Keine Stauffenberg-Vorlesung in diesem Jahr, dafür ein Neustart 2026. Die Stauffenberg-Gesellschaft sucht nach einem neuen Format und will junge Leute aktiv mit einbinden.
Der Termin hat seit 2004 seinen festen Platz im Jahreskalender des Hauses der Geschichte und der Stauffenberg-Gesellschaft: die Stauffenberg-Gedächtnisvorlesung im Weißen Saal des Neuen Schlosses. In zeitlicher Nähe zum Geburtstag des Hitler-Attentäters Claus Schenk Graf von Stauffenberg am 15. November traten dort einmal im Jahr Nachfahren von Männern und Frauen des Widerstands auf. Das Publikum erhielt jeweils Einblicke in das Familienleben und Denken nicht nur der Verschwörer des 20. Juli, sondern auch des Kreisauser Kreises und anderer Hitler-Gegner, die für ihren Widerstand meist mit dem Leben bezahlten.
Treibende Kraft hinter der Gedächtnisvorlesung ist der Vorsitzende der Stauffenberg-Gesellschaft und ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr Wolfgang Schneiderhan. In Zusammenarbeit mit dem Haus der Geschichte und mit freundlicher Unterstützung der Landesregierung organisierte er die Auftritte von Zeitzeugen-Nachfahren, zuletzt von Dieprand von Schlabrendorff, Sohn von Fabian von Schlabrendorff, der zum Kreis des militärischen Widerstands zählte und am 13. März 1943 eine Bombe in ein Flugzeug schmuggelte, das Hitler zu einem Frontbesuch brachte, die dann jedoch nicht zündete. Fester Programmpunkt der Gedächtnisvorlesung war immer auch die musikalische Begleitung durch Chor und Solisten des Eberhard-Ludwig-Gymnasiums, der ehemaligen Schule der Stauffenbergs.
Dieses Mal jedoch ist es anders. In einem Brief an die Mitglieder der Stauffenberg-Gesellschaft, die das Ziel hat, das Andenken an den Widerstand wachzuhalten, schrieb Schneiderhan: „Ich muss Ihnen leider mitteilen, dass es trotz größter Bemühungen nicht gelungen ist, für die Weiterentwicklung der Gedächtnisvorlesung im November diesen Jahres einen Festredner oder eine Festrednerin zu gewinnen.“ Die Folge: die Gedächtnisvorlesung werde in diesem Jahr „einmalig“ ausgesetzt, „um so Zeit für einen Neubeginn 2026 zu gewinnen“. Er soll gemeinsam mit dem Haus der Geschichte gestaltet werden. Schneiderhan spricht von einer „schwierigen“, aber nötigen Entscheidung.
Bereits im Juli hatte er erklärt, man werde mittel- und langfristig nicht umhinkommen, die Art der Gedenkveranstaltung zu überdenken, „weil uns die Zeitzeugen fehlen werden“ und man deshalb nach anderen Möglichkeiten des Erinnerns und Gedenkens suchen müsse. Zudem wolle man die Veranstaltung für junge Menschen attraktiver machen und sie „aktiv mit einbinden“. Es gehe um den Umstieg in einer andere Form des Gedenkens, sagte Schneiderhan.