Wer zu Philipp Stodtmeister und der Stuttgarter Privatbank Ellwanger & Geiger geht, will oft einige Millionen Euro anlegen. Wer sind und wie ticken die Kundinnen und Kunden?
In Stuttgart und der Region ist viel Geld im Umlauf. Privatbanken kümmern sich um die Vermögensberatung und -verwaltung reicher Kunden. Ellwanger & Geiger gehört zu den Traditionshäusern in Stuttgart. Doch wie geht es hier zu und wie ticken die Kunden? Vorstand Philipp Stodtmeister gibt Einblick in ein Geschäft, das von seiner Diskretion lebt.
Herr Stodtmeister, qualifiziere ich mich mit einer Million Euro als Kunde bei Ihnen?
Eine Sache vorneweg: Ich wie alle Mitarbeiter unseres Hauses haben Respekt vor jedem einzelnen Euro. Aber eine Million Euro ist eine Größenordnung, bei der man ein sehr gutes Einzelwertpapier-Portfolio strukturieren kann.
Wie werben Sie mit Ellwanger & Geiger um Millionäre?
Wir sind seit 112 Jahren ein unabhängiges Stuttgarter Institut – kapitalstark und skandalfrei. Wir bieten alles vor Ort und konzentrieren uns ganz auf Privatkunden. Es gibt Stuttgarter Familien, wo Großeltern, Kinder und Enkel von derselben Beraterin betreut wurden.
Wie vermögend ist denn Ihr Durchschnitts-Kunde?
Das liegt im niedrigen Millionen-Euro-Bereich. Damit meine ich natürlich das Geld, das er bei uns angelegt hat, nicht das tatsächliche Vermögen. Wir haben rund 1000 Kunden, 85 Prozent von ihnen kommen aus der Region Stuttgart. Mehr als zwei Drittel von ihnen stammen aus Unternehmerfamilien.
Warum brauchen Unternehmer, die ja auch Finanzexperten sind, überhaupt Beratung?
Selbst die pfiffigsten Unternehmer, die genau wissen, wie viele Bleistifte in ihrem Unternehmen bestellt worden sind, legen häufig aus zeitlichen Gründen ihr Privatvermögen längst nicht so professionell an wie ihre Firmenvermögen. Wir nehmen sozusagen die Rolle eines Finanzvorstands für ihr Privatvermögen ein. Das Privatvermögen spielt im Übrigen eine immer größere Rolle, weil der Mittelstand derzeit unter großem Druck steht. Etliche fragen sich, ob sie Kapital aus ihrem Privatvermögen in die Firma pumpen müssen.
Was ist Ihre Anlagestrategie?
Im ersten Schritt geht es darum, welche Bedürfnisse und Ziele ein Kunde hat. Es gibt Kunden, denen ist es egal, dass ihre Anlagen einige Jahre lang auch Kursschwankungen unterliegen – aber sie wollen nach zehn Jahren gute Gewinne erzielen. Ein anderer möchte seinem Vermögen zum Beispiel jährlich 100 000 Euro entnehmen. Ein dritter wiederum muss in drei Jahren für seine Kinder 500 000 Euro Erbschaftssteuer zahlen. Nach diesen Zielen bauen wir das Portfolio auf.
Legen Stuttgarter ihr Geld anders an als in Hamburg oder Frankfurt?
Ja, Spekulation ist ihnen weitgehend fremd – wahrscheinlich, weil viele aus dem produzierenden Gewerbe kommen und hohe wirtschaftliche Kompetenz haben. Statt das Geld in Finanzprodukte oder Zertifikate anzulegen, kaufen sie Unternehmensanteile. Sie erwarten solide Geschäftsmodelle in einem wachsenden Markt. Hier in der Region ist man auch mehr auf nachhaltige Anlagen aus. Und die Höhe der Gebühren muss stimmen – in der Regel ist es rund ein Prozent des Vermögens, das ein- oder zweimal im Jahr berechnet wird.
