In der fünften Liga eine Klasse für sich: Der offensive Mittelfeldspieler Markus Obernosterer. Foto: Baumann

Sechs Tore selbst erzielt, sieben vorbereitet – Markus Obernosterer ist aus der Offensive der Stuttgarter Kickers nicht wegzudenken. Seine gute Form kann er im Gazi-Stadion aber vorerst weiterhin nur vor 500 Zuschauern zeigen.

Stuttgart - „Eigentlich ist dieser Spieler zu gut für die fünfte Liga.“ Diesen Satz hört man auffallend oft, wenn es um Markus Obernosterer geht. Doch es ist nun mal unumstößliche Realität, dass der offensive Mittelfeldspieler für die Stuttgarter Kickers in der Fußball-Oberliga aufläuft. „Klar wollen wir in die Regionalliga aufsteigen, aber vor uns steht ein hartes Stück Arbeit“, sagt der 30-Jährige vor dem Heimspiel an diesem Samstag (14 Uhr/Gazi-Stadion) gegen die Neckarsulmer Sport-Union.

Lesen Sie hier: Die Überflieger vom SGV Freiberg mischen Oberliga auf

Sechs Treffer hat der gebürtige Innsbrucker in dieser Oberligasaison bereits erzielt. Hinzu kommen sieben Vorlagen, damit ist er die Top-Scorer der Blauen. Beim 9:1 im WFV-Pokal beim TSV Plattenhardt hat er sogar einen Tore-Fünferpack geschnürt. „Markus ist sehr gut in Form, er trifft nicht nur selbst und bereitet Tore vor. Er arbeitet auch enorm viel fürs Team“, lobt ihn der Sportliche Leiter Lutz Siebrecht. Und für Trainer Ramon Gehrmann ist er schlicht und ergreifend „der ideale Zehner“. Nicht nur wegen seiner Torgefahr, seiner Schusstechnik, seinen gefährlichen Standards und den tiefen Laufwegen, sondern weil er sich – nicht wie viele andere Spieler auf dieser Position – in Dribblings aufreibt. „Er macht im letzten Drittel viele gute Sachen. Das Gesamtpaket passt einfach“, findet Gehrmann.

Lesen Sie auch: Was bei den Blauen besser werden muss

Bleibt also die Frage, warum so ein Mann in der fünften Liga kickt. Der erste Anlauf Richtung Profiliga in Deutschland war schief gegangen. Im Alter von 20 Jahren hatte es Markus Obernosterer vom FC Wacker Innsbruck zu Energie Cottbus verschlagen. Der Sprung von der österreichischen in die deutsche zweite Liga war zu groß. „Ich hatte den falsche Berater“, sagt der Offensivmann im Rückblick. Es ging zurück in die Heimat. Und beim WSG Wattens stach er dem ehemaligen VfB-Profi und -Sportdirektor Herbert Briem ins Auge. Der Spielerberater, mit dem er heute noch zusammenarbeitet, vermittelte Obernosterer zum VfB Stuttgart. Dort kam er in der zweiten Mannschaft zum Einsatz. Das Problem: Er war damals schon über 23 Jahre alt. Und im Laufe der Saison 2014/15 kamen unter dem damaligen Trainer Jürgen Kramny im Drittliga-Abstiegskampf neben Marco Grüttner und Tobias Rathgeb andere ältere Profis wie Daniel Ginczek, Karim Haggui, Sercan Sararer und Konstantin Rausch zum Einsatz.

Lesen Sie auch: Spieler zwischen Bundesligaträumen und Existenzängsten

Obernosterer zog weiter zur SV Elversberg, wo er mit Tobias Feisthammel und Mijo Tunjic zusammen in einer Mannschaft spielte und dem heutigen Kickers-Kapitän seinerzeit schon viele Treffer vorbereitete. Tunjic war es dann auch, der ihm gut zuredete, 2019 vom 1. FC Saarbrücken nach Degerloch zu wechseln. Wie schon bei seiner letzten Station im Saarland bremste Obernosterer aber auch bei den Kickers zunächst eine Verletzung: In der Vorbereitung zur vergangenen Saison zog er sich einen Mittelfußbruch zu.

Inzwischen steht er voll im Saft. Damit es so bleibt, schiebt er auch Extraschichten in Sachen Kraft und Athletik, außerdem achtet er auf seine Ernährung. „Markus ist ein absoluter Profi in Sachen Lebensführung“, hat Trainer Gehrmann festgestellt. Was zu dem Satz passt: „Eigentlich ist dieser Spieler zu gut für diese Liga.“

Info: Weiter nur 500 Zuschauer

Die Stuttgarter Kickers erhielten vom Amt für öffentliche Ordnung der Stadt Stuttgart die Rückmeldung, dass auf der Grundlage der 20-Prozent-Regelung, die für Vereine der Bundesliga bis zur dritten Liga Gültigkeit hat, keine Erhöhung der Zuschauerkapazität bei den Heimspielen der Blauen möglich ist. Damit bleibt es weiterhin bei der Regelung, dass maximal 500 Zuschauer im Gazi-Stadion auf der Waldau zugelassen sind. Kritisch wird vor allem gesehen, dass die Kickers bei einer 20-prozentigen Auslastung auch die Stehplatzblöcke bei entsprechender Abstandswahrung wieder hätten öffnen müssen. Nach der neuen Corona-Verordnung sind bei Veranstaltungen mit mehr als 500 Zuschauern in Baden-Württemberg als einzigem Bundesland ausschließlich Sitzplätze mit mehr als 1,5m Abstand vorgesehen.

Kickers-Präsident Rainer Lorz: „Natürlich sind wir enttäuscht, weil wir für unsere Fans gekämpft haben. Aber wir können uns auch in schwierigen Zeiten diesen Regeln nicht widersetzen. Und es ist für uns natürlich selbstverständlich, dass die Gesundheit unserer Zuschauer das Allerwichtigste ist.“

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: