Es ist kein Zufall, sondern ein Zeichen von Qualität, dass die Stuttgarter Kickers nach der Hinrunde an der Spitze stehen. Können die Blauen das Niveau bis zum Ende halten? Sollten sie vielleicht sogar die Gunst der Stunde nutzen? Eine Analyse mit Ausblick.
Auch wenn es nicht zu drei Punkten gereicht hat, ein weiterer Beleg für die Stärke der Stuttgarter Kickers war das 2:2 zum Hinrundenabschluss gegen den FC 08 Homburg allemal. Denn die Saarländer gelten in der Fußball-Regionalliga als das Maß aller Dinge, und gegen diese Mannschaft der Stunde waren die Blauen deutlich näher am Sieg, als der DFB-Pokal-Achtelfinalist. „Die Herbstmeisterschaft ist der Ausdruck für die gute Arbeit, die alle hier in der Vorrunde geleistet haben“, sagt Sportdirektor Marc Stein vor dem nächsten Heimspielkracher zum Rückrundenauftakt am kommenden Samstag (14 Uhr/Gazi-Stadion) gegen Kickers Offenbach.
Konstant und stabil
Dort am Bieberer Berg setzte die Mannschaft von Trainer Mustafa Ünal gleich zur Saisonpremiere mit dem 1:0-Auswärtssieg vor 11 433 Zuschauern das erste Ausrufezeichen. Es folgten noch einige weitere, vor allem auswärts bei direkten Konkurrenten. Unterm Strich steht nach der Hälfte der Saison die Erkenntnis: Diese Tabellenführung hat nichts mit Zufall zu tun, sondern vielmehr mit Qualität.
Die Stuttgarter Kickers zeigen sich bisher so konstant und stabil wie kein anderes Team in der Liga. In dieser homogenen Einheit ist das Motto „Jeder für jeden“ keine Floskel. Nur so war es auch möglich, dass verletzungsbedingte Ausfälle – selbst von Schlüsselspielern – weggesteckt werden konnten.
Vier Spiele bis zur Pause
Aus all diesen rundum positiven Aspekten ergibt sich die Frage aller Fragen: Ist diese Mannschaft sogar reif für den Durchmarsch? Stein kann solche Gedankenspiele durchaus nachvollziehen, doch dem Sportdirektor ist das zum jetzigen Zeitpunkt alles zu viel „hätte, wenn und aber“. Ihm ist es einfach wichtig, sich auf die noch ausstehenden vier Spiele vor der Winterpause zu konzentrieren. Denn für den 38-Jährigen seht fest: „Sobald wir weniger machen, weniger investieren, bekommen wir schnell Probleme.“
Mustafa Ünal sieht das ähnlich: „Wir spielen die ganze Zeit am Anschlag“, lobt der Kickers-Coach vor allem das enorm disziplinierte, intensive und laufstarke Spiel gegen den Ball. Der 40-Jährige wird seinem konsequenten Umgang mit dem Team treu bleiben, seine offene und ehrliche Herangehensweise an die Spieler beibehalten. Deshalb deutet auch nichts darauf hin, dass sich Mentalität und die Einstellung der Mannschaft im weiteren Saisonverlauf ändern werden.
Zeigt die Konkurrenz Schwächen?