Belastet es manche Kunden, dass sie so viel Geld haben?
Ich habe noch niemanden darüber klagen gehört, dass er zu viel Geld hat… Anders kann es sein, wenn Unternehmer oder Unternehmerinnen ihre Nachfolge planen und sich fragen, was mit dem Geld passiert: Können die Kinder damit umgehen? Sollen sie damit überhaupt umgehen? Weiß die Familie, wie viel Geld man hat?
Oft ist ja der Unternehmer oder die Unternehmerin vermögender, als das Ehepartner oder Kinder wissen. Das klingt nach Ärger im Nachhinein…
Ich verstehe, worauf sie hinauswollen. Aber das ist nichts, was uns irgendwie angeht oder zugetragen wird.
Steigt die Zahl der Vermögenden an?
Beim Vermögen gibt es ganz klar eine Spreizung der Gesellschaft: Die Zahl und die Höhe der Vermögenden ist auf einem Höchststand. Deshalb ist ja auch der Beratungsbedarf so hoch. Das hängt auch mit der Wertentwicklung und Inflation zusammen. Wenn der Großvater vor 30 Jahren auf dem Killesberg ein Grundstück für 200 000 Mark gekauft hat, dann erbt es das Enkelkind heute mit einem siebenstelligen Wert.
Wie stehen Sie persönlich zu dieser Entwicklung?
Wir müssen uns auch bei Ellwanger & Geiger bewusst sein, dass die Gesellschaft nicht nur aus Millionären und Multimillionären besteht, mit denen wir es täglich zu tun haben. Deshalb unterstützen Kolleginnen und Kollegen zum Beispiel für einige Tage im Jahr vor Ort die Stuttgarter Vesperkirche – das erdet. Außerdem glaube ich, dass die Vermögenden einen gesellschaftlichen Beitrag leisten sollten, so wie es in den USA oft der Fall ist. Hier sehe ich in Deutschland noch einen deutlichen Nachholbedarf.
Sind Sie dann für eine Reichensteuer in Deutschland?
Dazu möchte ich mich nicht äußern. Ich plädiere generell für die Verantwortung des Einzelnen, nicht für mehr Staat.
Die meisten ihrer Kunden sind Männer Ende 50. Wie stellen Sie Ellwanger & Geiger da zukunftssicher auf?
Wir habe einen deutlichen Zuwachs an jüngeren Kunden – auch weil wir unsere eigene Belegschaft deutlich verjüngt haben. Es zahlt sich auch aus, dass mehr als die Hälfte unserer Beschäftigten Frauen sind und neue Kundinnen gewinnen. Bisher finden Frauen in der Bankbranche oft nicht die beste Betreuung. Außerdem wollen wir digitaler werden.
Wie wollen Sie mit Internetbanken und Neobrokern mithalten?
Wollen wir gar nicht. Es reicht, wenn wir auf allen Kanälen digital unterwegs sind und zum Beispiel ein Reporting bieten, das jederzeit von überall zugänglich ist. Aber am Ende kommt es bei uns auf die persönliche, individuelle Betreuung an. Neue Kunden gewinnen wir oft durch Empfehlungen.
Banker durch und durch
Person
Philipp Stodtmeister wurde 1979 in Hamburg geboren. Nach dem Studium arbeitete er lange bei Privatbanken in Deutschland, zuletzt bei der Frankfurter Bankgesellschaft. Seit Oktober führt er mit Harald Brenner Ellwanger & Geiger und verantwortet unter anderem die Vermögensberatung und -verwaltung.
Privatbank
Ellwanger & Geiger wurde 1912 in Stuttgart gegründet. Die Privatbank ist eine nicht-börsliche Aktiengesellschaft, deren Aktien vollständig von der Eigentümerfamilie gehalten werden. Die Privatbank ist auf Vermögensplanung und - verwaltung und Anlageberatung spezialisiert und zählt derzeit 70 Beschäftigte. Das Immobiliengeschäft wurde 2017 verkauft.