Das Kaufhaus der Neuen Arbeit in der Inselstraße 5 hat bis mindestens 31. Januar geschlossen.Im Kaufhaus in der Krefelder Straße in Bad Cannstatt bietet die Neue Arbeit einen Schaufenstereinkauf an – mit Warenausgabe nach Terminvergabe. Foto: Elke Hauptmann

Die gemeinnützige Neue Arbeit hat schwer mit den Auswirkungen der Pandemie zu kämpfen. Unter Corona-Bedingungen können die Sozialkaufhäuser nicht wirtschaftlich betrieben werden, es fehlt der Umsatz.

Wangen - Im Kaufhaus in der Wangener Inselstraße 5 sorgt die Neue Arbeit dafür, dass gut Erhaltenes neue Besitzer findet. Zudem bietet das gemeinnützige Sozialunternehmen dort wichtige Jobs für Menschen an, die auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht mehr unterkommen. Doch die Mitarbeitenden sind wegen des neuerlichen Lockdown Mitte Dezember zum zweiten Mal in Kurzarbeit geschickt worden. „Wir haben bis 31. Januar 2021 geschlossen“, informiert man auf einem Zettel am Eingang. Gleiches gilt für die Secondhand-Geschäfte in Bad Cannstatt, Stuttgart-Mitte, Plochingen und Esslingen.

Die Neue Arbeit hat schwer mit den Auswirkungen der Pandemie zu kämpfen. Die Situation sei vergleichbar mit der im vergangenen Frühjahr, sagt Fachbereichsleiter Martin Tertelmann. Wirtschaftlich betreiben könne man die Kaufhäuser unter Corona-Bedingungen nicht. „Insgesamt haben wir im vergangen Jahr weniger Kunden und weniger Umsatz gehabt.“ Gleichzeitig liefen die Kosten wie Miete und Strom weiter. „Sicher ist aber, dass es kritischer wird, je länger der Lockdown anhält.“ Tertelmann hofft inständig auf die Wiederöffnung am 1. Februar. Denn: „Wenn der Lockdown nur bis zum 31. Januar geht, ist die Existenz nicht gefährdet. Wenn er sich weiter verlängern sollte, müssen wir die Lage neu bewerten.“

Schaufensterverkauf

Obwohl die Politik schon von einer möglichen Fortsetzung bis Ostern spricht – entmutigen lässt man sich nicht. „Wir können von unseren Erfahrungen aus dem letzten Frühjahr profitieren, verfügen über ausgereifte Hygienekonzepte“, berichtet Tertelmann und kündigt entschlossen an: „Wir werden alles daran setzen, den Umsatzverlust im Laufe des Jahres wieder wettzumachen.“ So ist er sehr froh darüber, dass die Neue Arbeit seit Anfang dieser Woche wie andere Einzelhandelsgeschäfte auch einen coronakonformen Abholservice (Click & Collect) anbieten darf. „Das funktioniert so, dass wir Waren im Schaufenster ausstellen und unsere Kunden diese an einem vereinbarten Termin abholen, um Warteschlangen zu vermeiden.“

Freilich: Das ist nur im Inklusionsbetrieb in Bad Cannstatt möglich, weil man dort über große Fensterfronten verfügt. In elf Schaufenstern des Geschäfts in der Kreuznacher Straße 53 werden unterschiedlichste Dinge für den Alltagsgebrauch präsentiert – von Bekleidung über Spielzeug bis hin zu Dekoartikeln. Für kleines Geld kann sie jedermann erwerben, einkommensschwache Menschen erhalten einen Rabatt. „Damit können wir zumindest etwas Umsatz machen.“ Aber man erreiche so „bei weitem nicht den üblichen Umsatz“, räumt Tertelmann ein. Für das Kaufhaus in Wangen ist der Schaufenstereinkauf keine Alternative – es befindet sich im ersten Stock eines Industriegebäudes.

Spenden willkommen

Schließungen von Kaufhäusern seien derzeit kein Thema, versichert Tertelmann. Im Gegenteil: „Eigentlich ist der Bedarf an gebrauchten und preiswerten Waren gewachsen. Das hängt auch damit zusammen, dass die Armut steigt. Wir planen zum Beispiel für unser Sozialkaufhaus in Esslingen einen neuen Standort mit mehr Verkaufsfläche, um die Nachfrage dort besser bedienen zu können. Corona erschwert natürlich die Planungssicherheit.“

Ob wohl die Secondhand-Geschäfte derzeit kaum etwas verkaufen können, nimmt man weiterhin Sachspenden an. „Allerdings nur nach vorheriger telefonischer Terminabsprache“, sagt Tertelmann. „Und auch nur gut erhaltene Dinge, von denen die Spender sagen, das würden sie selbst kaufen.“ Ihre Waren bezieht die Neue Arbeit fast ausschließlich aus Spenden, Haushaltsauflösungen und Entrümpelungen. Die Bereitschaft zum Geben sei nicht weniger geworden, stellt Tertelmann fest. Das Lager in Zuffenhausen sei gut gefüllt, weil viele Menschen den Lockdown zum Ausmisten genutzt hätten. „Wir haben aber noch ausreichend Kapazitäten.“ Aktuell würden besonders Herrenkleidung, Herrenschuhe, Elektrohaushaltsgeräte und Werkzeuge benötigt.

Haushaltsauflösungen und Entrümpelungen werden weiterhin durchgeführt. Anfragen unter der Telefonnummer 0711/32 75 99 17 oder 015229619549.

Infos unter www.daskaufhaus.de

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