Die Freien Wähler fordern in einem Antrag die Öffnungen der Stuttgarter Schulsporthallen am Wochenende für das Training.
Stuttgart - Rainer Gardyan vom Turnverein Spvgg Stuttgart Ost 1886 mit Sitz an der Waldebene Ost beschreibt die Raumprobleme der Stuttgarter Sportvereine mit einem Beispiel. Die Badmintonabteilung seines Vereins habe 20 Mitglieder. Sie könnten sich sich nur einmal in der Woche in einer Halle treffen. Doch beim Badminton können bekanntlich jeweils nur vier Sportler auf dem Spielfeld stehen.
Der Verein leide unter den begrenzten Hallenkapazitäten in Stuttgart, sagt der Erste Vorsitzende Gardyan. „Wir könnten unser Angebot entsprechend der Nachfrage verdoppeln, wenn wir mehr Platz hätten“, sagt er. Gardyan freut sich über einen Antrag der Freien Wähler im Gemeinderat von Ende Mai. Er fordert die Stadt auf, Turnhallen an Wochenenden grundsätzlich den Vereinen zur Verfügung zu stellen. „Das finde ich eine gute Idee“, sagt Gardyan. In einem ersten Schritt sollen die Platzbedarfe der Sportvereine in Stuttgart für ihre Angebote ermittelt werden.
Freie Wähler stellen Antrag
Schrittweise soll dann die Öffnung der Turnhallen in der ganzen Stadt umgesetzt werden. Außerdem soll die Verwaltung noch vor den anstehenden Verhandlungen zum kommenden Doppelhaushalt angeben, wie viel zusätzliches Personal etwa an Schulhausmeistern bei einer Öffnung benötigt wird.
Doppelhaushalt soll Öffnung finanzieren
Das Geld soll dann bereits im Doppelhaushalt 2022 und 2023 enthalten sein, fordern die Freien Wähler. Bereits jetzt werden acht Turnhallen im Stadtgebiet an den Wochenenden Vereinen zur Verfügung gestellt. Die Freien Wähler setzen sich im Grunde für eine Ausweitung dieser Ausnahme zur allgemeinen Regel ein. Die Stadt teilte der Fraktion mit, dass die Erfahrungen der Stadt mit den Öffnungen bisher „durchweg positiv“ seien. Eine Ausweitung sei denkbar, wenn der Gemeinderat eine Änderung der bisher gültigen „Allgemeinen Überlassungsbestimmungen für Schul- und Schulsportanlagen der Landeshauptstadt Stuttgart“ beschließe und finanzielle Mittel für den zusätzlichen Aufwand bestimme, heißt es in einer Erklärung der Stadt.
Vereinsvertreter hatte Idee aufgebracht
Michael Schrade, Stadtrat der Freien Wähler, erzählt, dass ein Vereinsvertreter die Idee bei einer Wahlkampfveranstaltung zur Sprache gebracht hat. „Es geht uns darum, brachliegendes Potenzial zu nutzen“, sagt Schrade.
Ähnlich sieht das auch Rainer Gardyan vom Spvgg Stuttgart Ost 1886. „Unserer Sportler fragen immer wieder, warum die Schulturnhallen am Wochenende nicht genutzt werden können“ sagt er. „Schließlich haben dann nicht nur die Schüler frei, sondern auch unsere Vereinsmitglieder arbeiten nicht“, fügt Gardyan hinzu.
Für Kursangebote bleibt es schwierig
Birgit Janik, Geschäftsführerin für Sportbetriebe beim MTV Stuttgart 1893 mit Sitz a Kräherwald, bewertet den Vorstoß der Freien Wähler differenziert. Die Öffnung der Schulturnhallen für den Vereinssport an Wochenende könne die Raumnot etwas entspannen, sagt sie.
Angesichts zahlreicher geplanten Sanierungen von in die Jahre gekommenen Turnhallen in der Stadt reiche der so geschaffene zusätzliche Platz für eine spürbare Entspannung aber nicht aus, sagt Janik. Die Öffnung von Schulturnhallen an den Wochenende würde nur eine eingeschränkte Ausweitung des Kursangebots der Vereine erlauben, sagt sie. „Es müssten sich ja ehrenamtliche Helfer finden, die am Wochenende arbeiten wollen“ sagt sie.
Stadt gibt 30 Millionen aus
Die Stadt nimmt bis 2030 20 Millionen Euro in die Hand, um 36 Sporthallen, 117 Turnhallen und 49 Gymnastikhallen in Stuttgart zu sanieren und in Sachen Energieverbrauch auf den neuesten Stand zu bringen. Schätzungen zufolge könnten aufgrund des Ausfalls von Hallen bei einer weiter prognostizierten Bevölkerungszunahme sich eine große Lücke auftun.
Mindesten 30 große Turnhallen könnten am Ende des Jahrzehnts fehlen. „Der Ausfall von Hallen ist unser dringendste Problem“, sagt Geschäftsführerin Janik.
Freiwillige müssten an Wochenenden arbeiten
Aus ihrer Sicht ist ein Ersatz für die ausfallenden Hallenangebote in Stuttgart auch unter der Woche nötig, um die Raumnot der Vereine spürbar zu lindern.