Die Brücke über dem Nesenbachtal bei Vaihingen Foto: Wilhelm Mierendorf

Der langjährige StZ-Fotograf Wilhelm Mierendorf präsentiert verborgene Schönheiten seiner Stadt: Sein neues Buch ist eine Liebeserklärung an Stuttgart.

Stuttgart - Die Stadt ist ihm vertraut – bis in geheime Winkel. Zwölf Jahre lang war Wilhelm Mierendorf als Fotograf für die Lokalredaktion der Stuttgarter Zeitung unterwegs. Dass der heutige Freiberufler, der für Zeitschriften und für die Industrie arbeitet, seine Stadt gut kennt, ist das eine. Das andere aber ist, dass er Stuttgart liebt. Seine Fotos lassen keine Zweifel daran. Er liebt vor allem, was sich nicht auf den ersten Blick erschließt, das Geheimnisvolle und Magische – Orte der Stille, an denen eine Großstadt, die unter Hektik und der Last ihrer vielen Baustellen ächzt, entschleunigen kann.

Vielerorts ist Stuttgart ein Dorf, was ein Kompliment ist

Der neue Bildband „Verborgene Schönheit Stuttgart“ (erschienen im Silberburg-Verlag) ist eine Liebeserklärung des gebürtigen Flensburgers an seine Wahlheimat. Mierendorf zeigt die Stadt aus Blickwinkeln, die mitunter selbst Einheimische überraschen. Er zeigt eine faszinierende Vielfalt, wie sie in den Tourismusprospekten nicht zu entdecken ist.

Wir sehen die Brücke über dem Nesenbachtal aus der Vogelperspektive. Filigran abgerundete Stahlstützen tragen den Weg für Fahrradfahrer und Fußgänger über der Ostumfahrung von Vaihingen. Ländlich anmutende Orte mit viel Grün prägen die Autostadt, die mehr ist als die Summe aus Technik, Abgasen und Getöse. Stuttgart ist mehr Weltstädtle als Weltstadt, an vielen Stellen ist Stuttgart ein Dorf, was als Kompliment zu verstehen ist. Der Schimmelhüttenweg, der überwiegend gepflastert ist, erlaubt entlang von Weinreben die idyllische Aussicht eines Urlaubsortes.

Auch ins rote Licht der Altstadt dringt der langjährige StZ-Fotograf vor. Die Uhu-Bar, direkt unter einem Bordell gelegen, ist ein öffentliches Wohnzimmer. „Woanders ist auch Scheiße“, steht an der Wand. Das ist die Ironie, die das neue Stuttgart kennzeichnet. Die Schönheiten der Stadt sind bei uns noch viel zu oft verborgen.

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