Für Ünal stellt sich eher die Frage, wie die Konkurrenz ihre Möglichkeiten ausschöpft: „Wir holen das Maximale heraus, wenn das aber alle Topteams machen, dann sind wir sicher nicht der Topfavorit.“ Und wenn es der FC 08 Homburg, der TSV Steinbach Haiger, Kickers Offenbach oder die zweiten Mannschaften schleifen lassen? Wenn sie sich Schwächephasen leisten? In diesem Fall sind bei den Kickers alle ehrgeizig genug, um entschlossen zuzuschlagen. Ünal drückt es vorsichtig so aus: „Wenn wir dann gegen Saisonende oben drin stehen sollten, sagen wir bestimmt nicht, wir wollen nicht absteigen.“
Es gibt Stimmen im Umfeld, die behaupten: Es könnte in dieser Saison so einfach wie selten sein, den Sprung in die dritte Liga zu schaffen, und die Blauen sollten tunlichst alles dafür tun, die Gunst der Stunde zu nutzen. Klar ist: Aus der Position des Aufsteigers lässt es sich lockerer agieren. In der neuen Saison hätte die Blauen vom ersten Spieltag an alle auf der Rechnung, es gäbe deutlich mehr Druck auszuhalten. Ganz davon abgesehen, dass noch stärkere Konkurrenz von oben droht: In der dritten Liga befinden sich Teams wie der SC Freiburg II, Waldhof Mannheim und der 1. FC Saarbrücken in Abstiegs-Nöten.
Nachschlag in der Winterpause?
Es ist durchaus verständlich, dass sich die Kickers zumindest offiziell mit solchen Szenarien nicht beschäftigen und den Ball flach halten. Sie verweisen auf die vier noch ausstehenden Spiele bis zur Winterpause. Danach wird analysiert, ausgelotet und diskutiert, ob personell nachgelegt wird. Optimierungsbedarf gibt es in jedem Team, zu jeder Zeit. Also auch bei den Blauen. Sie sind in der Innenverteidigung dünn besetzt, ein Umschaltspieler mit viel Tempo für die Außenbahn könnte ebenfalls nicht schaden. Und für einen Club, der Großes erreichen möchte, ist ein Stürmer mit eingebauter Torgarantie immer hilfreich.
Da die Kickers aber keinen Bedarf an Spielern für die Breite haben, sondern wenn, dann an welchen mit überdurchschnittlicher Qualität, wird das in der Winterpause nicht einfach zu realisieren sein. Zumal auch noch nicht geklärt ist, ob die finanziellen Mittel dafür überhaupt vorhanden sind.
Spielplan
Regionalliga
Kickers Offenbach – Stuttgarter Kickers 0:1, Kickers – TuS Koblenz 7:0, KSV Hessen Kassel – Kickers 2:1, Kickers – 1. FSV Mainz 05 II 4:1, TSV Steinbach Haiger – Kickers 1:3, Kickers – TSG Balingen 2:2, Kickers – VfR Aalen 0:0, Eintracht Frankfurt II – Kickers 1:0, Kickers – TSG 1899 Hoffenheim II 1:0, SG Barockstadt Fulda-Lehnerz – Kickers 0:2, Kickers – TSV Schott Mainz 3:0, Bahlinger SC – Kickers 1:1, Kickers – FSV Frankfurt 0:0, VfB Stuttgart II – Kickers 0:2, Kickers – FC Astoria Walldorf 2:2, SGV Freiberg – Kickers 0:2, Kickers – FC 08 Homburg 2:2, Kickers – Kickers Offenbach (Samstag, 18. November, 14 Uhr), TuS Koblenz – Kickers (Sonntag, 26. November, 14 Uhr), Kickers – KSV Hessen Kassel (Sonntag, 3. Dezember, 14 Uhr), 1. FSV Mainz 05 II – Kickers (Samstag/Sonntag, 9./10. Dezember).
WFV-Pokal
1. Runde: Freilos, 2. Runde: 1. Göppinger SV – Kickers 3:4 i.E., 3. Runde: TSV Weilimdorf – Kickers 0:7, Achtelfinale: TSG Backnang – Kickers 1:2 n.V. Viertelfinal-Auslosung am 26. Januar 2024. Noch dabei: SSV Ulm 1846 Fußball (dritte Liga), Stuttgarter Kickers, VfR Aalen (beide Regionalliga), SG Sonnenhof Großaspach, SSV Reutlingen (beide Oberliga), Türkspor Neckarsulm (Verbandsliga), TSV Buch, SG Empfingen (beide Landesliga). Termine: Viertelfinale 3. April (Nachholspiele 10. April), Halbfinale 1. Mai, Finale 25. Mai. (jüf)