hat erste Konsequenzen aus den tödlichen Atemwegserkrankungen der Koala-Jungtiere Jimbelung und Borobo gezogen. Alle verbleibenden Tiere sind inzwischen geimpft worden, wie der Sprecher auf Nachfrage mitteilt. Beim Jungtier von Auburn, welches im Sommer vergangenen Jahres geboren ist und derzeit ab und zu aus dem Beutel heraus schaut, soll die erste Impfung im Frühsommer erfolgen. Künftig soll es regelmäßig alle sechs Monate Impfungen gegen Bordetellen geben. Den übrigen Koalas, dem Weibchen Auburn, ihrem Joey sowie den beiden Männchen Navy und Aero gehe es gut. Tests auf Bordetellen seien bei allen negativ gewesen. Die Bordetellen sind für die Lungenentzündung respektive Atemwegserkrankung der beiden Jungtiere verantwortlich gewesen. Dies hatte zum Tod der beiden Tiere geführt.

Spezialfirma entwickelt Impfstoff für Wilhelma-Koalas

Der aktuelle Impfstoff für die Koalas stamme aus der Veterinärmedizin. Zudem werde derzeit von einer Spezialfirma ein weiterer spezifischer Impfstoff entwickelt, der ganz genau auf den Bakterienstamm ausgerichtet sei, der bei den in der Wilhelma verstorbenen Koalas nachgewiesen wurde.

Natürlich sei jeder Todesfall bei einer so selten gehaltenen Art sehr schmerzlich. Dennoch könne auch die sorgfältige Aufarbeitung jedes einzelnen leider sehr traurigen Falles helfen, wichtige tiermedizinische Erkenntnisse zu gewinnen, von denen sowohl die Koala-Populationen in zoologischen Haltungen als auch im Freiland profitieren könnten, sagt der Sprecher.

Seit 36 Jahren Zucht der bedrohten Koalas in Europa

Koalas sind in Australien stark gefährdet. Zu den Gründen gehören Zerstörung und Zersiedlung von Lebensräumen, etwa durch Straßen und Siedlungsbau, Buschbrände, Angriffe von Haushunden aber auch die natürlicherweise bei Koalas vorkommenden Krankheiten. Darum hält es auch die Wilhelma für wichtig, eine Reservepopulation in Zoos aufzubauen – nicht nur in Australien. Koalas werden seit über 36 Jahren erfolgreich in Europa gehalten, erklärt Meierjohann. „Die zoologischen Gärten leisten dabei wichtige Beiträge zu Forschung, Tiermedizin, Zuchtkoordination und zum Schutz dieser hoch spezialisierten Art.“